Drittes Bürgerforum zum Wasserpark

Der Zweckverband Tourismus-Dienstleistung-Freizeit Ringsheim/Rust (ZVT) lud in der vergangenen Woche zum dritten Bürgerforum zum geplanten Wasserparkprojekt des Europa-Parkes östlich der Gemeinde Rust in die Ruster Rheingießenhalle ein. Noch 15 Minuten vor der Veranstaltung war die Ruster Mehrzweckhalle fast leer. Von den etwa 300 Stühlen waren zum Beginn der Veranstaltung nur etwa die Hälfte besetzt. Man hatte besonders von den Ruster Bürgern eine größere Beteiligung erwartet, weil mit den Themen Verkehr und Lärmschutz potentielle Interessen der Bürgerschaft bereits im Vorfeld leidenschaftlich diskutiert wurden. Einige Fußballfans bevorzugten vermutlich auch das Champions-League-Spiel der Bayern gegen Porto. Wie bereits in den beiden vorangegangenen Foren in Ringsheim und Rust moderierte Dr. Antje Grobe vom Büro Dialog Basis aus Tübingen die Veranstaltung.

Gleich mehrere Fragestellungen standen im Raum:

Wie hoch wird die Verkehrsbelastung an der Autobahn und insbesondere in Rust? Wird die Ritterstraße zu stark belastet? Wird Rust zur Großstadt-Stauzone? Wie hoch wird die Lärmbelastung beim Betrieb des Wasserparkes für die nahe gelegenen zukünftigen Wohngebiete Ellenweg II bis IV werden? Diese Fragen untersuchten gleich mehrere Experten und gaben dazu sachkundige Stellungnahmen ab: Michael Kreft von Byern zum Projekt Wasserpark, die Bürgermeister Kai-Achim Klare, Rust und Heinrich Dixa, Ringsheim für die Gemeinden und den ZVT, Peter Sackmann und Harald Steiner, Ingenieurbüro Zink zum Thema Verkehr, Wolfgang Rink, Rinkingenieure zum Thema Schallschutz und Julia Morelle vom Gewerbeaufsichtsamt des Landratsamtes Offenburg.

 

Der Zweckverband (ZVT)

Der ZVT wurde 2005 im Rahmen der interkommunalen Zusammenarbeit der Gemeinden Ringsheim und Rust mit dem Ziel gegründet, die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit im Bereich Tourismus-Dienstleistung-Freizeit zu erhöhen und weitere Arbeitsplätze zu schaffen. Besonders für die weitere Expansion des Europa-Parkes sollte mit der Vorhaltung von Flächen der Boden bereitet werden und somit die Rahmenbedingungen für die gemeinsame Realisierung eines attraktiven Sondergebietes zu schaffen. Der Zweckverband übernahm so die Aufgaben eines Planungsverbandes für ein 140 Hektar großes Gebiet zwischen der Autobahn und der Gemeinde Rust mit den Aufgaben Bauleitplanung, Grunderwerb, Bodenordnung, Erschließung, Grundstücksverkauf und Ansiedlungspolitik. Zum geplanten Wasserpark erstellte Prof. Dr. Uwe Fichtner aus Bayreuth eine 131-seitige fachwissenschaftliche Prüfung vom Januar 2015  mit folgendem Fazit: Nach eingehender Prüfung des Vorhabens, einer Abwägung seiner Vor- und Nachteile und in Würdigung der Chancen, die sich mit ihm eröffnen, wird hiermit festgestellt, dass das Vorhaben ohne jede Einschränkung und ohne Auflagen mit den Grundsätzen und Zielen und Zielen der Raumordnung verträglich ist.   

 

Einführung (Bürgermeister Kai-Achim Klare, Rust)

Der intensive Prozess mit Planern, Europa-Park und Bürgern habe mit dem Thema Ökologie begonnen, erwähnte Klare. In einer positiven Auseinandersetzung mit den Planern, Bürgern, Gemeinden, Behörden und Projektbetreibern habe man wichtige Veränderungen vorgenommen. Eine stressfreie Anfahrt der Park- und Wasserparkbesucher sei ein wichtiges Ziel. Den Befürchtungen der Überlastung der Ritterstraße habe man entgegengewirkt, indem sie nur noch der Südanbindung für den abfließenden Verkehr diene. Viele Anregungen der Bürgerschaft seien hierzu eingegangen. Der Schutz der Menschen in den Baugebieten habe höchste Priorität

 

Das Projekt Wasserpark (Michael Kreft von Byern)

