Generalversammlung und Rückblick auf die 100jährige Geschichte der Raiffeisen Warengenossenschaft

Raiffeisen Warengenossenschaft
Viel Lob für den Vorsitzenden, eine Menge Ehrungen für langjährige Mitglieder der Genossenschaft und ein Rückblick auf 100 Jahre Raiffeisen-Warengenossenschaft Ringsheim, gab es bei der Jubiläums-Generalversammlung im „Bahnhöfle". Der Vorsitzende Bernhard Mutz begrüßte die Mitglieder, den Vorstand und den Aufsichtsrat, sowie geladene Gäste. Neben Bürgermeister Heinrich Dixa nahmen Herbert Schindler, Verbandsdirektor des BW- Genossenschaftsverbandes, Götz Lechner, Regionalleiter der ZG Raiffeisen Karlsruhe, sowie Christian Fix und Antonia Metzger von der Volksbank teil.

Nach der Totenehrung erläuterte Klaus Weber den Geschäftsbericht der Jahres 2008, der einen Jahresüberschuss von 1444 Euro feststellte, die auf Beschluss der Mitglieder den Rücklagen zugeführt werden. Mit 193000 Euro stieg der Umsatz im Gegensatz zum Vorjahr um erstaunliche 35%. Dass keine Verluste erzielt würden, wäre insbesondere der Verdienst des rührigen Vorsitzenden Bernhard Mutz, der seit fast 40 Jahren die Waren-Lagerhaltung und seit 27 Jahren den Vorsitz inne hat. Der Dank von Klaus Weber ging auch an Anneliese Blank für eine saubere und korrekte Buchführung. Josef Muttach, Vorsitzender des Aufsichtsrates, bestätigte geordnete Verhältnisse. Auch der Prüfungsbericht des Baden-Württembergischen Genossenschaftsverbandes stellte eine gute Geschäftsentwicklung fest. Ob dieser lobenden Worte wurde dem Vorstand, dem Aufsichtsrat und der Geschäftsführung Entlastung erteilt.

In den Grußworten der Gäste kam zum Ausdruck, dass die -damals aus der Not geborene- Zweckgemeinschaft des Begründers Raiffeisen, auch heute noch auf die Bedürfnisse der Mitglieder und nicht auf Wertsteigerung ausgerichtet ist. „Was dem Einzelnen nicht möglich ist, das vermögen Viele", diese Grundaussage von Friedrich Wilhelm Raiffeisen sei auch heute noch zentraler Mittelpunkt der Genossenschaften. Dass in der 100-jährigen Geschichte der Genossenschaft lediglich sechs Vorsitzende das Amt ausübten, ist ein Zeichen der Zuverlässigkeit und der Kontinuität, betonten die Gastredner. Bürgermeister Heinrich Dixa überbrachte die Glückwünsche der Gemeinde mit dem Hinweis, dass langjähriges Engagement vieler Bürger in der Gemeinde prägend sei. „Mister RWG", wie der Vorsitzende bezeichnet wurde, durfte Dankesworte und Jubiläumsgeschenke entgegen nehmen. „Der Erfolg der Genossenschaft sei in erster Linie der Verdienst der Mitglieder", gab sich Bernhard Mutz bescheiden.

Raiffeisen-Warengenossenschaft Ringsheim ehrt langjährige Mitglieder
Im Rahmen der Jubiläums-Generalversammlung ehrte die Raiffeisen-Warengenossenschaft Ringsheim am vergangenen Donnerstag langjährige treue Mitglieder. Sie seien die Garanten für den erfolgreichen Fortbestand der Genossenschaft, sagte der 1. Vorsitzende Bernhard Mutz, denn
eine Genossenschaft lebe von ihren Mitgliedern, von denen sie gestaltet wird und
denen sie Nutzen bringen soll. Seit der Genossenschaftsgründung 1909 zählt das
Mitgliederverzeichnis der heutigen Raiffeisen-Warengenossenschaft Ringsheim eG
über 400 Mitglieder. Nach der Gründung stieg die Zahl der Mitglieder zunächst stetig
an. In den 1950er und 60er Jahren lagen die Mitgliederzahlen relativ gleich bleibend
bei etwa 150. Seither sind die Zahlen rückläufig. Im Jubiläumsjahr 2009 zählt die Genossenschaft
noch 48 Mitglieder. Auch hier zeigen sich also die Strukturveränderungen in der Ringsheimer Landwirtschaft. „Umso dankbarer sind wir", bekennt Bernhard Mutz, „dass wir unser Jubiläum mit 24 Mitgliedern feiern können, die seit 40 und mehr Jahren treu und engagiert zu ihrer Genossenschaft stehen":

Anna Heitzmann ist seit über 65 Jahren Mitglied der Genossenschaft.

