Omas Backrezepte neu entdeckt

Ein Enkel aus Ringsheim begab sich auf Omas Backspuren und veröffentlicht in Omas Backbuch badische Originalrezepte der ehemaligen Ringsheimer „Bäckerei Person“. Ob Springerle, Fasent-Küchle oder Schwarzwälder  Kirschtorte. In seinem Backbuch „Back Badisch! Traditionelle Ringsheimer Originalrezepte“  hat Simon Hiller, der Enkel von Thekla Person, traditionelle heimische Rezepte zu neuem Leben erweckt und lädt zum Nachbacken ein. Impressionen aus der damaligen Backstube untermalen außerdem die ausführlich beschriebene Historie der Bäckerei und deren Inhaber, der Familien Person.

Gegründet im Jahre 1924 von Sebastian Person und Karoline Fahrländer, war die Bäckerei in der Hauptstraße sechs Jahrzehnte lang ein prägendes Element im Ort. Besonders für ihre Spezialität, den Zwiebelkuchen, war die Bäckerei Person auch über Ortsgrenzen hinaus bekannt. Im Jahre 1984 musste die Bäckerei auf Grund des Todes von Erich Person schließen, der gemeinsam mit seiner Frau Thekla die Geschäfte von seinem Vater übernommen hatte. Der 28-jährige Autor Simon Hiller  widmet das Backbuch seiner vor drei Jahren verstorbenen Großmutter Thekla Person, geborene Kaufmann, die ihrer Leidenschaft für das Backhandwerk trotz der Schließung der Bäckerei treu blieb. Ihre liebevollen handschriftlichen Originalrezepte wurden in das jetzt erschienene Buch integriert. Die Stammbäume der Familien umrahmen die persönliche Geschichte der Inhaber.

Eine Vielzahl farbiger Bilder und ausführliche Mengenangaben und Zubereitungstipps erleichtern den Einstieg für Backanfänger. Neben zahlreichen Kuchen und Torten ist auch die Zubereitung von Weihnachtsgebäck erläutert. Das Spezialrezept der ehemaligen Bäckerei, der Zwiebelkuchen, ist ebenfalls aufgelistet. Das Backbuch ist ab sofort in der Buchhandlung Machleid in Ettenheim,  bei der Metzgerei Tischler in Ringsheim, und über das Internet erhältlich.

Sechs Fragen an den Autor und Wirtschaftsingenieur Simon Hiller

1: Junge Männer in ihrem Alter beschäftigen sich in der Regel nicht mit Backrezepten. Warum war das Thema für Sie interessant?

Die Leidenschaft für das Backen habe ich von meinen Großeltern und meiner Mutter geerbt. Nach dem Tod meiner Großmutter vor drei Jahren hat Sie uns viele handschriftliche Rezepte hinterlassen. Aufgrund des engen Verhältnisses zu meiner Großmutter entstand dann die Idee, ein Buch mit diesen Rezepten zu veröffentlichen.

2: Welche Faszination ging von ihrer Großmutter aus, um ihre Backkünste in einem Buch zusammen zu fassen und zu veröffentlichen?

Auch nach der Schließung der Bäckerei war meine Oma mit Leib und Seele Bäckerin. Es verging kaum ein Tag ohne frisch gebackenen Kuchen für die Familie und für Freunde. Ihre Herzlichkeit und Nächstenliebe zeigte sich auch darin, dass sie bei diversen Festen wie dem Wein- und Gassenfest eine Vielzahl an Kuchen spendete.

3: Haben sie ihrer Oma beim Backen oft über die Schulter geschaut?

Es blieb nie beim Zuschauen – es war für mich schon als Kind faszinierend, mit den bloßen Händen die Zutaten zu vermischen und aus dem Teig etwas zu formen. Die stärksten Erinnerungen habe ich an das Zubereiten von Fasents-Küchle. Aufgrund der großen Verwandtschaft, die sich stets auf die hauchdünnen „Scherben“ freuten, war dies immer eine mehrstündige Angelegenheit. Und natürlich kam bei mir als Kind auch das Naschen nicht zu kurz.

4: Wie viele Backrezepte haben sie selbst schon ausprobiert und was ist ihre Lieblingstorte?

Ein Großteil der Rezepte des Backbuchs habe ich bereits selbst ausprobiert. Ich muss aber zugeben, dass einige der Fotos von Kuchen gemacht wurden, die meine Mutter gebacken hat. Mein Lieblingskuchen ist der Käsekuchen, der herrlich frisch schmeckt – nach einigen Versuchen schmeckt er fast wie der von meiner Großmutter.

5: Was macht den besonderen Reiz an diesem Buch aus?

Zunächst war es nicht geplant, die Rezepte für den Verkauf im Buchhandel zu veröffentlichen. Mit der Geschichte der Bäckerei und der Familie Person ist das Buch daher sehr persönlich geworden und für all diejenigen besonders interessant, die früher Kunden der Bäckerei waren oder meine Großeltern persönlich kannten.

6: Lohnt es sich überhaupt noch zu backen, im Supermarkt gibt es eine breite Palette von vorgefertigten Torten?

Das sollte jeder für sich selbst herausfinden. Wenn man selbst backt, kennt man die Zutaten und braucht keine Konservierungsstoffe. Und jeder, der einmal einen Hefezopf gebacken hat und ihn noch lauwarm mit Butter oder Marmelade probiert hat, weiß, dass es diesen Genuss nicht im Supermarkt gibt.

Text und Bild: Adelbert Mutz