37. Wein- und Gassenfest in Ringsheim

Die Gemeinde Ringsheim präsentiert sich für den Tourismus eigentlich als Weindorf. Nichts desto trotz wurde das 37. Wein- und Gassenfest mit einem Fass Bier eröffnet. Neben dem gewohnten Freibier wurde dann aber auch Ringsheimer Wein ausgeschenkt. Schwarze Wolken hingen bedrohlich über der Dorfmitte, als Bürgermeister Dixa am Samstagabend um 18 Uhr zum entscheidenden Schlag am Bierfass ausholte. Die Euphorie war indes eher Verhalten, denn während eines Laubenaufbaues vor dem Fest wurde ein Helfer durch umstürzende Laubenelemente schwer verletzt und musste in eine Klinik eingeliefert werden.

Die Musikkapelle unter der Leitung von Antonia Efinger begrüßte die Gäste musikalisch. Viele Gäste aus Ringsheim und der Umgebung trotzten dem Regenwetter und kühlen Temperaturen und kamen zur Eröffnung des 37. Wein- und Gassenfestes in der Dorfmitte. Im wahrsten Sinne des Wortes trat Dixa als Schirmherr zur Begrüßung der Gäste an das Mikrofon. Die Liste der Ehrengäste war lang, unter ihnen begrüßte Dixa auch seinen Amtsvorgänger, Altbürgermeister Ludwig Greber. Die amtierende Rämässerkönigin trat dieses Jahr nicht an das Mikrofon, sie war verhindert. Mit Isabella Vetter aus Bleichheim kam mit der amtierenden Breisgauer Weinprinzessin dennoch eine Hoheit zum Festauftakt. Dixa wies in seiner Rede auf die besonderen Umstände hin, die manche Vereine zu bewältigen hatten.

Viel Gesprächsbedarf und Organisationstalent war bei manchen Vereinen gefragt, weil durch den Abriss eines ganzen Gebäudekomplexes auf dem Kirchplatz neu geplant und investiert werden musste. „Gutes Essen, guter Wein, gute Freunde“, das erwarten die Besucher seit vielen Jahren in Ringsheim, stellte Dixa fest. Freunde aus der Partnergemeinde Albigny/sur Saône ergänzen das gute Weinangebot der Ringsheimer Winzer mit dem berühmten Beaujolaise-Wein. „Ringsheim ist international und weltoffen“, sagte Dixa. Der Fassanstich verlief unspektakulär, denn der Hahn steckte bereits im Fass. Ein symbolischer Holzhammerschlag sollte dann auch genügen. Es ist wohl die besondere Atmosphäre in der Dorfmitte, die immer wieder, bei welchem Wetter auch immer, die Gäste aus nah und fern nach Ringsheim lockt.

Seit 37 Jahren hat sich das Gesicht des Festes nicht verändert. Dass dies so ist, liege auch am Selbstverständnis der Anwohner in der Herren- und Kirchstraße, meinte auch der IG-Vorsitzende Manfred Weber, der mit hohem persönlichem Engagement das Fest mit organisiert. Dennoch wird es von Jahr zu Jahr nicht einfacher, denn mit dem geplanten Seniorenzentrum auf dem Kirch- Rathausplatz und der Fortschreibung der Dorfsanierung stehen die Vereine vor immer neuen Herausforderungen.

Alle Hände voll zu tun, hatten die Bedienungen in den Lauben. Trotz hohem Leistungsdruck und viel Trubel in der Bude war die 22-jährige Katharina Klipfel in der TC-Laube die Ruhe selbst und hatte immer ein freundliches Lächeln für die Gäste übrig. Sie hatte dafür eine einfache Erklärung, denn die Gäste selbst seien alle gut gelaunt, da mache die Arbeit Spaß. Je später der Abend, desto jünger die Gäste. Gegen 22 Uhr verlagerte sich das Geschehen mehr und mehr auf die Straße. Das Publikum wurde jünger, auf der Herren- und Kirchstraße bildeten sich Menschentrauben vor den Getränke- und Imbisständen. Während die älteren Semester bereits den Weg nach Hause antraten, begann für die Jugend das Fest erst richtig. Bis in die späte Nacht wurde in den Lauben und auf den Straßen gefeiert.

Das 37. Ringsheimer Wein- und Gassenfest war trotz teilweise schlechten Wetters von Erfolg gekrönt. Regen und Sonne wechselten sich stündlich ab und stellte die Vereine vor enorme Herausforderungen.

