20 Jahre Gemeindepartnerschaft zwischen Albigny-sur-Saône und Ringsheim

Am vergangenen Wochenende feierten die Gemeinden Ringsheim und die französische Partnergemeinde Albigny/sur Saône das zwanzigjährige Jubiläum.

Es hatte schon etwas Staatstragendes, als Kinder der Ringsheimer Grundschule und der Kindertagesstätte die etwa 70 Gäste aus der französischen Partnergemeinde Albigny/sur Saône, ganz in der Nähe der Großstadt Lyon gelegen, mit bunten deutschen und französischen Flaggenfähnchen begrüßten. Anlass des Besuches waren die zweitägigen Feierlichkeiten zum 20-jährigen Bestehen der Partnerschaft der beiden Gemeinden. Im vergangenen Jahr wurde in Albigny gefeiert.

Die feierliche Unterzeichnung der Urkunde durch Bürgermeister Heinrich Dixa aus Ringsheim und dem damaligen Bürgermeister Henri St. Pierre aus Albigny erfolgte am 23. April 1994 auf dem  Ringsheimer Rathausplatz. Henri St. Pierre, der sich mit seiner Offenheit die Herzen der Ringsheimer eroberte, verstarb am 2. September 2011 im Alter von 91 Jahren.

Bürgermeister Jean-Paul Colin konnte wegen Erkrankung seiner Frau nicht an den Feierlichkeiten teinehmen. Die Partnerschaft steht seit zwei Jahrzehnten nicht nur auf dem Papier, sie wird von Bürgern beider Gemeinden und der jeweiligen Partnerschaftskomitees intensiv gepflegt, ganz im Sinne von Robert Schumann, der am 8. Mai 1950 sagte: "Europa lässt sich nicht mit einem Schlage herstellen und auch nicht durch eine einfache Zusammenfassung: Es wird durch konkrete Tatsachen entstehen, die zunächst eine Solidarität der Tat schaffen. Die Vereinigung der europäischen Nationen erfordert, dass der jahrhundertealte Gegensatz zwischen Frankreich und Deutschland ausgelöscht wird. Das begonnene Werk muss in erster Linie Deutschland und Frankreich erfassen." Grundlage der engen Beziehungen beider Länder ist dabei der Vertrag über die deutsch-französische Zusammenarbeit (sog. Élysée-Vertrag), der am 22. Januar 1963 von Bundeskanzler Adenauer und General de Gaulle unterzeichnet wurde und im vergangenen Jahr das 50-jährige Jubiläum hatte.

Der Wettergott hatte sich rechtzeitig besonnen und bescherte den Besuchern einen sonnigen Tag. Man habe die Schule für den Empfang der Gäste bewusst gewählt, weil es symbolhaft zum Ausdruck bringe, dass die Gemeindepartnerschaft Zukunft habe, sagte Bürgermeister Heinrich Dixa in seiner Begrüßungsrede.

Dixa dankte dem Freundeskreis für Gemeindepartnerschaften für die Organisation der Gästebetreuung. Er freue sich, dass die meisten französischen Gäste bei Ringsheimern Gast sein dürfen. Die Begegnung der Menschen sei auch der tiefere Sinn der Partnerschaft, bekräftigte Dixa. 

Die französischen Gäste waren tief beeindruckt vom herzlichen Empfang und besonders von den Darbietungen der Kinder auf dem Schulhof. Sie durften sich ein Bild davon machen, dass die Nähe zu Frankreich die französische Sprache bereits in der Grundschule beeinflusst, prägt und fördert.

Mit Gesängen und spielerischen Szenen in beiden Sprachen, einstudiert von den Lehrkräften der Schule und den Erzieherinnen der Kita, trugen sie maßgeblich zu einem gelungenen Empfang der Gäste bei. Die Albigniolesen überraschten ihrerseits mit Geschenken an die Freunde aus Ringsheim. Darunter auch ein Bild des verstorbenen früheren Bürgermeisters Henri Saint-Pierre, das von seiner Ehefrau Lili übergeben wurde. 

Bei einem Glas Ringsheimer Wein kamen sich Ringsheimer und Albigniyolesen näher. Aus mehreren Begegnungen waren bereits Freundschaften entstanden. So war die Verständigung auch ohne perfekte Sprachkenntnisse jederzeit möglich.

 Fähnchenschwingende Kinder begrüßen Gäste aus Albigny / Ringsheim feiert 20 Jahre Partnerschaft mit

 

Fast wie bei einem Staatsbesuch ging es zu, als am Samstag 70 Gäste aus der französischen Partnergemeinde Albigny/sur Saône, nahe Lyon gelegen, in Ringsheim zum Jubiläumsfest 20 Jahre Jumelage eintrafen.

Die Kinder der Grundschule und der Kindertagesstätte standen deutsche und französische Fähnchen schwingend Spalier.

Nach einem lockeren Begrüßungsprogramm am Samstagnachmittag wartete am Abend dann der feierliche Festakt im Bürgerhaus auf Gastgeber wie Besucher.

Ein Bild des verstorbenen Bürgermeisters Henri Saint-Pierre, wurde von seiner Ehefrau Lili übe
albigny 2014 auftritt Kindergarten
Zweisprachig führten die Kinder des Kindergarten Ringsheim "Raupe Nimmersatt" auf.
Die Kinder der Karl-Person-Schule erfreuten mit ihrem musikalischen Auftritt

An der Vorbereitung und der Durchführung des Jubiläums beteiligten sich viele Personen aus Verwaltung, Freundeskreis, Vereinen und Einwohnern.

