Johanneskapelle

Test

Ein echtes Kleinod etwas abseits, östlich der Bundesstraße, beim "Ochsenbrunnen".

Sie wurde im 17. Jahrhundert erbaut und 1989 letztmals restauriert.

Wundervolle Wandmalereien (Fresken) wurden freigelegt.

Die Sanierung der Ringsheimer Johanneskapelle ist abgeschlossen

Bürgermeister Heinrich Dixa dankt den Spendern Holger Person und Hilmar Weber

 

Holger Person, Inhaber der Ringsheimer Firma Person Metallbau und Brennschneidetechnik, brachte an Fenstern der Kapelle Kippvorrrichtungen an, um die Kapelle ausreichend belüften zu können.

Hilmar Weber setzte seine Fachkenntnisse bei der Trockenlegung des Gebäudes mit ein.

Bürgermeister Heinrich Dixa dankte beiden Unterstützern im Namen der Gemeinde und des Kulturkreises: ”Wir sind Jedem dankbar, der an irgend einer Stelle hilft”, sagte Dixa.

Wissenswertes um und über die Johanneskapelle:

Ringsheimer Johannesquelle: ein uraltes Heiligtum

Wie das Phänomen der starken Quellen bei St. Landelin im benachbarten Münster­tal muß auch in Rings­heim die am Hang des Vorbergs (unterhalb eines alten Reihen­gräber­fried­hofs) östlich der Bundesstraße entspringende Johannesquelle schon früh die Aufmerksamkeit der Menschen auf sich gezogen haben.

Bei unseren heid­nischen Vorfahren, den Alemannen, spielte die Verehrung der Quellen eine große Rolle. Und als etwa im 7. Jahrhundert das Christentum in unserem Raum missionierte, hat es solche Orte christlich überformt, im Münstertal auf den Klosterheiligen Landelin bezogen und in Ringsheim auf Johannes den Täufer.

In Ettenheimmünster ließ die Legende die Quellen an dem Ort entspringen, an dem Landelin von dem Jäger getötet wurde. Ähnliches sei in Ringsheim geschehen:

„Man erzählt, Missionare haben an dem Platz gepredigt, einer wurde erschlagen, eine Quelle sei entsprungen, über der eine Kapelle erbaut wurde." (Prof. Franz Hoch, Ringsheim, in einem Manuskript von 1948 über „Flurdenkmäler der Gemarkung Ringsheim" (Gemeindearchiv Ringsheim 353/38))

Eine Ringsheimer lokale Tradition meint, die Kapelle vorm Berg sei sehr viel älter als sogar die alte, beim Bau der Barockkirche abgerissene Kirche östlich vom Pfarrhaus. Sie sei sogar eine der ersten Taufstellen aus der christlichen Frühzeit am Rhein, und von daher sei Ringsheim zu seinem Kirchenpatron Johann Baptist gekommen. Der um die Ortsgeschichte verdiente Pfarrer Franz Schrempp (1941 - 1964 in Ringsheim) vertrat diese Meinung. Er zitiert Bernhard Schelb: „Wenn es mir gestattet ist, noch etwas nördlich des alten Breisgaus vorzudringen, so sei wenigstens mit einem Worte hingewiesen auf den St. Johannes-Brunnen zu Ringsheim, der bei der St. Johannes-Kapelle östlich des Dorfes entspringt und bei dem wir wieder wie beim St. Johannes-Brunnen in Wolfenweiler einen alten Taufbrunnen vor uns haben dürften. Der 1942 verstorbene Pfarrer Val. Hoch, Ringsheim, hat mich auf diesen Brunnen aufmerksam gemacht. Dort holt nach der Sage die Hebamme die kleinen Buben."

(Heilige Brunnen im Breisgau aus vorchristlicher und christlicher Zeit. Freiburger Diözesan-Archiv 69 (1949) S. 224. - Der Brunnen in Wolfenweiler ist nicht mehr erhalten.)

