Kleine Geschichte von Hubert Kewitz

1. Lage und Geologie

,,Erbse, Bohne, Linse Bi Ettene liegt Ringse"

Ringsheim liegt bei 48 Grad 15 Minuten nördlicher Breite und 7 Grad 48 Minuten östlicher Länge am Vorbergrand des mittleren Schwarzwalds, an der Südgrenze der Ortenau. Die Meereshöhe in der Ebene schwankt um 170 m. Der größte Teil der Gemarkung ist flaches Gelände auf den nach Westen hin schnell mächtiger werden­den Kiesschichten des Rheintals. In der Eiszeit hat der Löß einen Mantel von wech­selnder Stärke über den Berg gelegt; 1952 wurde beim Abgraben ein Mammutzahn darin gefunden. Der Kahlenberg (309,1 m) ist der höchste Punkt einer Vorbergscholle, die beim Einbruch des Rheingrabens zunächst mit absank, dann aber am Rand der Verwerfungslinie hängenblieb. Sie besteht aus Juragestein. Unter dem Rogenstein liegen Schichten aus Mergel, Ton. Sand- und Kalkstein und dann die Erzlager, am Kahlenberg 10-11,5 m dick. Sie sind vor etwa 170 Millionen Jahren in einem Flachmeer aus Strömungen entstanden, die im Wasser gelöstes Eisen hier ablagerten.

2. Kelten und Römer. Die "Rötelburg"

Schon die Kelten haben unsere Erzvorkommen genutzt. Das beweisen Verhüttungs­spuren nordwestlich von Herbolzheim, die aus der Hallstattzeit vor 2 500 Jahren stammen. Der keltische Fürst, dessen Grab man bei Kappel gefunden hat, mag durch das Ringsheimer Eisenerz wohlhabend geworden sein. 700 Jahre später bauten dann auch die Römer das Erz aus, wie aus einem Fund in Altdorf hervorgeht. Am Rötelberg wurden durch das Bergwerk alte, bis zu 50 m lange Stollen entdeckt. An der Decke hingen 10 cm lange Stalaktiten. Außen am Berg sind noch jetzt Reste von mehreren Stützmauern zu erkennen, vielleicht Spuren eines alten Eisenwerks. Man weiß bis jetzt noch nicht, aus welcher Zeit diese im Volksmund ,,Rötelburg‘ genannte Anlage stammt.

Seit der Bronzezeit ging am Berg eine wichtige Nord-Süd-Straße durch. Um 100 nach Chr. bauten sie die Römer in der Trasse der heutigen B 3 aus. Die nächsten größeren bekannten Stationen an dieser ,,Trajansstraße" waren Riegel und die römi­sche Siedlung im Mauerfeld bei Dinglingen. Um 1880 wurden auf Ringsheimer Gemarkung zwei Goldmünzen Kaiser Neros gefunden; eine davon befindet sich im Landesmuseum in Karlsruhe.

3. Ringos Heim

Ringishein 1226, Ringeshain 1308, Ringshein 1319, Ringesheim c. 1330, Ryngesheim 1347, Ryngisheim 1355, Ringshein 1358, Ringse 1388, Ringßheim 1401, Ringerßheim 1419, Rinczheim 1432, Ringsen 1487, Rindsheim 15. Jahrh., Rünschheim 1572, Rintzhaim 1618, Rintzheimb 1666, Rintze 1671, Rintsheim 1743, Rindzheim 1745

Von Menschen, die hier gesiedelt und gelebt haben, erfahren wir erst durch die alemannischen Funde im Gewann Weingarten. 1929/30 wurden beim Rigolen von Rebgelände Skelette mit Beigaben aufgedeckt. Darunter befand sich eine Kette aus 16 farbigen Perlen, die einem jungen Mädchen gehörte, ferner eine schwarzgraue Röhrenkanne und ein Glasbecher. Früher waren schon ein Schwert und eine Lanzen­spitze gefunden worden. Diese Funde stammen etwa aus der zweiten Hälfte des 7. Jahrhunderts, und um diese Zeit, im 7./8. Jahrhundert, können wir auch die eigentliche Gründung Ringsheims ansetzen. Es entsteht damals auf fränkische Veranlassung, zusammen mit den anderen -heim-Orten (Mietersheim, Kippenheim, Etten­heim, Herbolzheim) längs der alten Römerstraße, zur Sicherung der noch halb ale­mannischen südlichen Ortenau. Vermutlich kamen schon lange unter fränkischem Einfluss stehende Alemannen herüber aus dem Elsaß und ließen sich hier nieder. Einer von ihnen, Ringo, Rinco oder Rincho, der als Sippenoberhaupt oder Grundherr mit unserer Siedlung zu tun hatte, gab ihr den Namen.,, Ringos Heim" war wohl zunächst nicht viel mehr als ein größerer Hof, der auf dem Areal Pfarrhaus-Kirche-Rathaus stand, das sich noch heute deutlich im Ortsplan abhebt. Von hier aus wurde im Ortsetter, im Ober- und im Unterfeld das erste Ackerland gerodet und längs des Weges nach Rust auch bebaut. - Etwa um diese Zeit wurde Ringsheim christlich.

