Kabarett "Mutti ante portas" mit Reiner Möhringer am Sonntag, den 2. März 2008 im Bürgerhaus

Fräulein Knöpfle und ihre Herrenkapelle
"Eine Kultgruppe aus Karlsruhe" , kündigte Kulturkreisvorsitzender Heinrich Dixa den Zuhörern am Sonntagabend im restlos ausverkauften Bürgerhaus an: "Fräulein Knöpfle und ihre Herrenkapelle" war zum dritten Mal nach Ringsheim gekommen.

Die fabelhafte Welt der Susi Knöpfle, Fleischereifachverkäuferin und stolz drauf, ist wie eine Scheibe Lyoner: Flach, schlicht, bürgerlich, aber mit Biss. Die Kabarettistin und Dramaturgin Cordula Mohila hat sich die Figur des Fräulein Knöpfles auf den Leib geschneidert und lebt sie auf der Bühne mit großer Authentizität: Wenn sie mit Verspätung in roten Dorothy-Schühchen und Glitzerweste auf die Bühne stolpert ist sie Fräulein Knöpfle, die nervös am ohnehin zu kurzen Kleid zupft und das Herz auf der Zunge trägt. Sie plaudert drauf los, scheint die Welt um sich ebenso zu vergessen, wie ihre eigentliche Aufgabe: Die Herrenkapelle von Reiner Möhringer und Uli Kofler anzukündigen. Denn Fräulein Knöpfle ist die Moderatorin des Abends.

Der aus Altdorf stammende Klarinettist, Saxofonist und Sänger und der Mann am Klavier, Uli Kofler, haben schon ein Kreuz zu tragen mit ihrer Moderatorin. Sie patzt in die Stücke hinein und hat zu allem Übel auch noch ihre Mutter mitgebracht, die ebenfalls ein Liedchen zum Besten geben will. Doch die Mutter ist so nervös wie die Tochter, greift zur Beruhigung zum Schnaps und trinkt sich in der Garderobe unter den Schminktisch.

Also bleibt der musikalische Part doch an der Herrenkapelle hängen, und das ist auch gut so. Denn die können was: Möhringer ist ein grandioser Klarinettist, spielt Jazz, Klezmer und Klassik. Seine Instrumente verschweigen nie den Jazzer und Schalk in Möhringer: Er spielt das Saxophon gerne, als sitze er auf einem Donnerbalken und tanzt mit der Klarinette Stehblues. Richtig komödiantisch wird er aber, wenn er singt: Im Stile eines Max Raabe trällert er mit toller Stimme frivole Chansons, oft mit Unterstützung des Publikums.

Immer aber wird er dabei begleitet von Uli Kofler, der mit seiner Haarpracht und seinem ausgeflippten Spiel die lebendig gewordene Wilhelm-Busch-Karikatur "Der Virtuos" gibt. Er führt mit Genuss und Gunst durch alle Wunder seiner Kunst - ein perfekter Begleiter für Möhringer, ganz gleich ob als Pianist oder Partner bei humoristischen Einlagen. Die beiden machen klasse Musik und das hingerissene Publikum zergeht gerade wie Schmelzkäse, da platzt wieder Fräulein Knöpfle herein und klatscht eine Scheibe ihres Blutwursthumors obendrauf. Schlagartig ist die Stimmung dahin. Ein fliegender Wechsel zwischen guter Musik und gutem Humor. Der ist deshalb so wunderbar, weil Cordula Mohila nie kalauert, immer in der Rolle der Susi Knöpfle bleibt und diese Normalität und Banalität ins Absurde führen lässt. Es braucht daher ein wenig, mit diesem Humor warm zu werden, doch Susi folgt dem Credo der Fleischereifachverkäufer: "Darf's ä bissele mehr sei?" , fragt sie und legt immer noch ein wenig von ihrer schlichten Weltanschauung nach. "Vegetarier sind auch Menschen" , sind typische Susi-Sätze, oder "Männer sind zu blöd für die Gleichstellung" , wie sie in breitem "Unnerländisch" erklärt. Das Publikum jedenfalls begeistert ihr Humor bald ebenso wie das Spiel von Möhringer und Kofler. Aufmerksam lauscht es ihren Berichten vom Betriebsjubiläum in der Fleischerei oder dem "Schwingerclub" der Mutti, die "es zweimal die Woche machen" - Stöcke schwingen, Nordic Walking. Ach ja, die Mutti: Der haben in der Garderobe weiße Mäuse und rosa Elefanten derart zugesetzt, dass sie zur Entgiftung ins Krankenhaus muss, was Möhringer und Kofler übernehmen. An ihrer Stelle tritt das "Duo Cappuccino" , Möhringer als Latin-Lover mit Gitarre und Kofler als schwäbischer Riviera-Reisender mit Akkordeon. Da wird dann doch kräftig gekalauert, aber sei's drum: Das Publikum singt, klatscht, stampft, ist ganz aus dem Häuschen und ringt dem Trio noch reichlich Zugaben ab.

Badische Zeitung vom Mittwoch, 5. März 2008