Sandra Boser besucht die Gemeinde Ringsheim

Sandra Boser, Landtagsabgeordnete und bildungspolitische Sprecherin der Grünen, besuchte bereits zum zweiten Mal die Ringsheimer Gemeinde. Im November des vergangenen Jahres war sie zu Besuch in den Familienklassen in der Karl-Person-Grundschule. Am vergangenen Donnerstag war der zweistündige Besuch besonders der Ringsheimer Kindertagesstätte gewidmet. Deren Leiterin Nicole Faas gab Erläuterungen zu der Einrichtung, in der in zwei getrennten Gebäuden etwa 90 Kinder über drei Jahren und 20 Kinder unter drei Jahren betreut werden.

Während die Leiterin mit den räumlichen Bedingungen in Ringsheim sehr zufrieden ist, mache sich auch in Ringsheim der Fachkräftemangel bemerkbar. Es fehle an qualifizierten Fachkräften, über ein Jahr habe man eine 100-Prozentstelle nicht besetzen können, so Faas. Man habe durch krankheitsbedingten Ausfall oft am Limit gearbeitet. Der Anspruch der Eltern an das Erziehungspersonal sei indes sehr hoch. Hinzu komme eine nicht gerade attraktive Bezahlung und oft auch eine geringe Wertschätzung der Arbeit. Die neu eingeführte praxisintegrierte Ausbildung zum/zur Erzieher/in (PIA) sei ein guter Ansatz, so die Einschätzung von Boser. Sie stelle auch fest, dass im Erzieherberuf eine hohe Abbrecherquote bestünde, oder der erlernte Beruf nach der Ausbildung nicht ausgeübt werde. Wichtig aus ihres Sicht sei es, die Praxisphase zu verstärken. Imagepflege und eine Stellenwerterhöhung sei wichtig, sagte Boser. Das Land übernimmt 60 Prozent der Betriebskosten für Kitas unter drei Jahren, außerdem habe die Landesregierung den Sprachförderungszuschuss verdoppelt.

Nachdem das Bundesverfassungsgericht (BVG) das Betreuungsgesetz für verfassungswidrig erklärt hat, hofft Sandra Boser, dass die Bundesregierung eine Milliarde Euro, die für die weitere Finanzierung der Betreuung vorgesehen war, den Ländern zugute kommen wird. Die Gemeinde investiere jährlich etwa 600 000 Euro für den Unterhalt der Kindertagesstätten, stellte Bürgermeister Dixa fest. In den vergangenen Jahren haben man sehr viel Geld investiert, so in das Gebäude der neuen Kita. „Das sieht man“, meinte Sandra Boser und verwies darauf, dass sie tags darauf im Landtag an einem Fachgespräch zur Einrichtung von Familienzentren teilnehmen werde.

Die Einbindung der Eltern ist für Nicole Faas ein wichtiges Kriterium für eine erfolgreiche Arbeit in der Kinderbetreuung. In Ringsheim klappt dies sehr gut, meinte Faas. Sprachliche Integration von Eltern mit Migrationshintergrund sei dabei ein wichtiger Baustein. Dixa nahm die Gelegenheit wahr, die Abgeordnete über die Entwicklung der Gemeinde zu informierten und machte mit ihr eine kleine Rundfahrt durch und um die Gemeinde herum. Dixa führte besonders Klage darüber, dass die Gemeinde in der Entwicklung zu stark eingeschränkt werde. So sei für die Ansiedlung eines Lebensmittelmarktes die Verkaufsfläche auf 800 Quadratmeter begrenzt. Eine mögliche Ansiedlung eines Outletcenters im interkommunalen Gewerbegebiet des ZVT sei ebenfalls nicht genehmigungsfähig, so Dixa. Man möge sich mit dem Problem direkt an die Landesregierung wenden, schlug die Landtagsabgeordnete vor. Aber man brauche für solche Projekte auch die Akzeptanz der Region, fügte Boser an.

[Text und Bild: Adelbert Mutz]