4. Tausend Jahre unter dem Krummstab

,,Außerdem soll Euch und Euren Nachfolgern fest und unvermin­dert gehören: ...... Der Herrenhof in Ringishein ... zwei Teile der Zehnten, die Ihr habt an der Kirche von Ethinhein, mit dem Patronatsrecht. Zwei Teile der Zehnten, die Ihr habt an den Ka­pellen der erwähnten Kirche in Altdorf, Ringishein und Gravinhusin."

Papsturkunde 1226

Im 8. Jahrhundert gehörte der Fronhof/Herrenhof Ringsheim zur Mark Ettenheim und kam mit dieser, vielleicht durch die Schenkung eines gewissen Ruodharius, an das Bimtum Straßburg. Dieses wiederum brachte die Mark in das Ausstattungsgut des von ihm gegründeten Klosters Ettenheimmünster hinein. Der westliche Teil der Mark, darunter Ringsheim, kam aber niemals ganz in den Besitz des Klosters. Es hatte hier zwar immer das Patronats- und das Zehntrecht, aber seit c. 1100 ist die Landeshoheit über Ringsheim wieder fest in der Hand der Bischöfe und blieb dort bis 1803. (Nur 1401-1528 war Ringsheim mit anderen Orten vom Hochstift an die Stadt Straßburg verpfändet.)

Am 29. April 1226 ließ sich Ettenheimmünster von Papst Honorius III. in einem feierlichen Privileg seine Rechte und Einkünfte bestätigen. Dabei werden der Herrenhof und eine Kapelle in Ringishein genannt: es ist die erste urkundliche Erwähnung Ringsheims vor 750 Jahren. Damals bezog das Kloster zwei Drittel der Einkünfte dieser Kapelle, zwei Drittel also des Zehnten; später bekam es dann den gesamten Zehnten.

5. Wie das Dorf gewachsen ist

Zunächst war überall Wald, der gerodet werden musste. Die günstigste, weil trockene Lage für eine Siedlung war die am Berg, an der Straße. Im Anfang setzte die Rodung nur westlich der Straße an; der Raum östlich der Straße blieb, anders als in Kippen­heim oder Herbolzheim, lange ausgespart, vielleicht wegen einer Bergwerksnutzung schon im frühen Mittelalter. Nach Westen, in den Auwald hinein, wurde ausgedehnt gerodet. Im Meistersheimer Feld entstand Meistersheim, eine erste Ausbausiedlung von Ringsheim. Dann aber begann im Osten, im Berg, nach der Jahrtausendwende unter Anleitung des Klosters der lohnende Rebbau. Vielleicht wurde jetzt der Berg abgeholzt und zum "kahlen"-Berg. (Die 'Rämässer' sind also auch schon seit fast tausend Jahren im Berge am Werk.)

Die Siedlungsweise ist zunächst locker, die Höfe liegen auch draußen in der Gemar­kung, ähnlich den heutigen Aussiedlerhöfen. Einige Anwesen gruppieren sich längs der Hauptstraße und im Bereich der Wolfgangstraße Nach Süden hin liegt etwas außerhalb der Herrenhof, weiter im Süden und Westen einzelne Höfe des großen Tennenbacher Hofguts Langenbogen. Draußen nach Norden hin liegen Meistersheim und Richenwiler. Im späteren Mittelalter, vom 14. bis zum 16. Jahrhundert, werden die Siedlungen außen in der Gemarkung langsam wieder aufgegeben. Die Bewohner ziehen ins Kerndorf zurück; Meistersheim wird zu Ringsheim, Richenwiler zu Grafenhausen geschlagen.

Das Dorf blieb aber noch lange sehr locker bebaut, mit reichlich Wiesen- und Gartenland auch im Ortsetter, der von einem Hag umgeben ist. Es erweitert sich nach Westen hin. Die Herrengaß wird quer angesetzt und als eine Art Marktstraße aus­gebaut. Am südlichen Ende liegt der Pfarrhof und gleich daneben die Kirche; am andern Ende steht neben der Linde und dem Gemeindebrunnen die Stube. In der (1572 bezeugten) Stube tagt das Ortsgericht, liegen die Urkunden der Gemeinde und werden die Feste gefeiert. Der Brunnen wurde von der Anlage gespeist, die schon früh von einer Brunnenstube im Dürftig aus das Wasser in Deicheln längs der ,,Kähner"-Gasse (1697 erwähnt) ins Dort leitete.

Nach dem Rückschlag im Dreißigjährigen Krieg erfolgt im 17./18. Jahrhundert noch einmal eine Erweiterung im Bereich der Kreuzstraße und am gebogenen Lauf der Hauptstraße. Die anderen älteren Ortsteile (Neudörfle, Ettenheimer Straße) sind 19. Jahrhundert. In unserem Jahrhundert greift dann die Bebauung auf den Berg, ins Oberfeld (Siedlung) und letzt besonders ins Unterfeld aus.

6. Weistum und Berain

"Darum sollen die vorgenannten Vögte den Hof schirmen und die Gottesleute im Dorf, vor aller Gewalt."

