Gelebte Inklusion in Ringsheim

Der Reichtum einer Gesellschaft wird oft nach wirtschaftlichen, politischen oder kulturellen Maßstäben bemessen. Und in dieser Gesellschaft stehen Menschen, die das Weh und Wohl der Gesellschaft in allen Lebensbereichen prägen. Menschen mit und Menschen ohne Behinderung. Diese Gesellschaft tut sich gelegentlich schwer, alle Menschen gleichberechtigt an gesellschaftlichen Prozessen zu beteiligen, unabhängig von individuellen Fähigkeiten des Einzelnen.

Wie die Integration von Menschen mit und ohne Behinderung in der Arbeitswelt aussehen kann, zeigen die Gemeinde Ringsheim und „IntegrA Lahr“ (Integratives Arbeiten), eine gemeinnützige Einrichtung für integratives Arbeiten für und mit Menschen mit Behinderung. Seit 2012 ist die IntergA in Ringsheim tätig und ist in Zusammenarbeit mit dem Ringsheimer Bauhof zu unterschiedlichen Zeiten bei der Pflege von Grünanlagen eingesetzt. Aber nicht nur hier, sondern auch an anderen Orten bieten Mitarbeiter mit und ohne Behinderung mit unterschiedlichen Arbeitsangeboten ihre Dienste an. Die Zusammenarbeit mit der Ringsheimer Gemeinde klappt besonders gut, freute sich die ehrenamtlich tätige Geschäftsführerin Monika Fehrenbach von IntegrA Lahr bei einem Gespräch im Ringsheimer Rathaus. „Wir sind stolz darauf, sechs Arbeitsplätze geschaffen zu haben, davon drei Mitarbeiter mit geistiger Behinderung. Wir erleben in Ringsheim ein großes soziales Engagement, sowohl von der Verwaltung als auch von der Belegschaft des Bauhofes, die sich immer freuen, unsere Mitarbeiter zu sehen und mit ihnen zusammen zu arbeiten. Auch die Bevölkerung spricht unsere Mitarbeiter immer wieder an und versorgt sie mit Getränken und Kaffee.“ Das sei gelebte Integration auch im Sinne der Menschenrechtskonvention, fügt Fehrenbach an. „Die Leute werden respektiert und integriert, pflichtet der Leiter des Bauhofes, Enrico Kortmann, bei. Man sei froh um jede helfende Hand. Die Erfahrungen der gemeinsamen Arbeit mit Menschen mit Behinderung seien sehr positiv und von gegenseitigem Vertrauen geprägt und getragen. Das Konzept der 1:1 Betreuung -ein Mitarbeiter ohne und ein Mitarbeiter mit Behinderung- habe sich bewährt und komme bei den Kunden sehr gut an, meint Fehrenbach, die IntegrA Lahr im Jahr 2010 gründete. Die Idee zur Gründung resultierte aus der eigenen Betroffenheit, ihr 24-jähriger Sohn Felix hat das Down-Syndrom. Er ist einer von drei Mitarbeitern mit Behinderung bei IntetraA Lahr. Zum Team gehören zwei ausgebildete nichtbehinderte Gärtner, die Arbeitsanleitungen geben. Der Zweck des Unternehmens sei die Integration von Menschen mit Behinderung auf dem ersten Arbeitsmarkt.

Seit Januar 2011 sei man operativ tätig, sagt Fehrenbach. Das Angebot ist vielfältig und beinhaltet zum Beispiel Garten- und Landschaftspflege, Grabpflege und kleine Pflasterarbeiten. „Wir stehen im normalen Wettbewerb“, sagt Fehrenbach. Wie andere Firmen erhalte man auch Zuschüsse für die Schaffung von Arbeitsplätzen für Menschen mit Behinderung, aber keine speziellen Zuschüsse. Durch die Stunden in Ringsheim, die sich über das ganze Jahr erstrecken, ergebe sich eine große Planungssicherheit für IntegrA. Derzeit ist das Zweierteam mit Landschaftsgärtner Bernd Breig und seinem Helfer Felix Fehrenbach mit der Pflege von örtlichen Grünanlagen eingesetzt. Und Felix kommt sehr gerne nach Ringsheim, lässt er alle wissen. Die IntegrA bietet ihre Arbeitsleistung für Kommunen, Firmen und auch Privatpersonen an. Es habe sich herauskristallisiert, dass Aufträge im Gartenbereich überwiegen, meint Fehrenbach. Alle Mitarbeiter stehen bei IntegrA in einem sozialversicherungsrechtlichen Arbeitsverhältnis und werden nach den gesetzlichen Bestimmungen entlohnt, betont Monika Fehrenbach.

[Text und Bild: Adelbert Mutz]

Die Mitarbeiter der IntegrA Lahr kommen sehr gerne nach Ringsheim (von links): Enrico Kortmann (Leiter Bauhof Ringsheim), Bernd Breig, Felix Fehrenbach, Monika Fehrenbach (IntegrA Lahr)