Jungweinprobe 2010 war ein voller Erfolg

Der Abend hielt, was er versprach. Ein hochvergnügliches Erlebnis war die Jungweinprobe der drei Kommunen rund um den Kaiserberg, Ettenheim, Herbolzheim und Ringsheim. Das Bürgerhaus in Ringsheim war am Freitagabend bis auf den letzten Platz besetzt. Die Jungweinprobe bildet die Auftaktveranstaltung für eine ganze Reihe von Weinpräsentationen, vom öffentlichen Herbsten und Trotten, bis zum Kaiserbergfest am 3. Oktober.

Die Begrüßung blieb dem Hausherrn Bürgermeister Heinrich Dixa vorbehalten. Neben seinen Amtskollegen Ernst Schilling und Bruno Metz war auch der Oberbürgermeister von Achern, Klaus Muttach -ein Ringsheimer Bürger - gekommen. Viele Winzer und Winzerinnen aus den drei Kommunen, die Breisgauer Weinprinzessin Simone Schwab, die Vorsitzenden der Winzergenossenschaften und natürlich die „Herrenkapelle" mit Reiner Möhringer und Uli Kofler waren mit von der Partie. Dass die gemeinsamen Veranstaltungen so großen Zuspruch finden würden und inzwischen eine feste Einrichtung seien, liege auch an gemeinsamen Anstrengungen von Kommunen und Winzern, lobte Dixa Winzer und Amtskollegen.
Das Thema Wein sei ein unverzichtbarer und wichtiger Werbeträger für die Region.

„MännerLIEDERliches", mehr stand nicht auf dem Programm, das Reiner Möhringer und Uli Kofler im Flyer ankündigten. Da das Repertoire an Badischen Weinliedern wenig hergebe, bediente sich das Duo zunächst des Wiener Schmäh. „Die Reblaus" des Wiener Originals Hans Moser sorgte schon zu Beginn für Heiterkeit. Möhringer kann nicht nur gut singen, sondern ist gleichzeitig ein exzelenter Parodist und Humorist. Den teils melancholisch, teils sarkastischen Gemütszustand des Wieners konnte Möhringer überzeugend vermitteln. Das Repertoire der beiden Musiker ist jedoch breiter angelegt. Die zunächst klagend wirkende Klarinette, wechselte bald in ein wildes, virtuoses Spiel, begleitet von Uli Kofler am Flügel. Die erste Duftmarke war gesetzt, weitere Höhepunkte sollten folgen.

Insgesamt fünfzehn Weine wurden nacheinander von den Ringsheimer Rebwibern und Rebmännern serviert. Nicht gerade wenig, aber dafür sollten es die besten des Jahrganges 2009 der drei Winzergenossenschaften sein. Georg Kaufmann vom Badischen Winzerkeller Breisach gab die fachkundigen Erläuterungen. Löwenstark, aber auch sanft wie Kätzchen bezeichnete Kaufmann die unterschiedlichen Charaktere der jungen Rot- und Weißweine. Zwei Spätburgunder Rotweine der WG`s Herbolzheim und Ettenheim flossen als erstes ins Glas. Jung, frisch, elegant, mit dem Aroma von Schwarzkirsche beschrieb Kaufmann den Wein der WG Herbolzheim, die Spätlese aus Ettenheim hingegen hat ein Kaffeeröstaroma, vermittelte Kaufmann. Aber eines gelte für alle Weine, das Lesegut müsse gesund sein. Den Spätburgunder Rotweinen Spätlese aus Ringsheim bescheinigte Kaufmann immer eine „super Qualität". Mit 96 und 101 Grad Öchsle und einer Mengenbegrenzung von 90 kg und 60 kg je ar, seien Spitzenweine am reifen, die in zwei Monaten in die Flaschen kämen. Mit dem Ettenheimer Spätburgunder entstand ein Cuvee aus Maischeerwärmung und Wärmegärung. Eine Neuerung, die noch nicht im Umlauf sei, sagte Kaufmann. Der Herbolzheimer Spätburgunder Rose war eigentlich als Weißherbst gedacht, doch „die Zeit lief uns davon" und es wurde ein Spätburgunder, klärte Kaufmann auf.