Weistum, um 1330

Die Bevölkerung wuchs, um 1300 gab es etwa 400 Einwohner. Diese Zeit war ein erster Höhepunkt in der Ringsheimer Geschichte. Es löste sich von der Mutterkirche Ettenheim und wurde selbständige Pfarrei. Es bekam eine eigene Pfarrkirche, Pfarr­haus wurde der bisherige Herrenhof. Zuerst saß dort noch ein Bruder, dann ein Leutpriester, dann ein Pfarrer. Der erste namentlich bekannte Geistliche, ein Leutpriester Heinricus, wird 1363 erwähnt.

In einem Weistum von c. 1330 wurden damals die Rechte und Pflichten im Verhält­nis von Gemeinde und Kloster geregelt. Es gab drei durch ritterliche Vögte gehaltene Gerichtstermine: je ein Ding im Februar, im Mai und im Herbst. Wie die Vögte zu bewirten waren und was sie zu tun hatten, war genau vorgeschrieben. Der Abt stellte der Gemeinde auch den Farren, den Eber und den Widder und deckte das Kirchendach zur Hälfte. In dem gleichzeitigen Berain (Güterverzeichnis) des Klosters finden wir die ältesten Ringsheimer Personen- und Flurnamen.

Von den Flurnamen sind einige heute noch lebendig: die almende, zuo deme durftigen (Im Dürftig, durch das Bergwerk verloren), hasenwang, hoeweg (Heuweg), zuo hohen zil (Hochziel), uf dem kallenberge, an keysersberge, zuo lochelin (Löchleberg), in der limpach. meisters-heim, an dem obern velde, an roetelnberge, santhalde, zuo vulle bütte, in der wannen, zuo wegelange (Weglänge), wingarten.

7. Der Große und der Kleine Meierhof. Das Adelsgut

Im Laufe der Zeit wurde das Kloster zum größten Landbesitzer im Ringsheimer Bann. Es besaß vor allem den Großen und den Kleinen Meierhof. 1311 verkaufte das Frauenkloster Wonnental b. Kenzingen den Großen Meierhof in Ringsheim mit Ackern, Wiesen, Reben, Zinsen, Fischerei- und Mühlenrechten für 270 Mark Silber an Johannes Pfaffenlapp aus einer reichen Straßburger Bürgersfamilie. (Das sind etwa 63 Kilo Silber, in gestempelten Barren abgewogen.) 1322 veräußerte Johannes Witwe Gertrud den Besitz zum gleichen Preis an Ettenheimmünster. 1371 kam der Kleine Meierhof zur Hälfte an das Kloster, später ganz. Der große Hof umfasste in späterer Zeit 57 Stücke mit 186 Juchert (75 ha), der kleine 30 Stücke mit 65 Juchert (25 ha). Die Meierhöfe waren kein geschlossener Besitz, sondern Streubesitz in Ringsheim und den Nachbarorten. Sie wurden wie alle Güter des Klosters nicht selbst von ihm bewirtschaftet, sondern an Ringsheimer Bürger (die ,,Lehensmeier") gegen Zinszahlung in Naturalien ausgeliehen. Nach dem Dreißigjährigen Krieg wurde z.B. der große Hof an acht, der kleine Hof an zwei Bauern zu Lehen gegeben. Diese Lehen waren Schupflehen, d. h. in der Regel nicht vererblich.

Das sog. Adelsgut gehörte um 1300 dem Kloster Günterstal, kam 1344 an Tennenbach und 1498 in die Hand adliger Herren, zunächst der Freiherrn von Stein und ihrer Erben. Es lag im Gebiet der Stockäcker und am Hausener Pfad und ist vermutlich mit Teilen des alten Hofes Langenbogen identisch. Es bestand aus 60 Juchert Ackerland, 15 J. Wiesen und 16 J. Wald, insgesamt rund 30 ha. Die Adelsherren bauten sich ein Gutshaus im Dorf neben dem "Adler", an der Stelle des jetzigen Hauses Person. Dieses Adelsgut war später zeitweilig auch im Besitz der in Ringsheim verhassten Ettenheimer Amtsschreiberfamilie Chomas.

Weitere größere Besitzungen waren das Fischlinslehen und das Gültgut der Offenburger Barfüßer. Das Fischlinslehen (23 Juchert Acker, 6 1/2 J. Niederwald, 4 J. Wiesen, 20 Mannshauet Reben) war Besitz Tennenbachs und wurde zuletzt der Gemeinde Ringsheim zu Erblehen gegeben. Die Franziskaner hatten 17 Juchert Acker Im Oberfeld und 19 1/2 J. am Grasweg, sowie 24 J. Wald. Sie verpachteten ihren Besitz für jährlich 8 Viertel (11 Ztr.) Korn guter Kaufmannsware.

8. Die Herren von Ringheim

Vom 13. bis zu ihrem Aussterben zu Anfang des 16. Jahrhunderts sind die Herren von Ringsheim nachweisbar. Sie gehörten zum kleinen Dienstadel und hatten als Lehensträger der Bischöfe von Straßburg Teile des Dorfes zu Lehen. Sie standen in Beziehungen zum Johanniterorden. Der Kleine Meierhof war früher Ihr Sitz; Gerhard von Ringsheim hat dann seinen Anteil daran an die Pfaffenlapps verkauft, die ihn an das Kloster weitergaben.

9. Johann Baptist und Sebastian

"Alle bei gutem Verstande und in moribus (in den Sitten) gute Christen."

