Bahn: Aktiver und passiver Lärmschutz

Auf den Bau einer Lärmschutzwand östlich der Bahngleise gegen den Schienenlärm kann nun auch die Gemeinde Ringsheim hoffen. Mit dem Bau soll nach dem Zeitplan der Bahn Mitte des Jahres 2017 begonnen werden. Außerdem besteht für viele Hauseigentümer die Möglichkeit auf Antrag ihre Gebäude gegen Lärm mit individuellen Maßnahmen (Schallschutzfenster, Dämmung von Dächern oder Rollläden, Schalldämmlüftern) zu sichern. Die Bahn bezuschusst die Maßnahme mit 75 Prozent der Gesamtkosten, der Eigenanteil beträgt 25 Prozent.

Sabine Weiler, Projektleiterin Lärmsanierung Bahn, informierte am vergangenen Montag Bürgerinnen und Bürger im Ringsheimer Bürgerhaus über die geplante Lärmsanierung auf Ringsheimer Gemarkung. Mit dem seit 1999 bestehenden Lärmsanierungsprogramm der Bundesregierung hat die Bahn die Möglichkeit Maßnahmen an der bestehenden Bahnlinie zu realisieren. Die Strecke zwischen Offenburg und Kenzingen habe große Priorität, sagte Weiler, es bestehe jedoch keinerlei Zusammenhang mit dem Bau der neuen Gleise stellte sie fest. Der Bund stelle jährlich eine Gesamtsumme von 120 Millionen Euro zur Verfügung, eine Erhöhung auf

150 000 Millionen Euro sei in Aussicht gestellt. Die Lärmgrenzwerte lägen besonders nachts in Ringsheim über dem zulässigen Wert von 60 dB(A). Eine entscheidende Weichenstellung sei die Abschaffung des sogenannten Schienenbonus der Bahn von 5 dB(A) zum 1. Januar 2015. Deshalb läge die Installation einer drei Meter hohen Lärmschutzwand auf der Ostseite der Bahnlinie, mit einer Länge von 945 Metern und Kosten in Höhe von etwa 1,4 Millionen Euro im wirtschaftlich vertretbaren Bereich und werde von der Bahn finanziert. Vorsorglich werde die Statik für eine höhere Wand berechnet, falls die neuen Gleise -entgegen Ringsheimer Erwartungen- an bestehender Trasse gebaut werden. Sonderwünsche der Gemeinde,seien selbst zu tragen. Auf der Westseite der Gleise sei eine Lärmschutzwand nicht geplant, zur Abschirmung der Gebäude werden lediglich passive Maßnahmen gefördert. Weiler beruft sich bei der Bewertung auf gutachterliche Untersuchungen, subjektives Lärmempfinden spiele bei den Berechnungen keine Rolle, machte Weiler deutlich.

Die Lärmbelastungskennzahlen basieren nach Auskunft von Modus Consult auf theoretischen Berechnungen des zu erwartenden Zugverkehrs unter Einbeziehung deren Lärmausgangswerte. Punktuelle Lärmmessungen an den Gleisen oder an verschiedenen Orten der Gemeinde wurden nicht vorgenommen, da es sich um eine Lärmprognose handeln würde, so das Planungsbüro.

Die Lärmschutzwand beginnt im Süden auf Höhe der Überführung in das Gewerbegebiet und endet im Norden etwa 50 Meter nach der Baufluchtlinie der Gebäude. Im Bereich des Bahnsteiges soll die Wand transparent ausgeführt werden. Martin Reichert von der Karlsruher Firma Modus Consult gab Auskunft zur schalltechnischen Untersuchung in Ringsheim. Alle Gebäude seien erfasst und „fassaden- und stockwerkscharf“ dokumentiert worden, meinte Reichert. 277 Wohneinheiten seien in die Berechnung einer möglichen Lärmschutzwand eingeflossen, bei 170 Wohneinheiten sei zusätzlich passiver Lärmschutz möglich, denn die Wirkung einer Wand habe auch Grenzen. Bei bestimmten Waggons schäppert es regelrecht, beklagte ein leidgeprüfter Bahnanlieger. Der Lärm entstehe durch den Rad-Schienen-Kontakt, wobei die Art der Bremsen eine wesentliche Lärmquelle sein können, bemerkte Weiler. Reichert gab detaillierte Auskunft über das Procedere der Beantragung passiver Lärmschutzmaßnahmen. Die Eigentümer der Gebäude, an denen der Immissionsgrenzwert für die Lärmsanierung überschritten ist, werden danach ohne Aufforderung von der Bahn angeschrieben.

Bei einer Wohnungsbesichtigung mit dem Eigentümer sollen konkrete Maßnahmen festgelegt werden (z.B. Einbau von Schallschutzfenstern). Unter drei einzuholenden Angeboten (Eigentümer kann selbst aktiv werden), wird das wirtschaftlichste Angebot berücksichtigt. Die Abrechnung erfolgt direkt mit der Bahn (75 Prozent), den Eigenanteil (25 Prozent) rechnet der Eigentümer direkt mit der ausführenden Firma ab.

[Text und Bild: Adelbert Mutz]