Regierungspräsident Würtenberger informiert sich auch in Ringsheim über den Bahnausbau

Besseren Lärmschutz und einen Planungshorizont, dem Zahlen für das Jahr 2025 zugrunde gelegt werden, fordert Regierungspräsident, Julian Würtenberger für den viergleisigen Bahnausbau. Am Gründonnerstag hat der neue Amtsinhaber mehrere Bahnhöfe von Offenburg bis Kenzingen in Augenschein genommen und dabei auch Station in Ringsheim gemacht.

Bereits im zweiten Quartal 2008 wolle die Bahn eine vergleichende Bewertung der geplanten und der alternativen Streckenführungen vorstellen, sagte Würtenberger am Bahnhof Ringsheim. Für Juni oder Juli sei der Erörterungstermin für den Streckenabschnitt von Ettenheim bis Herbolzheim vorgesehen. Immer wieder unterbrochen vom Lärm der Güterwaggons brachten die Vertreter von Bürgermeister Dixa (Urlaub), die Gemeinderäte Christa Mutz und Konrad Broßmer, vor, was die Gemeinde Ringsheim bezüglich der geplanten Bahntrasse fordert: Der Güterverkehr solle an die Autobahn verlegt werden, weil direkt am Gleiskörper die Ortsmitte mit ihrem Wohngebiet anschließe. Sollte die Bündelungstrasse, bei der alle vier Gleise durch den Ort verlaufen, dann forderten die Ringsheimer eine Tieferlegung der Gleise, eine Deckelung des Gleiskörpers sowie weiteren Lärmschutz.

Eine Tieferlegung der Gleise bewertete der Projektleiter der Bahn, Christoph Jacobi, als nicht effektiv. Messungen hätten nämlich ergeben, dass der Schall dennoch in die Umgebung schwappe. Tieferlegung der Gleise habe man schon ohne nennenswerten Erfolg in Weil am Rhein ausprobiert. Der Schall lasse sich mit diesem Instrument nicht wie erwartet verhindern, sagte der Projektleiter in Ringsheim.

Einig waren sich alle Anwesenden, dass der effektivste Lärmschutz leisere Güterwagen seien. Man habe jedoch wenig Hoffnung, dass dies an entscheidenden Stellen vorangetrieben werde. Julian Würtenberger: "Initiativen dieser Art hatten bislang weder im Bundesrat noch im Bundestag Erfolg. Deswegen werden wir weiterhin mit einem Mix aus lauten und leisen Zügen leben müssen und den Lärmschutz jeweils vor Ort verbessern."

Aktuell müsse jedoch ein ganz anderes Problem behoben werden, warf Christa Mutz ein. Die Bahnhaltestelle in Ringsheim müsse für die Europa-Park-Besucher, die hier von der Bahn auf den Bus umstiegen, mehr Sicherheit bieten. Manche Jugendliche würden, wenn sie auf den Zug warteten, auf der Bahnsteigkante sitzen und die Beine ins Gleisbett baumeln lassen. An manchen Tagen drängten sich Hunderte von Menschen auf dem engen Raum am Bahnsteig. Lebensgefährliche Szenen würden sich da zuweilen abspielen, so Mutz. Außerdem gebe es nicht einmal eine Toilette, was die ganze Umgebung in Mitleidenschaft ziehe.

Ringsheims Bürgermeister Heinrich Dixa habe schon mehrmals versucht, die Missstände zu beheben und die Partner wie den Europa-Park und die Bahn zum Handeln zu bewegen. Ergebnisse würden sich jedoch keine abzeichnen. Gemeinderätin Christa Mutz zum Bahnvertreter: "Das kann man doch nicht so lassen." Christoph Jacobi rechnete vor, dass die Bahn in diesem Fall frühestens 2015 etwas tun könne.

Am Bahnhof in Mahlberg-Orschweier hat Regierungspräsident Julian Würtenberger am Donnerstag nicht haltgemacht. Er habe nicht alle Bahnhöfe besichtigen können, sagte er, und er habe sich zunächst einen optischen und akustischen Eindruck von den besonders neuralgischen Stellen machen wollen.

Badische Zeitung vom Samstag, 22. März 2008