Öl der Südens begeistert im Ringsheimer Bürgerhaus

Der gute Ruf, der dem kleinsten Männerchor Südbadens, „Öl des Südens“ auch nach Ringsheim vorauseilte, hat seine Wirkung nicht verfehlt, denn über 100 Gäste wollten das Freiburger a-capella-Männerquintett aus Freiburg sehen und hören. Fünf äußerst vornehme gestandene Männer aus Freiburg, Johannes Ehmann, Dietrich Grübner Christoph Lang-Jakob, J. Wolfgang Obhof und Gottfried Schrägle feiern dieses Jahr ihr 25-jähriges Bühnenjubiläum und das Erstaunliche dabei:

von Anfang an in gleicher Besetzung. Es sind nicht die lauten und schrillen, sondern die differenzierten Zwischentöne, die den Zuhörer/Zuschauer begeistern. Ein weiteres Markenzeichen ist die ausgeprägte Seriosität der ergrauten Herren, mit ihren spitzfindigen und schmalzigen Wortspielen, eingebunden in einen fünfstimmigen feinen a-capella-Gesang. Als wären sie lichtscheue Gestalten, kamen sie singend in gemächlichem Schritt auf die Bühne, um kurz darauf im Scheinwerferlicht zu stehen. Die Kunstpalme auf der Bühne, einziger Hinweis auf  ihren Namen und ein Tisch mit fünf Weingläsern waren die einzigen Requisiten. Zum Beginn gab es  einen freundlichen Gruß an die Damen mit „Buona Sera Signorina“. Es war auch der Beweis in eigener Sache, dass die fünf Männer mit zusammen 222 Jahren „Liebeserfahrung“ nichts an Rhythmus und Scharm verloren haben. Parodien und Wortwitz waren stets präsent, manchmal schräg und auch ein bischen boshaft, wenn es um die Aufarbeitung des deutschen Schlagerliedgutes geht. „Marmorstein und Eisen bricht“ wird umgetitelt und heißt einfach nur „Marmor bricht“. Man hätte auch gerne über den Mond von Wanne-Eikel  gesungen, beließ es aber bei der Originalversion „Wenn bei Capri....der Rest ist bekannt. Wie sehr der „schwäbische Nationalchrakter“ auch im Liedgut verankert ist, bewiesen die Sänger mit dem Lied „Yesterday“ von den Beatles, in der schwäbischen Fassung mit „Yeschderday“. Schwabenwitz und eine intensive Auseinandersetzung mit der  „postnatalen Frau“ sind Standardbrüller im Programm der Sänger. „Man denkt sich nichts Böses, dann kommt der Schwabe“ und singt „in the moon“ (Glenn Miller). Zum Repertoire gehören auch moderne Interpreten wie Herbert Grönemeyer mit der feinsinnigen Selbstanalyse „Männer“, denn laut Statistik kommen in 87,3 Prozent der Liedtexte nur Frauen vor, „ein männerfeindliches Mobbing im deutschen Liedgut“. Der „erotische Block“ begann mit der Frage an das Publikum, ob es Leute gäbe, die so richtig verliebt seien. Die Frage war nicht umfassend beantwortet, aber die Liebeslieder geizten nicht mit bösartigen Einwürfen über das Liebesleben: „Die bist nicht die Erste, aber meine Letzte kannst Du sein“. Früher waren sie zu sechst, war zu hören. Im Choral entpuppte sich der Sechste als Goldfisch. Ein sozialemotionales Rollenspiel war die Darbietung des Stückes „Tränen lügen nicht“ (Michael Holm), was in der Feststellung endete: „ Frauen lügen nicht“.

Ein Programm ohne Stücke von den Königen des Genres, den legendären Comedian Harmonists, das geht nicht. Dabei schaffen sie es mit „Mein kleiner grüner Kaktus“, „Veronika der Lenz ist da“ und „Schöne Isabella“ scheinbar alles einfach in einem Lied zu verwursteln.

Öl des Südens lieferte eine zweistündige Bühnenshow, die keinen Vergleich mit hochkarätigen Profiensembles scheuen muss. Es war einerseits der perfekte Gesang, der das Publikum in seinen Bann zog, aber auch die filigran ausgearbeiteten Arrangements und die liebevoll-ironisch ausgearbeiteten bekannten Gassenhauer. Die skurril-hintergründige Moderation von Johannes Ehmann drängte sich nie nach vorne und hob sich auch vom Abklatsch bekannter Comedys aus Funk und Fernsehen heraus. Interessant war das Zusammenspiel der Akteure auf der Bühne mit ihren Wechselwirkungen von Gestik, Mimik und Gesang. Unerwartete Zwischenrufe, plötzliche Drehungen oder emotionale Augenaufschläge verstärkten das Thema des musikalischen Vortrages.

Die Spannung im Publikum ließ nie nach, auch in der Erwartung des nächsten skurrilen optischen oder vertonten Einwurfes. Am Schluss gab es für die Sänger stehenden Applaus und weil diese eben  Charmeure sind, war die erste Zugabe ein vertonter „Abschiedskuss“. Die liebevolle Vertonung über die Stadt Freiburg mit ihrem Bächle, dem Schlossberg und den Bobbele, war letztlich eine Hommage an die Heimatstadt Freiburg. Der Vorsitzende des Kulturkreises Ringsheim, Heinrich Dixa, zog am Ende ein einfaches aber treffendes Fazit: „Die dürfen gerne wieder kommen“.  

[Text und Bild: Adelbert Mutz]