Pfarrer Triebel, 1739

Die erste, im Weistum erwähnte, dem hI. Johannes dem Täufer und später auch dem Pestpatron Sebastian geweihte Kirche war eine kleine Chorturmkirche an der Stelle des heutigen Spritzenhauses. Aus ihrer Innenausstattung sind drei Statuen erhalten geblieben, eine Muttergottes, ein Johannes und ein Sebastian; sie wurden In den letz­ten Jahren restauriert. Die jetzige Pfarrkirche wurde 1784/85 unter Abt Landolin Flum auf den Klosteräckern bei der Zehntscheuer von dem Vorarlberger Baumeister Joseph Hirschbühl erbaut. Das Pfarrhaus wurde 1618 umgebaut und 1777 vergrößert. Die in der Bulle von 1226 erwähnte Kapelle, eine Filialkirche von Ettenheim, könnte schon an der Stelle der Johanneskapelle am Berg gestanden haben. Diese jedenfalls alte, über dem Johannesbrunnen gelegene Kapelle wurde 1670 nach dem Großen Krieg unter Pfarrer Johannes Dietrich wiederaufgebaut. Im 17. und 18. Jahrhundert blühte eine kleine Wallfahrt zur Johanneskapelle und dem gegen Augenleiden und das ,,Fieber" heilkräftigen Wasser der Quelle. Ebenfalls alt ist die Wolfgangskapelle für den Schutzpatron gegen Viehseuchen. Der jetzige Bau steht noch nicht lange; eine erste Kapelle beim Kleinen Meierhof wird aber schon 1625 genannt. Um 1750 gründe­te Pfarrer J. K. Machleid auf eigene Kosten die Herz-Jesu-Bruderschaft in Ringsheim. Mit jährlich fünf Festen, einem Haupt- und vier Nebenfesten, bestimmte sie lange Zeit das religiöse Leben der Gemeinde. Nach Pfarrer Machleids Tod wurde ihm 1763 das große barocke Friedhofskreuz erstellt.

Trotz vorübergehender religiöser Wirren um 1600 blieb Ringsheim mit seinen Landes­herren immer gut katholisch. Davon zeugen auch die Feidkreuze. Das älteste und wertvollste steht vor der Johanneskapelle; der Maurer Bernhard Mutschler hat es 1671 hauen lassen. Weitere alte Kreuze sind ,,Landerers Kreuz" an der Hausener Straße von 1722 oder 1777, das Kreuz am Südausgang von 1796, das ,,Rote Kreuz" von 1803 und das Kreuz von 1860 mit der Gottesmutter. Das Kreuz am Nordausgang von 1915 wurde 1975 in den Berg versetzt. Im Hochwald steht ein Steinkreuz zur Erinnerung an den dort 1764 tödlich verunglückten Landelin Mutschler.

10. Der Dreißigjährige Krieg. Ein neuer Anfang

Von Endingen "biß an die Kintzig weder Hund noch Katze, vielweniger ein Mensch".

Grimmelshausen, Simplicissimus

Mit diesem Krieg kam für Ringsheim die dunkelste Zeit seiner Geschichte. Die Jahre 1622, 24. 32/33, 34 brachten Truppendurchzüge, Kontributionen, Plünderungen. 1635 starb Pfarrer Kayser an den Folgen von Mißhandlungen. 1637 befand sich während der Schlacht bei Ettenheim das Hauptquartier der Schweden unter Herzog Bernhard von Weimar in Ringsheim, und die schwedischen Geschütze waren am Rötelberg aufgestellt. 1638 verkauften einige Ringsheimer Bürger für 60 Gulden ihre Glocke nach Straßburg; sie wurde aber im Elsaß auf dem Transport geraubt. Der Krieg vernichtete allen Wohlstand. An seinem Ende waren die meisten Häuser, die Johanneskapelle und die Gemeindestube niedergebrannt, die Kirche und das Pfarrhaus ausgeplündert und leer. Das Dort war fast entvölkert, die Felder lagen noch lange öde.

Und doch ging es langsam wieder aufwärts. 1650 wird die Pfarrei wieder besetzt. 1651 wird das im Krieg verlorene Gemeindesiegel erneuert: Vorher hatte die Rose im Ring, das Symbol der Gemeindefreiheit, fünf Blütenblätter; von nun an sind es sechs. 1654 wird dem noch von den Schweden eingesetzten berüchtigten Schultheißen Diebolt Faber der Prozeß gemacht; er und seine Frau werden hingerichtet. 1656 leben im Dort wieder 150 Kommunikanten und 80 Kinder. 1660 gibt es schon 56 steuerzahlende Bürger. 1668 verfügt die Gemeinde wieder über soviel Geld, dass sie in Straßburg zwei Glocken gießen lassen kann, obwohl andererseits 1673 der Platz der Stube immer noch an Kenzingen verpfändet ist.

Die meisten der alten Ringsheimer Familien sind erst nach dem Krieg zugezogen, als Neueinwanderer das Dorf auffüllten. Nur die Weber, Wieber und Deninger (Thenger, Theninger) waren schon vorher da. Gleich nach dem Krieg tauchen die Hassur, Motz und Person auf. Ihnen folgen in den nächsten Jahrzehnten: die Biehler, Heitzmann, Hofstätter, Hoch, Hog, Kern, Kohler, Kölble, Kreis, Müller (Miller), Muttach, Mutz, Ringwald. Saumer, Schauber, Strickler und With.