So wurde es zum Fest einer ganzen Gemeinde. Das war auch Sinn und Zweck der Gründung der Partnerschaft, hob Bürgermeister Heinrich Dixa am Abend in seiner Begrüßungsansprache im Bürgerhaus hervor. Er brachte aber auch sein Bedauern zum Ausdruck, weil Bürgermeister Jean-Paul Colin aus Albigny wegen der plötzlichen Erkrankung seiner Frau und auch Marie-Helene Meier, die Vorsitzende des Partnerschaftskomitees in Albigny wegen Erkrankung nicht teilnehmen konnten. Sie wurden durch den stellvertretenden Bürgermeister Gilbert Convard und Robert Monternot für das Partnerschaftskomitee vertreten.

Dixa erinnerte weit zurückblickend an die Ereignisse der beiden Weltkriege und das damit verbundene Leid, sowie an die politische Annäherung der beiden Völker mit General de Gaulle und Konrad Adenauer. Der Besuch vieler Bürger aus Albigny sei ein sichtbarer Beweis, dass die freundschaftlichen Beziehungen beider Gemeinden weiter bestehen werden. In einer Gedenkminute wurde an die verstorbenen Gründer der Partnerschaft erinnert. Besonders der verstorbene ehemalige Bürgermeister „mein lieber Freund Henri St. Pierre“ (Dixa), habe sein Herzblut für die Partnerschaft gegeben.

Die Partnerschaft lebe mit der Begegnung der Menschen, sagte Dixa, und von Personen, die über Jahre hinweg ihre ganze Kraft für die Partnerschaft einbringen. Sein Dank galt besonders Christa Mutz, Marie-Helene Meier, sowie Annette Hog von der Verwaltung.

Für die Gemeinde Albigny dankte Gilbert Convard für den herzlichen Empfang. Der Geist der Verständigung und Freiheit sei der Gewinn für ein Europa des Friedens, sagte Convard, „lasst uns wahrhaftig ein einheitliches Europa schaffen.“ Martina Hog übersetzte die Ansprachen in lockerer und professioneller Art und Weise.

Einen geschichtlichen Überblick über das deutsch-französische Verhältnis gab Caroline Weber. Sie hatte den Vortrag zusammen mit ihrer Mutter Dr. Gerlinde Person-Weber erarbeitet.

Ein buntes Unterhaltungsprogramm sorgte den ganzen Abend für gute Laune. Zu Beginn empfing Clown Charly vom Europa-Park die Gäste auf seine spaßige Art, und Pianist Ralf Wolter begrüßte die Gäste am Flügel musikalisch.

Die inzwischen weit über Ringsheim bekannte Sängerin Jasmin Nopper bezauberte die Gäste mit ihrer wunderbaren Stimme.

Das Rämässerballett und die Rämässerchicks schwebten mit Leichtigkeit über die Bühne. Der Narrenrat trug mit einem Slapstikauftritt für viel Heiterkeit. 

Eine Überraschung boten Udo Goldschmidt (Musik) und Martina Hog (Text), die gemeinsam mit einer „Symphonie de jumelage“ sowohl die Ringsheimer als auch die Gäste aus Albigny überraschten.

Einen Einblick in die Leistungsfähigkeit ihrer Küchen lieferten die Ringsheimer Gastronomen der Gasthäuser „Heckenrose“, „Adler“ und „Bahnhöfle“, die gemeinsam ein Menue darboten.

Danach wurde mit der Band „No Rocket Science“ ausgiebig getanzt.

 

albigny 2014 nopper wolter
Pianist Ralf Wolter und Sängerin Jasmin Nopper begleiteten den Abend
albigny 2014
Die jungen Damen der Rämässer Chicks begeistersten die Gäste mit ihrem Tanz
Sängerin Jasmin Nopper und Pianist Ralf Wolter
Für die Gemeinde Albigny dankte Gilbert Convard für den herzlichen Empfang
Ein Blumengruß für Lili Saint-Pierre
Aufmerksam folgten die Zuhörer dem Vortrag über die Deutsch-Französische Freundschaft von Caroline Weber
albigny 2014 auftritt Narrengarde
Musikalisch und auch sportlich perfekter Auftritt der Narrengarde
Erstmals wird das schöne Partnerschaftslied von Udo Goldschmidt und Martina Hog präsentiert
Beim Auftritt des Narrenrats flossen (Lach-) Tränen
Auf die Musik der Coverband No Rocket Science schwangen die Gäste das Tanzbein

Mit einem gemeinsamen Gottesdienst in der St. Johanneskirche begann der sonnige Sonntagmorgen. Pfarrer Roland Rettenmaier stellte die Partnerschaft in den Mittelpunkt der heiligen Messe, die vom katholischen Kirchenchor und dem Männergesangverein musikalisch mitgestaltet wurde. An der Orgel spielte Sven Mai.

Danach traf man sich auf dem Rathausplatz zu einem Freundschaftskonzert mit der Musikkapelle Ringsheim unter der Leitung von Antonia Efinger und zu einem Umtrunk.

Nach einem gemeinsamen Mittagessen, von einer Ringsheimer Metzgerei dargeboten, traten die Freunde aus Albigny die Heimreise an.

[Text: Adelbert Mutz]