Napoleon, Pythagoras, Mephisto und Co.

Sandra Lindemann (Mitte) und Bärbel Gibis (rechts) hatten alle Hände voll zu tun

Das Tiergehege auf dem Kahlenberg ist seit längerem Anziehungspunkt für Familien mit Kindern. Das Gelände der ehemaligen Deponie wurde renaturiert und ist inzwischen ein bedeutendes Naherholungsgebiet mit seltenen Pflanzen und Tieren. Das Tiergehege, von Mitarbeitern der Deponie Kahlenberg aufgebaut und betreut, beherbergt inzwischen viele Haustierarten wie Ziegen, Schafe, Schweine und Ponys. Die eigentlichen Stars sind jedoch die sechs Esel mit den Namen Napoleon, Pythagoras, Mephisto, Odette, Alastor und Pauline. Für Esels Wohlbefinden sorgen täglich Bärbel Gibis und Sandra Lindemann aus Ringsheim.

Zehn Ringsheimer Kinder bekamen im Rahmen des Ferienprogrammes Gelegenheit, etwas mehr über das Eselleben zu erfahren. Esel sind nicht einfach Pferde mit langen Ohren, hieß es in der Ausschreibung, sondern Tiere mit individuellen Eigenschaften und Qualitäten. Bevor sich die Tür zum Gehege öffnete, gab es zuerst wichtige Verhaltenshinweise. „Wenn der Esel mit dem Schwanz schlägt, oder die Ohren anlegt, ist Vorsicht geboten“, erklärte Frau Gibis der Gruppe. Immer von vorne sich den Tieren nähern, war ein wichtiger Hinweis, denn die Bekanntschaft mit den Hufen kann schlimme Folgen haben. Aber da Esel neugierig seien, beschnuppern sie neue Gäste im Stall.

Mit Gummistiefeln ausgestattet ging es an die Arbeit. Eine Gruppe nahm Schaufel und Schubkarre, der Stall musste ausgemistet werden. Aber so einfach war das zunächst nicht: „Hier stinkt`s“, stellte ein neunjähriger Junge fest, der zum ersten Mal überhaupt einen Stall von innen sah. Aber er hatte sich bald an die neuen Düfte gewöhnt. Die zweite Gruppe stellte derweil einen Speiseplan für die Esel zusammen. Leinsamen, Pferdemüsli und Karotten waren ein köstliches Gemisch, auf das Esel scharf sind. Grünfutter und Heu sind die Grundfutteranteile. Grundsätzlich weisen entlang des Tierparkes Schilder auf das Fütterungsverbot durch Parkbesucher hin. Die 15-jährige Sandra Lindemann unterstützt seit sechs Jahren Bärbel Gibis bei der Betreuung der Esel. „Es sind faszinierende Tiere“, sagte sie. Nachdem der Regen sich verzogen hatte, war Ausgang angesagt. Die Kinder durften sich als Eselführer bewähren und stellten dabei fest, dass man schon kräftig zupacken muss. Da die Tiere den Weg zur Weide kannten, war es eine gewisse Erleichterung. Mehr und mehr kamen die Betreuerinnen ins Schwitzen, denn sowohl die Kinder als auch die Esel verselbständigten sich gelegentlich. Das Picknick war für sie dann auch eine willkommene Ruhepause.

Die Esel vollbrachten zirkusreife Kunststücke

Dass Esel beileibe nicht dumm sind, kam mittags auf dem Übungsplatz zum Ausdruck. Zwischenzeitlich hatten sich die Kinder auch ihren Lieblingsesel ausgesucht. Für Hanna Person und Jana Erny, beide acht Jahre alt, war es „Mephisto“. Schallendes Gelächter kam auf, als sich die Esel auf dem Übungsplatz im Staub wälzten und dabei sogar pupsten. Eine erste Zirkuslektion bestand darin, das Tier richtig zu führen. Und wenn der Esel dann doch einmal sprichwörtlich störrsich sein sollte, gibt es einen Klapps auf die Hinterhand. „Warum schnaupt der Esel so“? „Er hat Staub in der Nase“, klärt Bärbel Gibis auf. Wie genügsam Esel sein können, zeigte „Mephisto“ mit einem  zirkusreifen Kunststück. Er legte sich flach auf den Boden (für eine Mohrrübe tut ein Esel alles), die Kinder konnten sich auf ihn legen. Jetzt machte es erst richtig Spaß, der totale Kontakt zu Freund Esel war perfekt. Aber damit nicht genug, denn nicht nur Dressurpferde können Pirouetten drehen, auch Esel können das. Auch das Spiel mit dem Ball beherrschen die Esel inzwischen.

Für Bärbel Gibis, Expertin wenn es um Esel geht, legt Wert auf die Feststellung, dass ihre Esel im Kahlenbergtierpark artgerecht gehalten werden. Seit 1997 gehören Esel zum festen Tierbestand im Gehege. Pythagoras war der erste, der auf dem Gelände heimisch wurde. Nach und nach kamen Esel und Eselin hinzu. Für die Kinder war der Umgang mit den Tieren eine gute und lehrreiche Erfahrung. Bärbel Gibis und Sandra Lindemann waren am Ende geschafft, denn sie mussten sowohl Esel als auch Kinder immer im Auge behalten.

[Text und Bilder: Adelbert Mutz]