11. Ringsheim unter der alten Ordnung

Vollberechtigter Bürger war früher, bis in die badische Zeit hinein, höchstens der Haushaltsvorstand. Er musste ein gewisses Vermögen haben und sich bei der Heirat ins Bürgerrecht einkaufen. In Ringsheim zahlten ursprünglich alle 10 Gulden, später Einheimische 3, Fremde 6 Gulden. Der Bürgernutzen ist ein Überbleibsel dieses Bürgerrechts. 1739 gab es 652 Einwohner, aber nur 140 Bürger und 4 Hintersassen ohne Bürgerrecht. Die Bürger wählten jedes Jahr den Heimburger und die fünf Gerichtsleute. Der Heimburger verwaltete die Gemeindekasse, er stellte die jährliche Rechnung auf, verlas sie in der Bürgerversammlung und legte sie dem Oberamt in Ettenheim zur Prüfung vor. Er war auch Pfleger und Verwalter des Waldes. Die Gerichtsleute bildeten mit dem Schultheißen und dem Heimburger das Ortsgericht, das aber nur für zivilrechtliche Dinge (Kaufverträge, Nachlässe, Waisenpflege u. ä.) zuständig war und nur Geldstrafen bis zu einer bestimmten Höhe verhängen konnte. Der Schultheiß oder Stabhalter wurde vom Oberamt ausgesucht und ernannt; vor Amtsantritt hatte er 500 Gulden Kaution zu stellen. Er war das ausführende Organ des Oberamts und der bischöflichen Regierung in Zabern und an ihre Weisungen gebunden. Er trieb auch Steuern und Abgaben ein. Zusammen mit den anderen sieben Schultheißen des Oberamts von Grafenhausen, Kappel, Münstertal, Münchweier, Wittelbach, Dörlinbach, Schweighausen hatte er im Blutgericht über schwere Verbrechen, das in der Ettenheimer Ratsstube tagte, Sitz und Stimme.

12. Schicksalsschläge

Wenn man den Dreißigjährigen Krieg ausnimmt, ist Ringsheim von schweren Katastrophen verschont geblieben. 1765 drohte ein Brand, der am 29. Juli nach der Ernte ausbrach und sich nicht eindämmen ließ, das Dorf zu vernichten. Die verzweifelte Gemeinde machte das Gelübde einer jährlichen Wallfahrt an Kreuzauffindung nach Maria Sand und brachte das Feuer nach acht Tagen unter Kontrolle. Krankheiten blieben nicht aus: 1814 forderte das Nervenfieber (Typhus) 46 Tote, und öfters fällt ein hohes Kindersterben auf: von den 54 Toten des Jahres 1791 waren 35 Kinder, von den 65 im Jahre 1794 waren es 40. In den häufigen Kriegen, denen Ringsheim durch seine grenznahe Lage am Oberrhein ausgesetzt war, mussten immer wieder viele Menschen ihr Leben lassen. 1796 starben Michael Schauber und seine Frau Franziska, als sie sich gegen die Wegnahme ihres letzten Stücks Vieh zur Wehr setzten, an den Folgen der Misshandlungen durch die französische Revolutionsarmee. In den Napoleonischen Kriegen kamen sechs Soldaten aus Ringsheim ums Leben, davon drei in Russland. Im Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 fielen drei Ringsheimer; dann gab es daheim im Jahre 1871 noch fünf und 1872 drei Tote an den Schwarzen Blattern. Dem Ersten Weltkrieg fielen 45, dem Zweiten Weltkrieg 110 Einwohner zum Opfer.

13. Nachbarlicher Unfriede

"Sie bekunden eine solche böse Absicht, daß die Herbolzheimer auf ihrer an Ringsheim grenzenden Gemarkung ganz ungesichert seien. Die Ringsheimer seien, Männer wie Weiber, gegen sie mit Sicheln und Prügeln angerannt, haben ehrvergessene Reden gegen sie ausgestoßen und versuchten es, mit ihnen handgemein zu werden, um sie zu vertreiben."

Beschwerde des vorderösterr. Stadthalters in Freiburg an die Regierung in Zabern, 1752

Mit Ettenheim und Grafenhausen, die mit Ringsheim ins selbe Amt gehörten, gab es wenig Probleme. Anders stand es mit Rust und Herbolzheim; da hörten längs der Banngrenzen die erbitterten Spänne und Zwistigkeiten nicht auf. Von 1711 bis 1814, über hundert Jahre lang, dauerten die Prozesse und der Streit zwischen Herbolzheim und Ringsheim. Die Grenze musste schließlich zu Ungunsten von Ringsheim zurückgenommen werden. Der Gemeinde ist damals offenbar Unrecht geschehen. Es heißt, dass das Zifferblatt am Kirchturm auf der Herbolzheimer Seite deshalb fehlte und dass das Pfarrhaus so breit vor die Herrenstraße gebaut ist, damit den auf dem Feld ar­beitenden Herbolzheimern der Einblick ins Dorf verwehrt blieb.