Mitgliedschaft über 50 Jahre:
Otto Muttach, Johann God, Wilhelm Spitz,
Konrad Person und Wilhelm Weber

Mitgliedschaft über 45 Jahre:
Walter Motz, Gerhard Kaufmann,
Emil Biehler und Alfons Bosch (Herrenstr.)

Mitgliedschaft über 40 Jahre:
Eugen Sartory, Herbert Weber, Friedrich Henninger,
Otmar Ringwald, Max Stippich und Karl Person

40 Jahre Mitgliedschaft:
Gerhard Winkler, Josef Hofstetter, Hans Weber,
Erhard Wieber, Fritz Person, Robert Weber,
Alfons Bosch (Siedlungsstr.) und Alfred Fahrländer

Besondere Erwähnung erfuhren Alfons Bosch, Otto Muttach, Otmar Ringwald
und Xaver Weber, die alle über 25 Jahre lang im Vorstand oder im Aufsichtsrat der
Genossenschaft tätig waren.

Die 100-jährige Geschichte der Raiffeisen-Warengenossenschaft Ringsheim
Das Leitbild von Friedrich Wilhelm Raiffeisen
Die Gründung des Vereins im Jahre 1909 basierte auf den Ideen von Friedrich Wilhelm Raiffeisen, 1818 in Hamm geboren. Er wollte die Lage der Bauern verbessern, die sich zu Beginn des 19. Jahr-hunderts von ihren Grundherren befreiten. 1881 gründete Raiffeisen eine Handelsgesellschaft und damit die erste Warenzentrale, um die Vorteile des gemeinsamen Einkaufs zu nutzen. Daraus entstanden die Warengenossenschaften, die landwirtschaftliche Betriebsmittel und Erzeugnisse ein- und verkauften.

Genossenschaftsgründung
Am 10.06.1909 taten sich 117 Landwirte in Ringsheim zusammen und setzten die Idee der landwirtschaftlichen Selbsthilfe um. Die Statistik aus dem Jahre 1913 gibt interessante Details frei.
1500 Einwohner, 330 landwirtschaftliche Betriebe, 573 Hektar(ha) Ackerland (307 ha alleine für den Getreideanbau), 111 ha Kartoffeln und 8 ha Tabak sind einige Zahlen aus dieser Zeit.
765 Rinder und 3479 Federvieh waren auf kleinstrukturierte Betriebe verteilt. Die Zahlen belegen die große Bedeutung der damaligen Landwirtschaft für das Dorf.

Organisatorische Entwicklung
Die heutige Genossenschaft trug im Laufe der Geschichte verschiedene Namen. Es begann mit dem „Landwirtschaftlicher Bezugs- und Absatzverein", seit 1975 trägt der Verein den heute bestehenden Namen „Raiffeisen-Warenengenossenschaft Ringsheim eG" und ist, als eine von wenigen landwirtschaftlichen Genossenschaften, selbständig geblieben. Die Verwaltungsstruktur blieb im Wesentlichen gleich. Vorstand, Aufsichtsrat und Geschäftsführung bestimmen die Geschicke der Genossenschaft. Dass in Einhundert Jahren nur sechs Vorsitzende -1909 war es Ludwig God- dem Verein vorstanden, wird als Zeichen von Beständigkeit und Kontinuität gewertet. Seit nunmehr 27 Jahren ist Bernhard Mutz 1. Vorsitzender, sein Vertreter ist Gerold Ringwald. Zum Ausichtsrat zählen heute Josef Muttach, Ralf und Joachim Weber.