Ob die jetzige Kapelle von 1670 wirklich einen Vorgängerbau gehabt hat, konnte bisher nicht festgestellt werden. In der Papsturkunde von 1226, in der Ringsheim zum erstenmal erwähnt ist, wird auch eine „capella" in Ringsheim genannt.

Mit dem Begriff wird dort aber nur eine Tochterkirche (= capella) der Mutterkirche (basilica) in Ettenheim bezeichnet, also eine Vorläuferin der alten Pfarrkirche im Ortsetter. In den erhaltenen schriftlichen Quellen gibt es keinen Hinweis, doch kann man nicht ausschließen, daß die im 17./18. Jahrhundert bezeugten und sicher älteren Wallfahrtsbräuche am Johannifest sich auch baulich schon früh bei der Quelle konkretisiert haben (Brunnenfassung, Brunnenhaus).

In der uralten Vorliebe Ringsheims und der Nachbargemeinden für das Johannisfest, das Fest unseres Kirchenpatrons, haben sich zwei Elemente der vorchristlichen Kultur zusammen gefunden: neben dem alten alemannischen Quellkultus die alte Sonnwendfeier, die mit dem Geburtsfest des Täufers zusammenfällt.

Eine alte Wallfahrt

Die Verehrung des Ortspatrons war immer sehr groß. Schon in dem ersten ausführlichen schriftlichen Dokument über Ringsheim, einem Berain (Güterverzeichnis) des Klosters von ca. 1330 (Generallandesarchiv Karlsruhe, Berain 5623 Ettenheimmünster), tragen viele Bewohner den Namen Johannes. Das blieb so die Jahrhunderte hindurch. Ebenso trugen viele der „Herren von Ringsheim", aus dem kleinen im Mittelalter ansässigen Adelsgeschlecht, diesen Vornamen. Und im Dorf gab es bis ins 19. Jahrhundert hinein ein „St. Johannes-Gässle", den heutigen Bahnhofsweg. Ob dieser seit 1670 belegte Name auf ein anderes, vielleicht älteres Johannesheiligtum im Ort hindeutet, ist unklar.

Im Barock, um 1750 herum, lag der Höhepunkt einer kleinen Wallfahrt.

Auch außerhalb des Patroziniums besuchte man in dieser Zeit gern die Johanneskapelle mit ihrer Quelle, deren Wasser als heilkräftig, besonders für Fieberkranke, aber auch für Augenleiden galt.

In diesem Jahr 1750 wurde unter Pfarrer Machleid die Kapelle renoviert und zu Johanni neu geweiht.

Vor 1670 hat es wohl noch keine Kapelle am Berg gegeben. Die Prozessionen aus der Nachbarschaft gingen also, wie auch später, zunächst zur alten Johanneskirche in der Dorf­mitte. Die neue Kapelle und das Kreuz davor sind dann entstanden, um der Wallfahrt einen zu­sätzlichen Anreiz zu geben.

Während der Blüte der Wallfahrt im 18. Jahrhundert war der Feiertag, der 24. Juni, verbunden mit einem großen Beichttag. Kapuziner aus Mahl­berg oder Fran­ziskaner aus Kenzingen hörten Beichte und predigten.

Hierfür zahlte die Gemeinde dem Ortspfarrer eine Gebühr von drei Gulden; der Pfarrer hatte dafür die Beichtväter zu beköstigen und über Nacht unterzubringen.

(Die Gemeinde erhielt 1777 in Straßburg eine Bestätigung des Ablasses (Heimburger-Rechnung 1777).

Man beichtete und kommunizierte, weil zu Johanni in Ringsheim ein vollkommener Ablaß aller Sündenstrafen gewonnen werden konnte, der den Empfang der Sakramente voraussetzte. Das war für den Ort eine Vergünstigung, die offenbar sehr alt und nicht leicht zu erreichen war.

All das fand in der Pfarrkirche statt, dann besuchte man die Kapelle und ihr heilkräftiges Wasser.

