Hunderte von Europa-Park-Besuchern stranden in Ringsheim

 

Ein Unfall in der Nähe von Mahlberg hat den Zugverkehr auf der Rheintalstrecke gestoppt. Hunderte Besucher des Europa-Parks strandeten deshalb in Ringsheim und mussten vor einem Unwetter in Sicherheit gebracht werden.

  1. Die Kahlenberg-Sporthalle als Notunterkunft. Foto: WOLFGANG KUENSTLE               

  2. Außerplanmäßiger Halt in Ringsheim – erst am Abend ging’s weiter. Foto: WOLFGANG KUENSTLE               

  3. Die Kahlenberg-Sporthalle als Notunterkunft. Foto: WOLFGANG KUENSTLE               

  4. Großeinsatz in Ringsheim. Foto: WOLFGANG KUENSTLE               

  5. Die Kahlenberg-Sporthalle als Notunterkunft. Foto: WOLFGANG KUENSTLE               

  6. Außerplanmäßiger Halt in Ringsheim – erst am Abend ging’s weiter. Foto: WOLFGANG KUENSTLE               

 

Am Donnerstag war es kurz nach 18 Uhr auf der Rheintalstrecke zwischen Offenburg und Freiburg auf Höhe des Bahnhofs Orschweier zu einem Unfall gekommen. Die Strecke wurde daraufhin in beide Richtung für den Zugverkehr gesperrt, es kam bis in den Abend hinein zu Verspätungen und Wartezeiten.

Etwa zum selben Zeitpunkt, als die Strecke gesperrt werden musste, sammelten sich nach 19 Uhr am Bahnhof Ringsheim Hunderte von Europa-Park-Besuchern, die mit dem Zug die weitere Heimreise antreten wollten. Die meisten von ihnen waren Gymnasiasten aus Südbaden, die während des mündlichen Abiturs an ihren Schulen schulfrei hatten und den freien Tag für einen Besuch im Park nutzen.

Sporthalle als Notunterkunft

Sie saßen noch auf dem Bahnhof fest, als das eintrat, wovor der Deutsche Wetterdienst die Menschen in ganz Südbaden am Abend gewarnt hatte: Über der Ortenau ging ein heftiges Unwetter nieder. Gegen 19.30 Uhr braute sich über Ringsheim ein Gewitter mit Sturmböen und heftigen Regenschauern zusammenbraute und entlud sich. Hunderte suchten Schutz in der Bahnhofsgaststätte , in der Gleisunterführung oder in Garagen. Nur wenigen fanden ein Dach überm Kopf. Die alarmierte Feuerwehr Ringsheim entschied schnell, die Menschenmassen in die nahe gelegene Kahlenberg-Sporthalle zu bringen. Dort war gerade der TuS Ringsheim beim Training. Mit Einsatzfahrzeugen von DRK und Feuerwehr und dem Kleinbus eines ortsansässigen Busunternehmers wurde an die 600 meist Jugendliche bei strömenden Regen in die Sporthalle evakuiert. Einige erreichten auch zu Fuß und völlig durchnässt die Halle.
 
In der Sporthalle hatten die etwa 140 Einsatzkräfte von Feuerwehr, DRK, Technischem Hilfswerk und Polizei eine provisorische Meldestelle aufgebaut. Über Lautsprecheranlage der Halle wurden die Ankommenden aufgefordert, sich zu melden. "Wir wollten alle Gruppen und Einzelpersonen erfassen, damit bei einer späteren Weiterfahrt auch niemand verloren geht", erklärte Kreisbrandmeister Thomas Happersberger, der gemeinsam mit dem Lahrer Polizeirevierchef Martin Oberle die Einsatzleitung vor Ort hatte, die Vorgehensweise. Verletzte gab es nicht, dennoch hatte das DRK vorsorglich ein Zelt vor der Sporthalle errichtet, auch Ärzte waren vor Ort.

Die Kahlenberghalle glich am Abend einem Jugendlager. Nach Schätzungen von Polizei und Feuerwehr hatten zwischen 600 und 700 Jugendliche für mehrere Stunden in der Halle einen trockenen Ort gefunden. Sie wurden von den Rettungskräften mit Getränken versorgt. Über die Hallenlautsprecheranlage wurden die Ausharrenden im Viertelstundentakt von der Einsatzleitung über das weitere Vorgehen informiert, vor allem wie die Bahn die weitere Heimreise organisieren werde.

Am späten Abend ist die Sperrung vorbei


"Wir hatten die Lage zu jederzeit im Griff. Unfälle auf der Strecke gibt es immer wieder. Was die Situation hier vor Ort zuspitzte, waren die Massen, die aus dem Europa-Park kamen und von Ringsheim aus die weitere Heimreise antreten wollten und das plötzlich einsetzende Unwetter", erklärte Thomas Happersberger in einer improvisierten Pressekonferenz vor der Halle. 50 Feuerwehrleute aus Ringsheim und Ettenheim, an die 70 DRK-Helfer sowie Mitglieder des Technischen Hilfswerkes und Polizeikräfte waren im Einsatz.

Die meisten Schülerinnen und Schüler nahmen die Situation gelassen. Tina aus Baden-Baden nahm’s gar mit Humor: "Heute schulfrei und morgen nicht gleich in der ersten Stunde zur Schule gehen müssen. Denn wer weiß, wann wie wir heute nach Hause kommen. Eigentlich ganz cool".

Die Bahn organisierte zunächst Busse als Ersatz für die ausfallenden Züge. Um 21.40 Uhr wurde damit begonnen, die Menschen aus der Kahlenberghalle wieder zum Bahnhof zu bringen. Das Lagezentrum der Offenburger Polizei meldete schließlich gegen 22.30 Uhr, dass die Bundespolizei die Strecke wieder freigegeben habe. Die Wartenden konnten damit die nun wieder fahrenden Regionalbahnen nehmen, um nach Hause zu kommen.

 

Text und Bilder: www.badische-zeitung.de