Eher noch schlimmer war es mit Rust. 1710 besaßen 66 Ringsheimer Bürger 134 Juchert (44 ha). Wiesland auf Gemarkung Rust, um 1800 sogar 159 Juchert (52 ha), und sie wollten dafür keine willkürlichen Abgaben an den Baron von Böcklin zahlen. Also verbot er ihnen 1712 das Betreten der Wiesen in seiner Herrschaft, woraufhin 177 Wagen Heu verfaulten. An Aschermittwoch 1779 läutete morgens in Ringsheim die Sturmglocke: es kam zu tätlichen Auseinandersetzungen mit den Rustern im Fischlinslehen, die dort Holz schlagen wollten. Die Zugtiere wurden ihnen ausgespannt, und der Ringsheimer Schultheiß Josef Motz führte im Triumph die Siegesbeute, 5 Paar Ochsen und 17 Pferde, heim ins Dorf.

14. Wein, Frucht und Tabak

,,Ringsheim, ein schönes großes Pfarrdorf, hat einen großen fruchtbaren Bann, auch etwas Weinwachs, treibt starken Handel mit Frucht, Hanf und verschiedenen Ölpflanzungen. Die Bürger sind wohlhabend, die Gemeinde besitzt ansehnliche Einkünfte und Waldungen."

J.B. Kolb, Histor.-statist.-topogr. Lexicon. 1816

Im Jahre 1760 umfasste der Bann Ringsheim etwa 544 ha Kulturland. 369 ha waren im Besitz von 84 Ringsheimer Bürgern, 175 ha gehörten verschiedenen kirchlichen Körperschaften und adligen Besitzern. Immer noch war Ringsheim ein ausgesproche­nes Bauerndorf. Um diese Zeit war die Gemeinde dabei, die landwirtschaftliche Nutzfläche durch Rodung der Stockäcker und des Fohrenwalds im Berg zu erweitern und den neuen (wenn auch nicht guten) Boden an Jungbürger zu verteilen.

Außerdem stand der Übergang von der Dreifelderwirtschaft zur Stallfütterung, ver­bunden mit der Aufteilung der allgemeinen Weide (71 ha) und dem vermehrten Anbau von Futterkräutern, vor der Tür. Es gab keine bestellten Vieh- und Sauhirten mehr, keine ,, Kuhläger" oder ,,Gansäcker", keinen Eckerich im Berg für die Schweine. Im Anbau waren die Reben nach wie vor das wichtigste, aber auf den Äckern wuchs neben Weizen, Roggen, Hafer und Spelz auch Hanf, Flachs und Ölfrüchte (Raps und Mohn). Der Bau von Kartoffeln und Mais kam erst langsam auf. Wichtig wurde später die Zichorle und dann ganz besonders, nach 1810, angeregt durch den Fabrikanten Lotzbeck in Lahr, der Tabakanbau. Durch ihn kam mehr Geld herein: 1811 brachte der Morgen Tabak 10 Zentner und 110 Gulden Erlös, der Morgen Hanf aber nur 4 Zentner und 60 Gulden. 1855 erzielte der Landwirt Georg Köbele einen 1. Preis auf der Welt­ausstellung in Paris, mit Urkunde und Medaille.

Seit altersher hatte aber auch das Handwerk einen Platz im Dorf; wir hören von Schmieden, Maurern. Zimmerleuten, Küfern, Webern, Bäckern und Schneidern. Die am Nordrand gelegene Ziegelei blickte auf eine lange Tradition zurück. Schon im Berain gibt es einen " Ziegelbrunnen" und ,,des leimers gruobe". 1620 übernimmt ein Georg Nickel, der Ziegler, die Ziegelscheuer, zu der die Ziegelgaß führte.

Von den Wirtshäusern ist neben der "Stube" lange Zeit der "Adler" das bedeutendste; er allein bot auch Übernachtungsmöglichkeit. Er stand schon vor dem Dreißigjährigen Krieg. "Hirschen", "Kreuz" und "Krone" sind um 1760 entstanden, anfangs des vorigen Jahrhunderts der "Ochsen". 1816 gibt es in Ringsheim 5 Wirte. Aus dem "Adler" stammt ein Ringsheimer, der im 18. Jahrhundert zu hohen Ehren aufstieg: Franz Joseph Negele; er wurde von Kaiserin Maria Theresia 1763 geadelt (von Blumenfeld‘) und 1767 Reichsritter. Wie er seiner Heimat verbunden blieb auch Dr. Karl Person (1887-1956), 1946-51 Präsident des Badischen Landtags und erster Erforscher der Geschichte Ringsheims.