Gespannt blickte das Publikum wieder auf die Bühne, um der „Herrenkapelle" zu lauschen. Sowohl Möhringer als auch Kaufmann hatten gelegentlich Seitenhiebe für die „Konkurrenz" aus Schwaben auf Lager. So intonierte die „Herrenkapelle" ein Lied auf einen Kneipenbesuch in Biberach an der Riß, als Grundlage diente ein Song von Eric Clapton. Das Winzervesper gab den Gästen Gelegenheit, eine gewisse Menge Alkohol zu binden. Derweil ging Kaufmann auf die Weinlese 2009 ein: „Das schlimmste ist, wenn der Winzer in der Badehose herbsten muss". Mit der Wärme kam schnell gutes Mostgewicht zusammen und damit auch die Frage, wann geherbstet wird. Insgesamt 300 000 l Most sei durch die Wärme und die damit einhergehende Verdunstung weniger eingefahren worden.
Besondere Aufmerksamkeit genießt jedes Jahr der Bürgermeister-Cuvee-Wein vom Kaiserberg.
In harter Arbeit wurde er von den Ortsoberen geherbstet und getrottet. Es kamen zwar nur 400 l Most zusammen, aber daraus wäre ein guter Tropfen entstanden, lobte Kaufmann die Bürgermeister.

Bei den Weißweinen erhielt der Ringsheimer Graue Burgunder Kabinett bei der Landesweinprämierung bereits eine Goldmedaille. Ein edler Tropfen sei auch der Graue Burgunder aus Ettenheim. „Wenn der in die Flasche kommt, wird auch er gut für eine Goldmedaille", ergänzte Kaufmann. Unter den Weißweinen wurden noch ein spritziger Müller-Thurgau, Muscaris und Auxerrois, alle aus Ettenheim zur Probe eingeschenkt. Zum Abschluss gab es noch einen Spätburgunder Rotwein Spätlese der WG Herbolzheim, der mit seinem Restzucker eher etwas für die Nordlichter sei, stellte Kaufmann fest.

Und zwischen den Weinproben griff Reiner Möhringer entweder zur Gitarre, zur Klarinette oder zum Saxophon und überraschte zusammen mit seinem Partner Uli Kofler, einem Profimusiker am Flügel und am Akkordeon. Beide glänzten an diesem Abend vor allem durch ihr kabarettistisches Können. Das Virtuosenduo brillierte immer wieder mit unglaublicher Spielkunst, besonders mit der Klarinette (Möhringer) und am Flügel (Kofler). Beide allein hätten schon für einen wunderbaren Abend mit ihren frech-frivolen LIEDERlichkeiten gesorgt. Aber die Genussmischung aus gutem Wein und guter Musik, sowie einem Winzervesper lechzt geradezu nach Wiederholung.

Das Publikum war begeistert und Bürgermeister Dixa war sichtlich stolz, dass die Ringsheimer das auf den Weg gebracht hatten. Der Dank galt allen Beteiligten, den Winzerinnen und Winzern der Genossenschaften für die köstlichen Weine und insbesondere Annette Hog, die sich mächtig ins Zeug legte, um den Abend zu einem Erlebnis werden zu lassen.

[Text und Bilder: Adelbert Mutz]

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Die drei Bürgermeister (v.l.n.r.) Ernst Schilling (Herbolzheim), Bruno Metz (Ettenheim) und Heinrich Dixa (Ringsheim) hatten gut lachen, denn es gab ein volles Haus mit köstlichen Weinen und bester musikalischer Unterhaltung
Jungweinprobe Kaufmann
Georg Kaufmann vom Badischen Winzerkeller Breisach gab die fachmännische Erklärung zu den Weinen
Die "Herrenkapelle" mit Reiner Möhringer (Gesang, Gitarre, Klarinette, Saxophon) und Uli Kofler (Akkordeon, Flügel) brillierten mit MännerLIEDERlicher Unterhaltung und wären allein schon das Eintrittsgeld wert gewesen
Die Rebwiber und Rebmänner aus Ringsheim hatten alles im Griff