Getränkevertrieb Kienzle in Ringsheim sagt nach 36 Jahren Tschüss und Danke

Kienzle Betriebsende
Willi Kienzle am Steuer des kleinen grünes Lkw mit seiner Frau Brunhilde
Nicht nur die Ringsheimer hatten sich seit vielen Jahren an den kleinen grünen Lieferwagen von Willi Kienzle vom gleichnamigen Getränkevertrieb in der Hauptstraße gewöhnt. Am 30. Juni ist Schluss, der kleine grüne Lkw fährt nicht mehr durch`s Dorf. Doch die Kundschaft darf weiter auf den Hauslieferservice setzen, denn ab morgen beliefert Getränkehandel Martin Scheidel aus Kenzingen die Kundschaft von Willi. Das Ehepaar, 66 und 65 Jahre alt, hatte sich lange auf den endgültigen Ruhestand vorbereitet und in Ringsheim nach Nachfolgern gesucht, jedoch ohne Ergebnis. Als Grund fürs Aufhören nennen beide schlicht das Alter, es sei an der Zeit, kürzer zu treten. Mit ja und nein antwortet das Ehepaar auf die Frage, ob es schwerfalle, von heute auf morgen aufzuhören.

 

Den Kontakt zu den Kunden werde man vermissen, sagten beide, denn für ein Schwätzchen wäre immer Zeit gewesen, sowohl bei der Hauslieferung, als auch beim Abholservice in der Hauptstraße.

Die Kundschaft sei mit dem Service immer zufrieden gewesen, bekräftigte Brunhilde Kienzle.

Insbesondere die älteren Leute schätzten den Lieferservice. Eine Frau aus Rust hortete gleich einmal 10 Kisten Spudel, als sie erfuhr, dass Willi nicht mehr kommt. Und nicht nur sie bedauerte diesen Umstand. Man konnte nämlich bei`s Kienzles in der Hauptstraße noch zu später Stunde  vorbeikommen, wenn die Getränke plötzlich ausgingen. Wenn die Tore schon verschlossen waren, stiegen etliche schon einmal drüber und klingelten das Ehepaar aus dem Schlaf. Alle Vereine in Ringsheim nahmen den Gestränkeservice der Firme Kienzle in Anspruch, sagte das Ehepaar.

Dieser wurde auch bei Privatveranstaltungen in Anspruch genommen. 

Sie freuen sich jedoch auf die Zeit danach, bekunden die Kienzles, die drei Töchter und vier Enkel haben, alle in Ringsheim wohnend. Das sei mithin auch ein Grund aufzuhören, sie hätten mehr Zeit für die Opa- und Omarolle. Doch der älteste Enkel Simon bedauert wiederum: „Opa, wenn du aufhörst, woher krieg`ich mein Taschengeld?“. Die Pläne für die Zeit danach sind schon geschrieben, denn man freue sich in erster Linie auf ruhige Wochenenden, den Fahrersitz im kleinen Grünen will Willi mit dem Fahrradsattel tauschen und im großen Garten gäbe es viel Arbeit, worauf sich beide freuen.

Angefangen hat alles am 18. November 1975. Damals ging Willi Kienzle mit einer „Werksdame“ von Bellheimer mit Werbegetränken von Haus zu Haus. Das Geschäftsmodell hatte Erfolg, der Kundenstamm wurde größer. Bis zur Rente von Willi Kienzle wurde der Getränkehandel als Feierabend- und Wochenendjob betrieben. Es war mitunter eine Plackerei, insbesondere der Transport von Biertischen und Bänken war Schwerstarbeit, „und das geht ins Kreuz“, stellte Willi Kienzle fest. Viel Geld wurde in 36 Jahren in den Betrieb investiert. Ein Getränkelager mit Kühlraum wurde gebaut, ein Lkw mit Hänger, Gabelstapler und einiges mehr waren für eine erfolgreiche Betriebsführung notwendig. Vor einigen Jahren kamen zum umfangreichen Getränkesegment auch Ringsheimer Weine hinzu. „Es gab in den vielen Jahren keine Unfälle“, resümiert Willi Kienzle. Wenn einmal ein Getränkestapel sich verselbständigte, war das auch kein Problem.

Die ganze Familie hätte sich um das Wohl des Betriebes gekümmert, sagen beide. Willi sorgte für den Haus- und Veranstaltungsservice, Brunhilde war im Büro und im Hofverkauf tätig. Eine Arbeitsteilung, die die ganzen Jahre gut funktionierte. Selbst die Töchter waren mit von der Party. Die Älteste sei bis zu ihrer Hochzeit  oft mit dem Vater und dem kleinen Grünen unterwegs gewesen. Er schleppte die Kisten, die Töchter kümmerten sich um das Geld. Mit dem Getränkehandel Scheidel aus Kenzingen habe man einen zuverlässigen Nachfolger gefunden und darüber freue man sich. Übrigens: der kleine grüne Lkw ist schon verkauft.

[Text und Bild: Adelbert Mutz]