Fernwärmeversorgung in Ringsheim

Ausgangslage

Von 1973 bis 2005 wurde anstelle einer Bergwerksbrache die Hausmülldeponie „Kahlenberg“ betrieben. Seit 2006 wird hier eine mechanisch-biologische Abfallbehandlungsanlage betrieben. Aus Restmüll werden Wertstoffe, Ersatzbrennstoffe und Mineralstoffe sowie Biogas zur Erzeugung von Strom und Fernwärme gewonnen und damit ein Beitrag zur Schonung endlicher Ressourcen geleistet.

Betreiber der Anlage ist der Zweckverband Abfallbehandlung Kahlenberg (ZAK), eine Körperschaft des öffentlichen Rechts.

 

Fernwärmeversorgung

Die Gemeinde Ringsheim verfügt über die zwei prinzipiell getrennten Fernwärmenetze „Limbach 1“ und „Limbach 2“ mit unterschiedlichem Ausbauzustand, die der Verteilung der vom ZAK erzeugten Energie dienen. Das Netz Limbach 1 wurde 1997 in Betrieb genommen und verfügt über eine Netzlänge von 2.730 m, das Netz Limbach 2 (Baujahr 2005) über 1.730 m. Obgleich es sich um zwei getrennte Netze handelt, wurden diese durch zwei Bypässe verbunden. Dadurch war es bisher möglich und nötig, das an die Belastungsgrenze gestoßene Netz Limbach 1 vom Netz Limbach 2 zu unterstützen.

Durch den Neubau einer Wärmeverteilungsstation in diesem Jahr kann künftig die Kapazität der beiden Netze erheblich gesteigert werden und der Kapazitätsengpass im Netz Limbach 1 beseitigt werden. Dadurch wird der Neuanschluss von weiteren Haushalten möglich. Die Wärme, die in das Netz eingespeist wird, wird dabei durch ressourcenschonende Kraft-Wärme-Kopplung von Blockheizkraftwerken (BHKW) bereitgestellt, die mit dem Deponie- und Biogas aus der Abfallbehandlung betrieben werden. Das Biogas wird dabei aus den biologischen Anteilen des Abfalls gewonnen und für die energetische Verwertung aufbereitet. Das Deponiegas entsteht auf der ehemaligen Hausmülldeponie, die schon seit geraumer Zeit nicht mehr beschickt wird. Die Ausgasung dort lässt sukzessive nach, da die verantwortlichen Prozesse langsam zum Stillstand kommen.

 

Verwendung von Biomasse

Aus verschiedenen Gründen ist es nicht sinnvoll, ein Blockheizkraftwerk leistungsmäßig auf den maximal möglichen Wärmebedarf auszulegen. Gründe hierfür sind einerseits die Wirtschaftlichkeit, andererseits spielt z. B. auch die vorhandene Gasmenge eine entscheidende Rolle. Um bei extremer Witterung Leistungsspitzen abfangen zu können, ist daher ein zusätzlicher Heizkessel nötig, der jedoch nur eine geringe Betriebsdauer hat und die vergleichsweise geringe Energiemenge von 60 MWh/a einspeist. Der zurzeit für Spitzenlastzeiten vorhandene ölgefeuerte Heizkessel soll außer Betrieb gesetzt werden. Fortan soll die Erzeugung der Spitzenlast durch einen Kessel sichergestellt werden, der mit Trockenhalmgut, z. B. Heu und Stroh, befeuert wird. Somit wird dann ausschließlich regenerative Energie für die Wärmeerzeugung eingesetzt.

 

Ausbau des Fernwärmenetzes

Derzeit sind ca. 140 Gebäude an das Fernwärmenetz angeschlossen. In naher Zukunft können bis zu 75 weitere hinzukommen. Für knapp 40 Gebäude liegen uns bereits Anschlussanträge vor. Ein geschlossener Baubestand von Wohnhäusern im Gemeindegebiet ist relativ einheitlich 20 bis 30 Jahre alt. In diesen Bestandsgebäuden ist größtenteils noch die nicht mehr zeitgemäße Heiztechnik der Erbauungszeit installiert. Diese erreicht teilweise das Ende ihrer Betriebsfähigkeit und muss in den nächsten Jahren turnusgemäß ersetzt werden. Hierdurch gewinnt der in Aussicht gestellte Anschluss an das Fernwärmenetz mit Investitionszuschuss (Tilgungszuschuss) zusätzliche Akzeptanz als nachhaltige und dennoch kostengünstige Alternative zur Neuinstallation.

