Melancholie prägt Bilder und Gedichte

Er mag die Melancholie, "weil sie weder traurig ist noch glücklich", sagt Hannes Lockenvitz, der derzeit im Rathaus Ringsheim Bilder, Texte und Gedichte ausstellt. Am Donnerstag war die Vernissage.

Wegen seines Hangs zur Melancholie ist für Hannes Lockenvitz das Bild mit einem Rabenvogel in menschlicher Gestalt, der mit einem Bein im Wasser steht, umgeben von kahlen Bäumen in blaugrauem Licht, auch sein Lieblingsbild. So fühle er sich manchmal, melancholisch, aber keineswegs unglücklich, wie der in Emmendingen lebende Künstler betont. Alle Bilder - es sind meist Acrylbilder sowie einige Zeichnungen und Aquarelle - haben diesen melancholischen Grundton. Sie zeigen Gegenständliches: Uhren, Hochhäuser, Euromünzen, Tiere und Menschen und immer wieder die gleichen Motive, wie Kreise, Spiralen, Labyrinthe, Verwirbelungen, Verstrickungen, aus denen die Figuren Auswege suchen. Die Bilder sprechen aus der Biografie des 1938 in Magdeburg geborenen Künstlers, der über Umwege zum Malen gekommen war. Zunächst begann er vor etwa 15 Jahren mit dem Schreiben, um den Tod seiner Frau vor 17 Jahren und den damit verbundenen Schmerz aufzuarbeiten. Erst später folgte das Malen.

Die Gemälde sind aber das, was der Besucher zuerst entdeckt, wenn er die Ausstellung betritt. Und doch sind die Schriftzeichen, die Gedichte und Gedanken das Wesentliche an Hannes Lockenvitz' Kunst. Da bewegt er sich freier, einem Wilhelm Busch gleich, der beobachtet, resümiert, den Spiegel vorhält, aber nicht belehrend, sondern ermutigend bleibt. Hannes Lockenvitz kommentiert reimend alle möglichen Situationen und bewegt sich inhaltlich von der menschlichen Suche nach Glück bis zu aktuellen Themen wie der Finanzkrise. Seine Texte sind unterhaltsam, witzig, augenzwinkernd und doch immer auch ernsthaft und: melancholisch. Es sind immer beide Seiten der Medaille, die den Künstler interessieren. Deshalb sind die Worte, schwarz auf weiß gedruckt und seine Bleistiftzeichnungen auch das, was das Ambivalente in seinen Gedanken am besten befördert. Malerisch hat er sich ins Farbige, von der Natur bis in die Großstädte gewagt. Aber auch als Maler hält er sich an gedeckte Töne. Lockenvitz hat mit seiner Kunst Meditationswochen begleitet, weil es ihm gelingt, Gedanken anzustoßen und nachdenklich zu machen.

Die Ausstellung, die Bürgermeister Heinrich Dixa am Donnerstagabend im Ratssaal eröffnet hat, fand ein großes Publikum. Musikalisch setzten die beiden Klarinettistinnen Valerie Grußeck und Mira Kranz von der Musikkapelle Ringsheim den passenden Rahmen.

Info: Hannes Lockenvitz: "Blickwinkel und Sichtweisen", Bilderausstellung und Texte im Bürgersaal des Rathauses Ringsheim.
Geöffnet Montag bis Freitag, 8.30 bis 12 Uhr, Montag, 14 bis 16 Uhr und Mittwoch, 16 bis 18 Uhr. Bis 7. Dezember.

Badische Zeitung vom Samstag, 08.11.2008