15. Ein durchschnittliches Ertragsjahr

Die Zehntscheuer des Klosters stand an der Stelle des heutigen Rathauses. Für das Jahr 1766 ist uns überliefert, was dorthin als Zehntertrag eingeliefert wurde. (Alle Fruchtsorten wurden damals in Hohlmaßen gemessen; ihr Gewicht ist geschätzt.) Es waren: 39 Viertel (62 Ztr.) Weizen, dazu 8 Viertel (888 Liter) Hoos (Viehfutter aus Abfall beim Getreideputzen), 69 Viertel (97 Ztr.) Korn (Roggen), dazu 9 Viertel 3 Sester Hoos, 24 Viertel (31 Ztr.) Gerste, 74 Viertel (46 Ztr.) Fesenfrucht (Dinkel, Spatz), 14 Viertel (13 Ztr.) Hafer, 9 Viertel 5 Sester (9 Ztr.) Gerste und Fesenfrucht von den Reutteldern, 3 Sester (55,5 L) Tennrisie (Getreideabfall), 4 Viertel (630 Pfd.) Winterlewat (Raps), 4 Sester 2 Vierling (114 Pfd.) Magsamen (Mohnsamen), 2 Viertel 2 Sester 1 Vierling (470 Pfd.) Ackerbohnen, 2 Sester (50 Pfd.) Saubohnen, 2 Sester 2 Vierling 2 Mäßle (83 Pfd.) Erbsen, 5 1/2 Sack Erdäpfel, 1 1/2 Wagen Hanf, 3 Wellen Flachs, 1 Wagen Welschkorn. Aus den Bodenzinsen des Klosters kamen 22 Kappen (Masthähne) und 11 Hühner ein. Der große Hof lieferte 275, der kleine 100 Eier.

An Wein ging ein: vom Zehnten 71 Ohm 22 Maß (c. 2300 L), darüber hinaus von den Bodenzinsen (als Pachtgebühr) 83 Ohm 5 Maß (c. 2 600 L).

Von alledem ging die jährliche Kompetenz des Pfarrers ab: 14 Viertel (22 Ztr.) Weizen, 26 Viertel (36 Ztr) Korn. 13 Viertel (17 Ztr.) Gerste, 14 Viertel (13 Ztr.) Hafer, 200 Bund Stroh in vier Arten, 4 Sester (130 Pfd.) Erbsen, vom gesamten Hanfzehnten der halbe Teil, 48 Ohm oder 2 Fuder (c. 1 500 L) Wein, außerdem 8-10 Klafter Holz aus dem Auwald und 3-4 aus dem Hochwald. Diese Kompetenz bekam der Pfarrer in jedem Fall, auch bei einem schlechten Herbst. Sie ergab in Geld umgerechnet, mit Zinsen und Stolgebühren, ein Jahreseinkommen von 1.300-1.400 Gulden.

Es fällt auf, dass die gesamte Kartoffelernte nur 55 Sack betrug und nicht mehr als 10 Wagen Mais eingefahren wurden. 1805 gab es dann schon 23 Kartoffelanbauer. An Wein kommt man auf einen Gesamtherbst von 23 000 Litern.

16. Neue Herren, neue Zeiten

Als Ringsheim 1803 mit dem Amt Ettenheim zum neuen Großherzogtum Baden kam, änderte sich manches. In Karlsruhe hielt man mehr auf Ordnung, man forderte auch mehr, z. B. an Steuern und Abgaben. 1830 wurde die Badische Gemeindeordnung erlassen; seither gibt es Bürgermeister, Gemeinderat, Ratsschreiber und Gemeinderechner. Die geistlichen Güter wurden nach und nach an Ringsheimer Bürger verkauft. Noch heute ist zu hören, dass verschiedene mit viel Grundbesitz ausgestattete Familien durch die ,Lehen‘ dazu gekommen wären." (F. Schrempp.) Nach 1830 wurde der Zehnte in Geld abgelöst; das ergab den Grundstock für den Kirchen- und Pfarrhausbaufonds; die Bezahlung des Pfarrers übernahm der Staat. Lange Zeit hatte Ringsheim als Mitgenosse zum Ettenheimer Genossenschaftswald gehört. 1807 wurde der Wald aufgeteilt. Die Gemeinde erhielt 226 Anteile oder Aktien, etwa 233 ha davon reiner Wald, wovon jede Aktie 2 Klafter <8 Ster) Holz abwerfen sollte: die Höhe des Bürgerloses. In der Folge wurde ein eigener Waldhüter mit dem Wohnsitz in Ettenheimmünster bestellt.

Das 19. Jahrhundert brachte eine starke Zunahme der Bevölkerung (1804: 900, 1834:1 506 Einw.), es brachte Hungerjahre und wirtschaftliche Not. Schon im 18. Jahrhundert gab es Auswanderungen von Ringsheim ins Banat, und jetzt hofften viele darauf, ihr Glück drüben in Amerika machen zu können. Zwischen 1817 und 1880 kam es zu mehreren Auswanderungswellen, vor allem nach den USA. Nach den Familienbüchern des Pfarramts verließen von 1832-1872 165 Einwohner den Ort. Der ledige Schmied Burkhard Muttach wanderte 1842 mit drei anderen nach Venezuela aus, in die berühmte alemannische Kolonie Tovar, wo seine Nachkommen heute noch ansässig sind.