Die veralteten Einzelheizungen entsprechen nicht mehr dem Stand der Technik. Durch den Anschluss an das Nahwärmenetz wären signifikante Primär-Energieeinsparungen möglich. Die Verwendung der Deponie- und Biogase erfüllt dabei mehrere Nutzen. Zum einen gelangt den Treibhauseffekt steigerndes Gas aus dem abgelagerten Abfall nicht mehr ohne weiteres in die Atmosphäre. Zum anderen wird durch die Kraft-Wärme-Kopplung erzeugter Strom beim ZAK genutzt und die Abwärme wird in das Fernwärmenetz Ringsheim eingespeist, soweit sie abgenommen werden kann. Diese Wärme aus erneuerbaren Energien, die ansonsten ungenutzt verloren ginge, substituiert Brennstoffe, die ansonsten für die Heizung eingesetzt werden müssten.

 

Unterstützung durch die KfW

In der Vergangenheit wurden überwiegend Eigenmittel für die Finanzierung der Infrastruktur eingesetzt. Da die künftigen Aufwendungen langfristigen Zielsetzungen dienen, sind neben der teilweisen Finanzierung mit Eigenmitteln auch langfristige Fremdmittel zu günstigen Konditionen erforderlich. Die KfW unterstützt die Gemeinde Ringsheim bei der Umsetzung ihrer Ziele im Bereich der Energieeffizienz durch Förderung im Rahmen des KfW-Programms „Erneuerbare Energien Premium“ mit einem zinsgünstigen Darlehen und der Gewährung eines Tilgungszuschusses. Dies beinhaltet für jeden bis April 2015 komplett fertiggestellten Hausanschluss einen Tilgungszuschuss bis 1.800 EUR, um den sich die vom jeweiligen Antragsteller zu tragenden Investitionskosten vermindern.

 

Ziel des Vorhabens

Ziel des Projektes ist der Ausbau des Fernwärmenetzes und damit eine Steigerung der Energieeffizienz in Ringsheim insgesamt. Der derzeit erwartete Anschluss von 40 Häusern an das Fernwärmenetz ermöglicht den Ersatz von 40 durchweg veralteten, ineffizienten Einzelfeuerungsstätten. Fortan wird der Wärmebedarf für Heizung und Brauchwasser durch die moderne BHKW-Anlage des ZAK gedeckt werden. Durch die Kopplung von Krafterzeugung und Wärmebereitstellung mittels Biogas wird auf hocheffiziente Weise die Heizung sichergestellt und gleichzeitig Strom erzeugt. Im Vergleich zur Einzelheizung, selbst wenn sie ebenfalls mit Biogas betrieben würde, wird demnach viel Kohlendioxid eingespart, da ansonsten die Abwärme nicht genutzt würde und das zusätzliche Biogas zusätzliches CO² erzeugt. Der Ausbau des Netzes bedingt z. T. umfangreiche Leitungsarbeiten im Wohngebiet Unterfeld und in der Hausener Straße. Nötig sind für die Erweiterung des Netzes Limbach 2 2464 Trassenmeter. Der Wärmeabsatz im Neubauteil des Netzes wird ca. 2.300.000 kWh/a betragen.

 

Zusammenfassung

Die Gemeinde Ringsheim möchte im Hinblick auf die Ziele der Bundesregierung aktiv an der Einsparung von Treibhausgasen mitwirken. Eine allgemein anerkannte Möglichkeit zur Emissionsreduktion ist die Kraft-Wärme-Kopplung. Deren Umweltverträglichkeit lässt sich durch die Verbrennung von Biogas, so wie es in Ringsheim vorgesehen ist, weiter verbessern. Ringsheim möchte die Gelegenheit nutzen, den Energiebedarf auf nachhaltiges Wirtschaften umzustellen und weitestgehend durch den Einsatz regenerativer Energien zu decken. Durch die Ablösung der ineffizienten Einzelfeuerungsstätten steigt der aus den Energieträgern gewonnene Nutzen.

Mit der Realisierung des Fernwärmenetzes möchte Ringsheim seine Attraktivität steigern und seinen Einwohnern eine kalkulierbare Energieversorgung sichern. Auch wenn die Gemeinde damit zunächst keine direkten Einnahmen bzw. Gewinne verzeichnen kann, wird damit der Standort Ringsheim gesichert und eine Situation geschaffen, die es ermöglicht, Interessenten durch den ausgewiesenen Standortvorteil von einer Ansiedlung in Ringsheim zu überzeugen.