Portugal pur im Ringsheimer Bürgerhaus

Portugiesischer Abend

Der Kulturkreis Ringsheim lud am vergangenen Samstag zu einem portugiesischen Abend in das Bürgerhaus ein, fernab von momentan grasierenden Lederhosen- und Dirndl-Events.

Aus dem fast zweitausend Kilometer entfernten Rebordosa, einem kleinen Ort an der Westküste Portugals, trat die Folkloregruppe „Grupo de Cavaquinhos“ eine lange Reise mit dem Bus nach Ringsheim an, um das vielfältige kulturelle Leben ihrer Heimat musikalisch zu präsentieren. Der Kontakt zur Gruppe, unter der Leitung von Fernando Fonseca (Akkordeon) kam von der in Ringsheim lebenden und aus Portugal stammenden Familie Florido zustande.

Im Jahre 2010 wurde die Gruppe gegründet und ihr Gesang wird von vielen kleinen Ukulelen, kleinen Gitarren, begleitet. Eine Trommel gibt den Takt vor, ein Akkordeonspieler ergänzt das Instrumentenensemble.  Die Texte ihrer Lieder beschreiben die einzelnen Regionen ihres Landes mit ihrer Schönheit und ihren Traditionen. Sie haben oft emotionale Züge, wenn das Verhältnis der Menschen untereinander besungen wird. Es sind Lieder, die aus dem Herzen kommen, wie am Abend von der Gruppe immer wieder betont wurde. Trotz der langen Anreise sang und spielte sich die Gruppe schnell in der Herzen der etwa 100 Zuhörer.
Portugiesischer Abend

Ein ausgestorbenes Handwerk aus dem portugiesischen Rebordosa wurde am Abend noch einmal zum Leben erweckt, nämlich die Anfertigung von Zahnstochern. Dieses alte Handwerk verhalf den Frauen in den Wintermonaten in der damals ärmlichen Gegend zu einem zusätzlichen Verdienst. Drei Frauen zeigten in Ringsheim noch einmal, wie Zahnstocher zum Teil kunstvoll in Handarbeit hergestellt wurden.

Rebordosa liegt direkt am Fluss „Rio Mondego“, der als wichtigstes Transportmittel diente. In unmittelbarer Nähe liegt mit Coimbra eine der ältesten Universitätsstädte von Europa. Ein Teil der Lieder befasste sich auch mit dem mehr oder weniger ausschweifenden Studentenleben in der Region. Um den Abend komplett authentisch zu gestalten, wurden landestypische Gerichte gekocht und am Abend serviert.

Auf der Speisekarte standen „Rissois“, ein Teigtaschengericht, „Salada de Bacalhau“, Kabeljausalat und eine regionaltypische Gemüsesuppe. Dazu gab es  portugiesische Weine (Weiß, Rot, Rosé) und Destillate aus Portugal. Eher ein Zufall brachte Manuel Lourenco aus Köndringen, der portugiesisches Blut in seinen Adern hat, nach Ringsheim,. Er sprang spontan auf die Bühne, um die Erläuterungen der Musikgruppe zu übersetzen. Die 45-jährige Helena-Maria sagte während des Konzertes, dass sie in Ringsheim sehr herzlich aufgenommen wurden.

Sie seien zum ersten Mal in Deutschland und feierten somit in Ringsheim ihre Auslandspremiere, wo sie in Gastfamilien untergebracht wurden. Die Finanzierung der Reise sei durch die Unterstützung der regionalen Regierung und des portugiesischen Kulturministeriums möglich gewesen, erklärte Helena-Maria. Am Ende hat sich die These wieder einmal bewahrheitet, dass Musik Menschen mit unterschiedlichen Sprachkenntnissen schnell zusammen führen kann.

Der Vorsitzende des Kulturkreises Ringsheim, Bürgermeister Heinrich Dixa, bedankte sich unter großem Applaus bei den Gästen aus Portugal, die in beeindruckender und herzlicher Art und Weise ein Stück der reichen Kultur ihres Landes präsentierten. Besonders dankte er Antonio Florido und seiner Familie, die diesen Abend ermöglicht hatten. Bis spät in die Nacht wurde bei einem Glas „Vinho Verde“ oder „Vinho Tinto“ noch gefeiert und gelacht. Am Sonnabend trat die Gruppe mit neuen Erfahrungen wieder die lange Reise nach Rebordosa an.

[Text und Bilder: Adelbert Mutz]