Bis zum Montagabend konnten die Gäste auf der Partymeile in der Herren- und Kirchstraße auch vor den Lauben bewirtet werden. Am Montagabend trübte Regen ein wenig die Stimmung, dennoch stürmten die Besucher die Lauben, in denen nach bewährter Methode köstliche Speisen zu sehr moderaten Preisen serviert wurden. Sowohl zum Mittag- als auch zum Abendessen waren an allen drei Festtagen sämtliche Lauben bis auf den letzten Platz besetzt.

Die Festbesucher vertrauen seit Jahren auf das gleichbleibende Speiseangebot in den Lauben. Richtig Stress hatten die Vereine am Sonntagmittag. Etliche Gäste mussten auf einen freien Platz warten. Durch den Wegfall der großen Laube des DRK-Ortsvereins konnte auch der beliebte Seniorenmittag am Montag erstmals nicht stattfinden. Tobias Keller vom DRK war indes mit dem abgelegenen Standort direkt am Rathaus nicht zufrieden.

Bürgermeister Heinrich Dixa wagte nach dem Gassenfest aber dennoch eine positive Prognose. Zum 37. Fest seien mehr Besucher als die Jahre zuvor gekommen, so seine Einschätzung. Er war nicht nur Schirmherr der Veranstaltung, sondern stand als Vereinsmitglied auch im Service zur Verfügung. Auf Grund der veränderten Umstände waren die Vorbereitungen von Diskussionen innerhalb der Interessengemeinschaft der Ringsheimer Vereine (IG) geprägt. Durch den Abriss etlicher Gebäude für den Bau eines Seniorenheimes auf dem Kirchplatz, mussten besonders die Musikkapelle und der DRK-Ortsverein umplanen, was zwangsläufig mit finanziellem Mehraufwand verbunden war und das bisherige gewohnte Bild veränderte. Fehlende Unterstellmöglichkeiten für Laubenelemente wurden ebenfalls beklagt. Zum Schluss fand man jedoch jeweils gute Lösungen. Auch wenn es immer schwieriger wird, durften sich die Vereine auf die Unterstützung ihrer Mitglieder beim Auf- und Abbau der Lauben und bei der Bewirtung der Gäste verlassen. Es ist nicht auszuschließen, dass sich die Vereine auf weitere Veränderungen einzustellen haben, denn mit der Fortschreibung der Ortssanierung ist auch ein hohes Maß an Flexibilität für die Zukunft gefordert.

Das gemeinsame Ziel aller Beteiligten lautet demnach: Das Wein- und Gassenfest muss in der Ortsmitte bleiben. Während andernorts Klagen über Lärmbelästigungen vorgebracht werden, unterstützen die Anwohner noch die Vereine, indem sie Haus und Hof zur Verfügung stellen. Es ist mithin einer der Gründe, dass seit 37 Jahren einmal im Jahr im Dorfkern gefeiert werden kann.

Auch der IG-Vorsitzende Manfred Weber war mit dem Verlauf sehr zufrieden. Er war täglich gefühlte 24 Stunden im Einsatz und hatte den großen Überblick über die Organisation. Bei Regen litten lediglich die Außenstände, so seine Feststellung. Erfreulicherweise habe es keine nennenswerten Auseinandersetzungen gegeben, was auch auf die Anwesenheit des Sicherheitsdienstes zurückzuführen sei. Im Gegensatz zum vergangenen Jahr habe es erfreulich wenig Glasbruch gegeben, sagte Weber.

Ein Gassenfest ohne Musik, das geht in Ringsheim nicht. In der Musikerlaube unterhielt die Cantina-Band die Besucher und am Sonntagabend waren die Wieber-Buabe aus Kappel von Laube zu Laube musikalisch mobil unterwegs und machten mächtig Stimmung. Auch an die Kinder hatten die Vereine gedacht. Ein Kinder- und ein Kettenkarussell auf dem Kirchplatz, sowie eine Hüpfburg war drei Tage lang in Betrieb.

Als eine der letzten Aktionen fand vor dem Rathaus die Verlosung des Quiz aus dem Ferienprogramm statt. Eine Rekordbeteiligung sei es gewesen, 61 Kinder und Erwachsene, sagte Bürgermeister Heinrich Dixa, der die Verlosung leitete. Als Glücksfee trat Saskia Schiedel von der Verwaltung in Aktion. Zu gewinnen waren vier Eintrittskarten für den Europa-Park. Die glücklichen Gewinnerinnen waren die Geschwister Elisa und Maria Oswald, Mailin Scholz und Carmen Person.

Der beim Aufbau schwer verletzte 73-jährige Mann befindet sich noch in der Klink zur weiteren Behandlung, teilte der IG-Vorsitzende Manfred Weber auf Anfrage am Dienstagabend nach dem Wein- und Gassenfest mit. Man wünsche ihm weiterhin alles Gute und baldige Genesung.

[Text und Bilder: Adelbert Mutz]