Drei Klarinetten auf Deutschlandreise

Valerie Grußeck, Amelie Schillinger, Mira Kranz (v.l.)
Drei junge Damen traten mit ihren Klarinetten eine Reise nach Neubrandenburg/Neustrelitz an. Valerie Gruseck und Mira Kranz aus Ringsheim, sowie Amelie Schillinger aus Rheinhausen, sind seit einem Jahr musikalisch unzertrennlich. „Jugend musiziert“ hat es ihnen angetan, nachdem sie sich entschlossen hatten, bei diesem Wettbewerb mitzumachen. Dass das Vorhaben kein Spaziergang sein wird, darüber war sich das Trio im Klaren, denn sie selbst hatten sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt. Wenn schon zum Wettbewerb antreten, dann aber richtig, denn von nichts kommt nichts, war die Devise des Trios. Nun mussten sie ihre Spielkunst vor der Jury beim Bundeswettbewerb unter Beweis stellen.

„Jugend musiziert“ ist ein offenes Angebot an die musizierende Jugend, ihr Talent zu beweisen, ob mit Schlagzeug, Posaune, Geige oder eben Klarinette. Bevor sie jedoch nach Norden fahren durften, traten die musikbegeisterten Damen zunächst bei der Regionalausscheidung am 12. Februar in Lahr, und beim Landeswettbewerb am 3. April in Ulm an. Bei beiden Veranstaltungen erspielten sie sich einen 1. Preis mit Weiterleitung zum Landes- und Bundeswettbewerb. Vorbereitet wurde das Trio von der Klarinettistin Andrea Nagy in der Musikschule Frieß in der Schindler-Villa in Herbolzheim, wo auch die Stücke festgelegt wurden. Das Wertungsspiel dauerte jeweils etwa 20 Minuten mit folgenden Stücken: „Terzetto“ des belgischen Komponisten Marcel Poot (1901-1988),

„Trio in B a-Moll“ von J. Iwan Müller (1786-1854) und „Second Grand Trio Concertante for three clarinets“ von James Waterson (1834-1893). Beim Konzert für junge Ringsheimer Solisten, am 14. Mai im Bürgerhaus, gaben sie für die Ringsheimer eine Kostprobe ihrer Spielkunst.

Am Pfingstmontag, 13. Juni, fuhren die drei Musikerinnen mit Begleitung nach Neubrandenburg, um dort tags darauf zum letzten Mal vor einer kritischen Jury zu spielen. Und wieder gab es mit 24 von 25 Punkten einen 1. Bundespreis für das Trio aus Ringsheim und Rheinhausen. Sie hätten kein gutes Gefühl gehabt, sagt Valerie Gruseck Tage danach, denn es hätten sich Patzer eingeschlichen. Ab und zu quietschte da mal eine Klarinette. Zum Erstaunen des Trios und ohne konkrete Auswirkungen, denn die Jury legte auch großen Wert auf Ausdruck. Man müsse die Geschichte der Musik und deren Farben erkennen, interpretierte Valerie die Aussage der Juroren.

Neben den Unterrichtstunden bei Andrea Nagy, erarbeitete das Trio in vielen Stunden das Programm. Professionelles Arbeiten und Disziplin seien unbedingt erforderlich. Man müsse die Stücke immer wieder von einer anderen Seite (Interprätation) betrachten und sich Geschichten dazu ausmalen, erzählte Valerie Gruseck. „Aber jetzt ist genug“, sagt sie, „die Noten kann ich nicht mehr sehen, jetzt mache ich erst einmal Pause. Diese Stücke spielen wir nie mehr“. Ein erstes Geschenk für den tollen Erfolg machte sich das Trio selbst, denn sie verbrachten noch zwei schöne Tage in Berlin, ehe sie mit dem Zug wieder die Heimreise antraten. Nicht nur die Musik hatte sie in der letzten Zeit beschäftigt, denn das Abitur stand für Valerie Gruseck an. Auch hier überließ sie nichts dem Zufall, 1,2 war ihre Endnote. Mira Kranz und Amelie Schillinger sind nächstes Jahr beim G8-Abi dran.

Nach dem Abi und nach „Jugend musiziert“ will Valerie Gruseck zunächst einmal jobben, um  einen finanziellen Grundstock für einen geplanten Auslandsaufenthalt -ihr Wunsch wäre Südamerika- zu haben. Soziale Projekte würde sie dort gerne unterstützen und bei dieser Gelegenheit einen Cousin in Brasilien besuchen. Dann geht es ans Studieren, was genau, weiß sie noch nicht. Sie könne sich ein Musikstudium im Bereich der Schulmusik oder der Musikpädagogik vorstellen, meinte Valerie, aber ein endgültiger Entschluss sei noch nicht gereift.

Eine große Unterstützung des letzten Jahres seien die Familien und die Freunde der drei Musikerinnen gewesen. „Die bekamen manchmal die schlechte Laune ab“, sagte Valerie, aber die vielen Glücksbringer waren Motivation. Das Trio wird es vermutlich nicht mehr geben, aber Mira und Amelie werden vielleicht als Duo im kommenden Jahr wieder antreten.    

[Text und Bild: Adelbert Mutz]