Mittelpunkt des Wasserparkes wird in etwa der noch bestehende Hurster Hof sein, direkt zwischen den Fernleitungen der Überlandstromnetze. Mit neuen Lösungen seien die Verkehrsbeziehungen ergänzt worden. Parallel zur Erschließung des Geländes durch den Zweckverband erfolgt im ersten Bauabschnitt die Planung des Indoorbereiches durch ein namhaftes Büro in Osnabrück, das sich am vorhandenen Masterplan orientiert. Experten aus der USA mit viel Erfahrung für ähnliche Projekte begleiten ebenfalls die Planung. Das geschlossene Spaßbad mit Rutschen, Surfbecken und Wildwasserbereich hat eine Grundfläche von etwa 12 000 Quadratmetern. Südlich davon wird ein kleiner Außenbereich mit Schwimmbecken und Liegewiese entstehen. Westlich des Indoorbereiches schließt sich ein Hotelkomplex mit Sauna an, das durch eine Wasserlandschaft optisch getrennt sein wird. Ein Restaurant wird sich nördlich des Hotels anschließen. Die Hotelparkplätze liegen unter den Stromfernleitungen, weil der Bereich nicht bebaut werden darf, erläutert Kreft von Byern. Für etwa 5 000 Besucher ist die Kapazität des Wasserparkes in der ersten Ausbaustufe ausgelegt. Mit der Erweiterung des Outdoorbereiches sollen etwa täglich 8 000 Besucher Platz finden. Ein Buschuttleverkehr soll in einem Ringsystem den Themenpark mit dem Wasserpark, der Gemeinde Rust und Ringsheim (Bahnhalt) verbinden.

 

Verkehrsanalyse (Peter Sackmann, Büro Zink)

Das erwartete Verkehrsaufkommen sei im Vergleich zum Themenpark sehr gering, so Sackmann. Die Spitzenbelastung auf der K 5349 werde sich nicht signifikant erhöhen. Die im Vergleich zum Themenpark unterschiedlichen Öffnungszeiten, ein anderes Besucherklientel und längere Verweildauer führen zu einer Entzerrung des Besucherverkehrs. Eine Hochrechnung sei jedoch schwierig, sie stützt sich auf das Gutachten des Büros Fichtner, das an einem Messpunkt am Tag der höchsten Belastung, am 15. August (Christi Himmelfahrt) das Verkehrsaufkommen auf der Anfahrt der K 5349, zwischen 9 und 10 Uhr gemessen hat. Es wurden 1 900 Fahrzeuge gezählt. Da der Wasserpark erst um 10 Uhr geöffnet sein wird, verschieben sich die Anfahrtszeiten mit zusätzlich etwa 400 Fahrzeugen um eine Stunde. Mit Spitzenbelastungen sei dann zwischen 9 und 11 Uhr zu rechen, bisher 9 bis zehn Uhr.

 

Verkehrsplanung (Harald Steiner, Büro Zink)

Die Verkehrsplanung orientiert sich nach Bedarf an drei Ausbaustufen, so Steiner, der betonte, dass die Planung der Verkehrserschließung in Abstimmung mit den Gemeinden erfolgte. Die Zufahrt wird nicht wie ursprünglich geplant über die Ritterstraße führen, sondern über die K 5349 zum äußeren Ring mit einer bedarfsgerechten langen Einfädelungsspur. Eine weitere Einfädelungsspur in die Kreisstraße soll die beiden Parks verbinden. Die Ausfahrt erfolgt auf der Nordseite über die Ritterstraße mit Kreisverkehr, einschließlich einer Einfädelungsspur als vierte Spur Richtung Autobahn. Eine architektonisch optimal gestaltete Ellenweg-Allee ist für Fußgänger und Radfahrer  als eine direkte Verbindung zwischen Gemeinde und Wasserpark über den inneren und äußeren Ring geplant. Um den Wasserpark werden Radwegverbindungen, getrennt vom fließenden Fahrzeugverkehr, gebaut. Eine ÖPNV-Haltestelle ist im Gelände des Wasserparkes geplant. Falls erforderlich ist als Option die Ausfahrt mit einem Unterführungsbauwerk und Vollanschluss an den äußeren Ring geplant. Als mögliche dritte Ausbaustufe ist eine durchgehende dritte Spur nördlich der Ritterstraße mit einem Unterführungsbauwerk für Pkw`s angedacht.

