Bürgerhaus in Ringsheim wurde zum „Fleischereifachgeschäft“

Herrenkapelle
Das Bürgerhaus in Ringsheim war voll besetzt, als das Karlsruher Kult-Kabarett-Trio Fräulein Knöpfle & ihre Herrenkapelle mit ihrem Programm "Allerbeschd Of" die Bühne in Besitz nahm. Den Auftakt machten Reiner Möhringer und Uli Kofler und lieferten mit Klarinette (Möhringer) und Flügel (Kofler) den Beweis, dass sie ihre Instrumente perfekt beherrschen. Die Klarinette ist das Paradeinstrument von Möhringer. Teils klagend und ächzend, dann plötzlich virtuos und lebendig, kitzelte er unterschiedliche emotionale Schattierungen aus seinm Instrument. Kofler stand ihm in nichts nach, beide zauberten im Verlauf des Abends, zur hellen Begeisterung des Publikums, mit unterschiedlichen Instrumenten ein breites musikalisches Spektrum auf die Bühne.

Zum musikalischen Duo gehört Fräulein Susi Knöpfle. Diese Figur ist Cordula Möhringer auf den Leib geschrieben. Sie war es, die in ihrer Rolle als (neuerdings ausgelernte) Fleischfachverkäuferin mit ihren verbalen Kunstgriffen das Publikum zum Rasen brachte und führte die Gäste in die skurille Gestalt der naiven Susi Knöpfle. Der Dialog mit dem Publikum (besonders mit Herr Peter und seinen beiden Frauen) bildete den Spannungsbogen zwischen ihr und der Außenwelt. Die Fleischtheke war ihr „Himmelreich“, die Würste seien quasi ihre Kinder, und im Aroma der Wursttheke findet Fräulein Knöpfle ihre Glückseligkeit. Sie scheute sich auch nicht, über ihr unglückliches Verhältnis zu ihrer Mutter zu berichten, die (glücklicherweise) entführt wurde.

Mit „King of the Road“, oder die Geschichte badischer Urlauber auf dem Weg nach Italien mit allen Unwägbarkeiten, bewies Möhringer und Backroundsänger Kofler, dass sie nicht nur ausgezeichnete Sänger sind, sondern gleichzeitig exzelente Parodisten und Humoristen. Die wahren Gelüste und Gedanken eines Schwaben (Kofler), wurden mit dem „Maultasche-Blues“ verdeutlicht. Das kabarettistische Können des Trios wird durch die Wandlungsfähigkeit in der Instrumentalbesetzung unterstützt und getragen. Möhringer beherrscht die Klarinette und sein Saxophon genau so gut wie seine Gitarre. Selbst eine Geige streichelte Möhringer zum traurigen und schmerzlichen Männerthema „Haarausfall“. Auch gesanglich wurde die Spannung zum Publikum gehalten, dies durfte einmal kräftig mitswingen.

Wenn sich das Musikerduo eine Pause gönnte, war es Cordula Möhringer, die in ihrer Paraderolle den nächsten Kalauer setzte, wie nützlich in allen Lebenslagen etwa ein Umkleidesack sein kann. Das Publikum musste lange warten, bis das Gewurschtel unter dem Kleidersack sein Ende fand.

Neben ihrer eigentlichen Tätigkeit gäbe Susi auch Yoga-Kurse im Kühlhaus, ließ sie verlauten, denn da herrsche das ganze Jahr über die gleiche Temperatur.  Yoga sei wie Turnen, nur ganz anders. Wie das funtkioniert, das konnten die Gäste schon einmal. 

Seine gesangliche Genialität beweist Möhringer, wenn er in Künstlerrollen von Max Raabe schlüpft mit dem Lied „Du hast Glück bei den Frau`n,“, oder mit dem Schlusslied von Udo Jürgens „Merci Chérie“. Folgerichtig durfte Möhringer zum Schluss auch den berühmten weißen Bademantel überstreifen. Auch der Leidensweg des Haareschneidens wurde von Möhringer (Gesang) und Kofler (Flügel) mit „Frieseurgelaber“ treffend dargestellt. Einen (sehr) kurzen Ausflug in die klassische Musik gab es aus dem Zyklus „Winterreise“ von Franz Schubert auch noch: „Fremd bin ich eingezogen, fremd bin ich wieder raus“.

Am Schluss erntete das Karbett-Trio tosenden Applaus, und nur mit Zugaben durften sie letztlich die Bühne verlassen. Es war ein Abend der besonderen Art, der Musik und Comedy auf wunderbare Weise darbot. Witz und Humor hatten einen guten Platz gefunden im hochklassigen musikalischen Niveau. Cordula Möhringer als Fräulein Knöpfle verkörperte die einfache Fleischereifachverkäuferin aus dem Volk mit hoher Improvisationskunst. Der gebürtige Altdorfer Reiner Möhringer, musikalisches Mulitalent und Entertainer und der Schwabe Uli Kofler, ein exzelenter Pianist aus dem Allgäu stammend, bringen von vielen Bühnen in und außerhalb Deutschlands reichlich Erfahrung mit. Eine Mischung, die im Comedygeschäft nicht oft zu finden ist, deshalb ein großes „Bravo“.

[Text und Bild: Adelbert Mutz]