Staatsminister Helmut Rau zu Besuch in Ringsheim

Zwei Stunden nahm sich Staatsminister Helmut Rau am vergangenen Montag Zeit, (brand-) aktuelle Themen mit Bürgermeister Heinrich Dixa, Gemeinderäten, Gewerbetreibenden und Mitgliedern des CDU-Ortsverbandes zu diskutieren. Die touristische Entwicklung in der Gemeinde müsse vorangetrieben werden. Das bekräftigten nicht nur der Bürgermeister, sondern auch Lutz Werner, Geschäftsführer des Sun-Parc-Hotels und der Vorsitzende des Ringsheimer Tourismusvereins Alois Weber. Lutz Werner, der das Hotel 2005 übernahm, gab einen Überblick über die Geschäftsentwicklung. Mit der derzeitigen Auslastung sei man nicht zufrieden.

Es bestehe eine starke Abhängigkeit von den Besucherzahlen des Europaparks. Der reduzierte Mehrwertsteuersatz auf sieben Prozent schaffe etwas Luft. Die Situation im Hotelbetriebsgeschäft habe sich verändert, die Reiseveranstalter hätten sich zurückgezogen und das Tagungsgeschäft sei weggebrochen. Alois Weber vom Tourismusverein  erläuterte, dass die Gäste bei den privaten Zimmervermietern im Schnitt eine Verweildauer von 1,6 Tagen haben. Im Gegensatz zu Nachbargemeinden habe Ringsheim strukturelle Nachteile, es fehle an attraktiven Angeboten, wie sie zum Beispiel in Ettenheim oder Lahr vorzufinden wären. Helmut Rau sah es eher realistisch und gab zu bedenken, dass der örtliche Tourismus mit Einzelstrategien nicht zu bewältigen sei. Es sei wichtig, die vorhandenen Attraktionen in der Region zu nutzen und in das örtliche Tourismuskonzept mit einzubinden. „Einzelkämpfer in diesem Gebiet stehen auf verlorenem Posten“, sagte Rau. Dixa erkannte in der Entwicklung durchaus positive Signale, denn nach Rust und Kappel-Grafenhausen sei Ringsheim an dritter Stelle bei den Übernachtungen. Die zur Zeit stagnierende Entwicklung des Interkommunalen Gewerbegebietes Rust-Ringsheim, soll im laufenden Jahr stark vorangetrieben werden. Dabei erhofft sich Dixa die Unterstützung der Landesregierung, sprach er die Hoffnung in Richtung Helmut Rau aus. Die Gemeinden müssten die bestehenden Förderprogramme nutzen, was in Ringsheim bisher gut funktionierte, meinte Rau. Man müsse allerdings auch wissen, dass sich touristische Förderprogramme auf attraktive Projekte von regionaler Bedeutung konzentrieren würden.

 Wolfgang Bihl (li.), Eigentümer der Softwarefirma

Mit dem Besuch bei der Ringsheimer Softwarefirma „proseco“ gab es beispielhaft einen Einblick in die gewerbliche Entwicklung der Gemeinde. Mit zehn Mitarbeitern entwickle die Firma innovative Sofwarelösungen für Druckereien, erklärte Inhaber Wolfgang Bihl. Der Standort in Ringsheim sei durch die günstigen Verkehrsverbindungen attraktiv. Die Zeit des wirtschaftlichen Einbruchs im Jahr 2009 wurde durch Umstrukturierungen genutzt. Mit der Erschließung des Gewerbegebietes „Leimenfeld II“, soll die Zahl der Gewerbebetriebe steigen, sagte Dixa. In der langfristigen örtlichen Versorgung sieht er jedoch ein Problem, weil es ihm bisher nicht gelang, einen Lebensmittel-Discounter für Ringsheim zu gewinnen.

Wenn Politiker nach Ringsheim kommen steht selbstredend auch das Thema 3. und 4. Gleis an. Die Position der Ringsheimer war Helmut Rau nicht unbekannt, nämlich die Gleise raus an die Bahn. In der Vereinbarung, die beiden Trassen unvoreingenommen zu untersuchen, sieht Rau eine gute Grundlage für politische Entscheidungen -auch für die Entscheidung der Landesregierung, die entstehenden Mehrkosten zur Hälfte zu finanzieren. Allerdings dämpft Rau auch zu optimistische Vorstellungen, mit einer Autobahntrasse gleichzeitig ICE-Halte am Bahnhof Ringsheim zu haben.

Und ob dann Lärmschutz an beiden Trassen verwirklicht werde, mag Rau nicht beurteilen zu wollen. 

[Text und Bilder: Adelbert Mutz]