 

Schallschutz (Wolfgang Rink, Rinkingenieure)

Was ist Lärm, wie erfolgt die Berechnung und welche Auswirkungen hat Lärm auf Menschen? Dieser Frage ging im Vorwort Bürgermeister Kai-Achim Klare in einem Statement nach. Die Berechnung sei kompliziert, meinte Klare. Die bestehenden Verhältnisse seien das Maß an zusätzlichem Lärm, der in seiner Gesamtheit einen Pegel von 55 dB(A) nicht überschreiten dürfe, erläuterte Rink. Die Wohngebiete haben allerhöchsten Schutzanspruch, wurde vermittelt. Die Lärmvorbelastung der Gewerbebetriebe seien mit einzubeziehen. Sie betrugen nach Berechnungen am höchsten Punkt 50 dB(A). Die Outdoorflächen seien nicht relevant, so Rink. Bei den schutzwürdigen Orten kämen maximal  52, 7 dB(A) an. Mauern zum Lärmchutz werde es nicht geben, betonte Bürgermeister Klare. Lärmschutz sei nur wirksam, wenn er an der Lärmquelle erfolge. Diese Fragen müsse man im Rahmen der Baugenehmigung klären.

 

Fragen der Bürger (Auswahl)

Was am Ringsheimer Bahnhalt geplant sei, wollte ein Bürger aus Ringsheim wissen. Parkleitung und Bürgermeister Heinrich Dixa führen mit der Bahn weitere Gespräche. Man müsse aber wieder ganz von vorne anfangen, weil seitens der Bahn ein neuer Ansprechpartner eingesetzt wurde. „Da müssen wir ganz dicke Bretten bohren“, meinte Kreft von Byern. Ein Ruster Bürger bemängelte, dass die Anfahrt zu den Parkplätzen nicht auf direktem Weg aus Richtung Osten geplant sei. Das sei wegen der dort verlaufenden Gasleitungen nicht möglich, argumentierte Peter Sackmann vom Büro Zink. Die Ritterstraße werde maximal in der dritten Ausbaustufe belastet, fügte Sackmann an. Wie man das Verkehrsproblem von Frankreich her lösen wolle, war die Frage einer Ruster Bürgerin. Da musste Bürgermeister Kai-Achim Klare passen, denn eine Lösung in Form einer Nordostumfahrung sei nicht in Sicht. „Wir werden die Verkehre aus Frankreich weiter im Ort haben“, meinte Klare. „Wer bezahlt die Kosten der Erschließung“, war eine weitere Frage. Es gäbe zwei Möglichkeiten, meinte Ringsheims Bürgermeister Heinrich Dixa: die Erhebung von Erschließungsbeiträgen, oder mit einen Vertrag zwischen dem Erschließungsträger (ZVT) und dem Bauträger (Europa-Park). „Die Kommunen werden sich mit Sicherheit beteiligen müssen, ebenso der Nutzer“, sagte Dixa.

Aus den Reihen der Besucher gab es unterschiedliche Ansätze zur Verbindung der beiden Parks, so zum Beispiel dem Bau einer Hochschienenbahn. „Wenn die Verkehrsbeziehungen näher bekannt sind, werde man neue Ideen entwickeln“, meinte Kreft von Byern. Einige kritische Fragen bezogen sich auf den Lärmschutz, etwa wie hoch eine mögliche Lärmschutzmauer sein werde. Es werde eben keine Mauer geben, weil Lärmschutz direkt an der Quelle erfolgen müsse. Die geplanten Hotels seien ein Teil des Lärmschutzes uns sollen selbst nicht Lärmquelle sein, so Kreft von Byern. Eine Bürgerin sorgte sich um zusätzliche Veranstaltungen im Wasserpark. „Es wird mit Nachtveranstaltungen grundsätzlich schwierig werden“, meinte Experte Wolfgang Rink. Der Außenbereich werde bei Sonnenuntergang schließen, bemerkte Kreft von Byern, betonte jedoch auch, dass Nachtveranstaltungen besonders im Innenbereich stattfinden würden. Sonderveranstaltungen seien im Einzelfall zu prüfen, meinte Ulrike Morelle vom Gewerbeaufsichtsamt des Landratsamtes. Maximal zehn Sonderveranstaltungen seien im Jahr möglich, meinte Morelle.

 

Dokumentation:

die Ergebnisse und der Verlauf der weiteren Bürgerforen können ab sofort im Intermet über eine Homepage aufgerufen werden:

www.zvt-ringsheim-rust.de oder

www.wasserpark-ringsheim-rust.de