Ringsheimer Kommunionkinder spenden an Schule für Körperbehinderte

Spende der Kommunionkinder

Eine nicht alltägliche, aber überaus erfreuliche Mission erfüllten Ringsheimer Erstkommunikanten mit ihren Eltern in der Schule für Körperbehinderte in Offenburg. Mit einer Spende von 470 Euro in der Tasche statteten sie Lehrkräften, Erziehern und Kindern einen Besuch ab. Die Idee hierzu kam von den Eltern selbst, denn eines der diesjährigen Kommunionkinder, der mehrfach schwerbehinderte neunjährige Lukas Friedmann, wird seit sechs Jahren in der Körperbehindertenschule in Offenburg betreut. Die Einsparungen durch den Verzicht auf Gegengeschenke zur Kommunionfeier flossen in den Spendentopf.

Einen besonderen Empfang bereiteten alle Kinder der Behindertenschule, einschließlich das Lehrpersonal, den Gästen aus Ringsheim. Die Schulleiterin Ines Grüneberg hieß die Ringsheimer Delegation herzlich willkommen. „Ein jeder kann kommen, für jeden machen wir die Türe auf“, war das Begrüßungslied der Kinder, von Esther Kalmring an der Gitarre begleitet. Fast euphorisch sangen sich die Kinder ihre Freude über den Besuch von der Seele. Die zweite Vorsitzende des Fördervereins und Fachlehrerin für Sonderpädagogik, Johanna Wilhelmi, nahm die Spende gerne in Empfang, denn die Schule benötigt dringend eine neue Hauswirtschaftsküche und ein zweites Fahrzeug, sagte Wilhelmi. Einen Einblick in das Schulleben bekamen die nichtbehinderten Kinder aus Ringsheim. Sie durften in den Klassen am doch etwas anderen Unterricht teilhaben. Eine unerwartete Begegnung mit einem Hund, ein „Mitglied“ der vierten Klasse, gehört sowohl zum  pädagogischen, als auch zum therapeutischen Konzept der Schule, über das die Schulleiterin im Verlauf des Besuches informierte:

Die Schule ist in der Trägerschaft des Ortenaukreises und die Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren kommen aus dem gesamten Ortenaukreis. Als Orientierung gelten die Bildungspläne der Grundschule, Förderschule und der Schule für Geistigbehinderte und Körperbehinderte. Dem Fachpersonal gehören Sonderschullehrer, Fachlehrer für Behinderte, Religionspädagogen, Pflegerinnen, Freiwillige und Praktikanten an. „Schule in Bewegung“ ist das Leitthema der Schule und darf wörtlich verstanden werden, denn zum Lernen gehört das Spiel und damit die Bewegung. Den unterschiedlichen Behinderungsgraden wird Rechnung getragen. Trotzdem ist der Klassenverband das verbindende Element in der Schule. Die Förderung von Kommunikationsmöglichkeiten ist das zentrale Anliegen der Schule. Wenn die Sprache auf Grund der Behinderung nicht zur Verfügung steht, werden Mimik, Gesten und Gebärden, Symbole, Fotos, Tafeln und Bücher eingesetzt. Auch elektronische Hilfen mit Sprachausgabe stehen zur Verfügung. „Wir lernen uns zu verständigen, auch wenn wir nicht alle sprechen können“, sagt die Schulleiterin.

Viel technisches Material steht in den Fluren für 56 behinderte Schülerinnen und Schüler bereit, das zur Unterrichtung, zur Therapie und zum Transport der Kinder erforderlich ist, für Nichtbehinderte ein ungewohntes Bild. Die Gastkinder aus Ringsheim durften die Spezialeinrichtungen nicht nur in Augenschein nehmen, sondern im Selbstversuch testen, wie es wäre, wenn... Auffällig wurde die  gute und freundliche Grundstimmung in der Behindertenschule von den Gasteltern registriert, alles geht seinen Gang und hat seine Ordnung. Im Abschlussgespräch mit den Gastkindern musste die Schulleiterin Ines Grüneberg viele Fragen beantworten, denn die Ringsheimer hatten sich mit der Einrichtung zwischenzeitlich vertraut gemacht, die anfängliche Skepsis war gewichen.

Lukas Friedmann durfte dieses Mal mit seiner Mutter Sybille und den Ringsheimer Kindern die Heimreise antreten. Für Sybille Friedmann und die anderen Mütter mit ihren Kindern war es ein guter Tag. Es war die Erkenntnis, dass die Schule für Körperbehinderte in Offenburg eine wichtige und wunderbare Einrichtung ist, deren besondere Bedeutung für die Gesellschaft sich durch einen Besuch dieser Einrichtung offensichtlich macht. Die Spende war zwar wichtig, aber wurde fast zur Nebensache.

[Text und Bild: Adelbert Mutz]