Elche hautnah - Simon Hiller in Schweden

Lappland - ein Schneebad ist ein guter Ersatz für fehlende Dusche
Von Ringsheim nach Schweden: BZ-Mitarbeiter Simon Hiller berichtet von seinem Auslandsstudium. Unser Mitarbeiter Simon Hiller verbringt gerade ein Auslandsjahr an der Universität Linköping in Schweden. 

Vergangene Woche machte er sich gemeinsam mit neun anderen Deutschen auf den Weg in den Polarkreis.

Endlich ist es soweit: Wir fliegen nach Lappland, um die Faszination der Natur und das Leben der Menschen jenseits des Polarkreises selbst zu erleben. Die Kälte, die uns empfängt - das Thermometer zeigt minus 16 Grad - ist ein erster Vorgeschmack auf die folgenden Tage. Mit Hundeschlitten und Schneemobil fahren wir zu einem Camp, wo wir die Nacht verbringen werden. Auf dem Schlitten durch die unberührte Natur zu fahren und dabei nur sein Gleiten und das Rasseln der Hundeketten zu hören ist ein unbeschreibliches und unvergessliches Gefühl. "Lauft, lauft!" , rufen wir den Hunden zu, obwohl wir wissen, dass sie uns nicht verstehen können.

In dem kleinen Camp müssen wir selbst kräftig mit anpacken. Ich hole Wasser aus einem Loch, das wir in einen zugefrorenen Fluss geschlagen haben. Den mitgereisten Asiaten müssen wir den Umgang mit Holz erst erklären, bevor wir die Hütten und die Sauna erwärmen können. In der Sauna und den Pausen dazwischen, in denen wir uns draußen mit Schnee einreiben, erleben wir einen Temperaturunterschied von über 100 Grad. Das Schneebad ist ein guter Ersatz für die fehlende Dusche, wir fühlen uns danach wie neu geboren. Petter, einer der Camp-Mitarbeiter und ein echter Same, bricht wenig später mit seinem Schneemobil in den Fluss ein, mit vereinten Kräften müssen wir es aus dem Eis ziehen.

Am nächsten Morgen ist es noch kälter als die Tage zuvor. Die Samen hier sagen, es hätte 19 Grad. Damit sind natürlich minus 19 Grad gemeint, doch das Minus ist in diesen Breitengraden selbstverständlich. In einem geräumigen Haus, direkt an einem großen See und umgeben von Wald, verbringen wir die nächsten Tage. Der Himmel hier hält, was er verspricht. Er bleibt klar und so kommen wir in den Genuss der Nordlichter, einem einmaligen Naturschauspiel. In leichtem Grün schimmert das unglaubliche, wabernde und geheimnisvolle Licht schlierenhaft am Nordhimmel. Auf dem berühmten Wanderweg "Kungsleden" , schwedisch für Königspfad, erleben wir das eindrucksvolle Zusammenspiel von klarer Kälte, großartigen Wolkenzügen und schneebedeckten Weiten, Sträuchern und kargen Bäumen.

Am Tag unserer Abreise besuchen wir das Eishotel in Jukkasjärvi. Es besteht komplett aus Eis und Schnee und wird jedes Jahr für die Zeit von Oktober bis Dezember neu aufgebaut. Im Innern herrschen Temperaturen um -6°C, für wohlige Wärme bei den übernachtenden Gästen sorgen Rentierfelle.

Der Abschied fällt uns trotz der eisigen Temperaturen, die während unseres Aufenthaltes herrschten, schwer. Als das Flugzeug zum Starten ansetzt, glaube ich, dass Kiruna uns mit den Nordlichtern, die am Horizont tanzen, zum Wiederkommen animieren will.

Badische Zeitung vom Montag, 31. März 2008