Das Ende der Auswanderungen kam, als die Zigarrenfabriken Arbeit ins Dorf brachten. Die erste in Ringsheim wurde um 1870 von Xaver Mutz gegründet. 1881 verdiente ein Zigarrenarbeiter täglich 3 Mark, gute Arbeiterinnen um 2 Mark. Der Bau der Eisenbahn ging im Sommer 1845 zu Ende und brachte günstigere Verkehrsbedin­gungen. Die Haltestelle konnte 1869 eingeweiht, das (1973 abgerissene) Bahnhofsgebäude 1902 erbaut werden. 1846/47 bekam Ringsheim ein neues Schulhaus (das jetzige Rathaus). Vorher diente ein altes Wohnhaus, an der Ecke Herrenstraße/ Kirchstraße, mit zwei kleinen Schulzimmern, als Schule. 1875 wurde die neue Münz­rechnung eingeführt: Mark und Pfennig lösten Gulden und Kreuzer ab; das Dorf hatte 1 330 Einwohner. 1900 wurde ein von den Gengenbacher Schwestern betreuter Kindergarten gebaut (1951/52 Ausbau, 1966 Erweiterung)

17. Im 20. Jahrhundert

Pfarrer der Gemeinde Ringsheim im 20. Jahrh. und Jahr des Amtsantritts waren:

Karl Josef Gänßhirt (1902), Johann Baptist Hermann (1931), Franz Schrempp (1941), Karl Göz (1964)

Bürgermeister der Gemeinde Ringsheim im 20. Jahrh. und Jahr der (ersten) Wahl:

Rudolf Biehler 1 (1890), Wilhelm Schauber (1914), Konstantin God (1919), Emil Weber (1928), Emil Schmidt <1934), Max Henninger (1946), Rudolf Biehler 11(1948), Ludwig Greber (1969)

Zu Beginn des neuen Jahrhunderts zählte Ringsheim 1 369 Einwohner. Von 1809-1924 hat es zum Amt Ettenheim gehört, dann wurde es die südlichste Gemeinde des Landkreises Lahr und (seit 1973), immer noch selbständig, des Ortenaukreises. Die Land­wirtschaft bestimmt weiter das Bild: 1925 gab es 332 bäuerliche Betriebe, deren Zahl bis 1960 auf 202 absank (95 Haupterwerbsbetriebe). Noch 1950 gab es in Ringsheim außerdem 5 Zigarren- und Stumpenfabriken mit 306 Beschäftigten, von denen jetzt kaum eine mehr am Ort ist.

Schon in den ersten Anfängen hat das Eisenerz die Geschichte Ringsheims beeinflusst. Jetzt prägte es noch einmal über dreißig Jahre lang das Gesicht des Ortes und der Landschaft. 1937 wurde in großem Maßstab der Abbau aufgenommen. Die großen Betriebsgebäude entstanden, der Berg verwandelte sich. Zwischen 1938 und 1942 wurden jährlich zwischen 400000 und 650 000t Erz gefördert; 1956/57 war ein Spitzenjahr mit 789000t. Die Einstellung des Betriebs Im Jahre 1969 brachte, vor allem wegen der Verwendung des aufgelassenen Geländes zur Rebneuanpflanzung, als umstrittene Mülldeponie, als Baugebiet beträchtliche Probleme mit sich, mit deren Bewältigung die Gemeinde beschäftigt bleibt.

Beide Weltkriege gingen über das Dorf hin; gegen Ende des zweiten hatte es noch unter Beschuss und Bombenabwurf zu leiden. Am 19. 4. 1945 wurde es, nicht zum ersten Mal in seiner Geschichte, von französischen Truppen besetzt. Nach dem Krieg begann eine zügige Aufwärtsentwicklung. Straßen und Wege wurden ausgebaut, die Straßenbeleuchtung und die Wasserversorgung (1953) geregelt. Mehrere Flurbereinigungsverfahren wurden durchgeführt. Nach dem Bau der Autobahn (1960) entstanden ein neuer Sportplatz mit Sporthaus und das Schützenhaus. 1967 wurde im Unterfeld der große Schulhausneubau bezogen und im Jahre 1970/71 das alte Schulhaus zum Rathaus ausgebaut. Seit 1952 wurde in immer neuen Ansätzen die barocke Pfarrkirche renoviert. Zur Zeit ihrer Erbauung amtierten in Ringsheim als Pfarrer Franz Xaver Götz und als Schultheiß Franz Joseph Graber (1783‘-1822). Jetzt ist die Renovation im wesentlichen abgeschlossen. Auch zu dieser Zeit amtierten Pfarrer und Bürger­meister gleichen Namens, nämlich Pfarrer Karl Göz und Bürgermeister Ludwig Greber, ein Nachfahre des Schultheißen F. J. Greber. Gegenwärtig stehen die groß angelegten Arbeiten an der Ortskanalisation und einer Gemeinschaftskläranlage, die die Finanzen der Gemeinde sehr belasten, im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit.

18. Rückblick und Ausblick

Im Jubiläumsjahr 1976 blickt die Gemeinde Ringsheim auf 750 Jahre urkundlich be­legter und etwa 1 400 Jahre nachweisbarer Geschichte zurück. So lange siedeln Ringsheimer ununterbrochen am Fuß des Kahlenbergs, an der alten Römerstraße. Das sind fünfundvierzig Generationen, die in Freud und Leid, in Krieg und Frieden, in nicht aufhörender Arbeit das Bild des Ortes und seiner Gemarkung geschaffen haben. Dabei zeigt Ringsheim keine Altersbeschwerden, es fühlt sich jugendkräftig wie eh und je. So ist auf viele weitere lebendige Jahre zu hoffen. Im ganzen hat doch immer ein guter Stern über der Geschichte Ringsheims gestanden: die Rose im Ring wird nicht welken.

Hubert Kewitz