Die Dreschgenossenschaft
Mit der Gründung der Warengenossenschaft ging fast gleichzeitig die Gründung der Dreschgenos-senschaft einher. Das Protokoll von 1910 gibt darüber Auskunft: „Da in Ringsheim bis zu dieser Zeit nur eine Dreschmaschine den Ausdrusch ausführte, und der seitherige Besitzer dieser Dreschmaschine immer größere Forderungen für den Ausdrusch an die Einwohner stellte, und auch die Ordnung der Drescherei viel zu wünschen übrig ließ, entschlossen sich mehrere Bürger von hier zur Gründung der Dreschgenossenschaft". 1919 fiel die Dreschhalle samt Maschinen einem Brand zum Opfer. Die Mitglieder gaben jedoch nicht auf, sondern erhöhten die Geschäftsanteile, um neue Maschinen zu kaufen. Durch die zunehmende Technisierung in der Landwirtschaft wurde die stationäre Dreschmaschine überflüssig, die Dreschgenossenschaft ging 1966 in die Raiffeisen-Warengenossenschaft über.

Warengeschäft
Das historische Gebäude „Dreschschopf" in der Oberfeldtraße ist bis heute in seiner Bausubstanz im Wesentlichen erhalten geblieben und dient seit vielen Jahren der Warengenossenschaft als Lager und Verkaufsraum. In den ersten Jahren beschäftige die Warengenossenschaft einen Vereinsdiener, der von Haus zu Haus ging und Bestellungen aufnahm. Die Waren wurden meist mit der Bahn angeliefert und dort direkt abgeholt. Vor allem Heu und Ölkuchen wurden anfänglich als Futtermittel bestellt, später kamen Dünge- und Pflanzenschutzmittel hinzu. Seit dem Krieg verkaufte die Genossenschaft auch Kohle und Briketts. Mit dem Bergbau in Ringsheim kam der Aufschwung, der Warenumsatz nahm stetig zu. Der Bau einer eigenen Lagerhalle wurde zwar 1954 angestoßen, aber nie realisiert, zumal sich später der „Dreschschopf" als Lagehalle anbot. Das Angebot heute besteht nicht nur aus Dünge-, Futter- und Pflanzenschutzmitteln, sondern viele Artikel für die Land- und Forstwirtschaft, sowie für den privaten Gartenanbau sind zu haben.
„Nur durch eine intensive Betreuung der Kunden, eine umfassende Beratung und eine kundenfreundliche Preispolitik konnte die Raiffeisen-Warengenosssenschaft Ringsheim bis heute überleben", sagt Bernhard Mutz. Fast als Familienbetrieb kann das laufende Geschäft bezeichnet werden, denn neben der Famile von Bernhard Mutz ist auch seine Schwester Anneliese Blank seit 1970 als Rechnerin tätig.

Das Ringsheimer „Milchhisli"
Zur Blütezeit der Milchviehhaltung wurde in der (Alten) Hauptstraße im Jahre 1949 eine Milchsammelstelle eingerichtet, um den gemeinsamen Milchverkauf der Tierhalter zu koordinieren. Die Milch musste auf einen bestimmten Fettgehalt reduziert werden (Zentrifuge). Rahm und Milch wurden an den Milchhof nach Freiburg verkauft. Der Milch-Ortsverkauf musste aus hygienischen Gründen 1975 eingestellt werden. 70 Milchbetriebe lieferten im Jahre 1942 500 000 l Milch an der Sammelstelle ab. 1984 waren es gerade noch 15 Anlieferer, darunter Herbolzheimer Milchbauern.
Heute gibt es in Ringsheim noch zwei Landwirte, die Milchviehhaltung betreiben. Das „Milchhisli" wurde 1990 geschlossen.

Die Entwicklung der letzten Jahre
Der beschleunigte Strukturwandel in der Landwirtschaft stellte einen Wendepunkt in der Genossenschaftsentwicklung dar. Mit dem Wegfall zahlreicher Nebenerwerbsbetriebe und einem rapiden Rückgang der Vollerwerbslandwirte, ist die Zahl der potentiellen Kunden stark gesunken. Kernbereiche des Geschäfts, insbesondere der Futtermittelhandel, sind fast völlig verschwunden.
Mit großflächigen Sonderkulturen (Erdbeeren, Spargel), gingen der Genossenschaft zusätzliche Flächen verloren. „Heute weiß niemand, wie lange es die Raiffeisen-Warengenossenschaft noch geben wird. Inwiefern die Idee der Genossenschaft auch für Gegenwart und Zukunft eine echte Alternative bieten kann, ist offen", stellte Bernhard Mutz zum Schluss realistisch fest.

[Autor: Adelbert Mutz]