Am 3. Juli 1693 fiel in Ringsheim ein Rudolf Böhm vom Kirschbaum und starb. Die Sakramente konnte er nicht mehr empfangen, schreibt Pfarrer Brintzbach ins Totenbuch, aber am Johannisfest eine gute Woche zuvor habe er ja den vollkommenen Ablaß gewonnen.

Der Bau von 1670

Jahrhundertelang umfaßte die Johanneskapelle im wesentlichen nur den jetzigen Altarraum. Der heutige Chorbogen bildete die Eingangspforte und war von innen verschlossen mit zwei Türflügeln, deren Angeln und Verschlußzwinge noch sichtbar sind. Die Jahreszahl 1670 im Scheitel des Chorbogens bezeichnet das Jahr der Erbauung. Ein Jahr später kam das Kreuz hinzu;

Kapelle und Kreuz sind offenbar als ein Ganzes, als ein Quellenheiligtum, geplant gewesen und haben immer eng zusammengehört. Die Kapelle stand über einer Quellenfassung, deren Wasser in einer Leitung weiterfloß zum Kreuz, dort im Kreuzesstamm hochstieg und vorn aus der noch erhaltenen Ausflußöffnung in eine Brunnenschale floß. Hier bedienten sich die Pilger, benetzten (wie bei St. Landelin) damit die Augen und nahmen von dem segensreichen Wasser mit nach Haus.

Die Inschrift am Kreuz ist ausführlich gehalten und nennt neben dem Pfarrherrn, dem Magister der Theologie Johannes Dieterich, als Stifter den Maurer Bernhard Mutschler. Ein Maurer Michel Mutschler, wohl der Vater, war nach einer von Dr. Karl Person in Karlsruhe aufgefundenen Liste von 1656 damals Steuerzahler.

Pfarrer Schrempp nimmt an, beide Mutschler seien vom Wiederaufbau nach dem Dreißigjährigen Krieg wohlhabend geworden und hätten von ihrem Geld das Kreuz gestiftet.

Am Torbogen in der Kapelle stehen neben der Jahreszahl nur wenige Buchstaben: links „S.M.M.", rechts „J.D.P.". J.D.P ist leicht zu deuten, es wird die Abkürzung von „Johannes Dieterich Parochus" (Pfarrer Johannes Dieterich) sein.

Über S.M.M. kann man nur Vermutungen anstellen. Schrempp schlug vor, es hieße „Sancti Martyris Memor" (Des heiligen Martyrers eingedenk); dann hätte der Pfarrer Johannes Dieterich wohl seinem Namenspatron zu Ehren die Kapelle gestiftet. Es könnte aber auch „Sumptibus Mutschler Murarii"

(Aus den Mitteln des Maurers Mutschler erbaut) heißen; dann wäre Mutschler auch der Stifter der Kapelle.

Jedenfalls wird Meister Mutschler den einfachen ersten Bau erbaut und, wie es üblich war, auch entworfen haben. Aus der heutigen Bauaufnahme hebt sich der alte Grundriß mit seinen stärkeren Mauern deutlich hervor.

Rechnet man die Daten der Vermessung (Vorgenommen von Herbert Motz im Herbst 1992) auf das damals hier übliche Maß, den Straßburger Fuß (28,86 cm) um, ergeben sich einfache Verhältnisse:

Die innere (lichte) Breite des heutigen Altarraums umfaßt 9 Fuß, die innere Länge 11 Fuß; die Mauerstärke von anderthalb Fuß (ohne Putz) hinzugerechnet, ergibt sich eine äußere Breite von 12, eine äußere Länge von 14 Fuß. Von den Höhenmaßen des ersten Baus ist durch die späteren Umbauten nichts Sicheres erhalten außer der Höhe des Chorbogens, der 7 Fuß hoch und 7 Fuß breit war. (Bei einem jüngeren Umbau wurde, um den Eingang zum Altarraum zu erhöhen, beiderseits ein 20 cm hohes Sandsteinstück ins Profil des Bogens eingepaßt). Größe und Gestalt der jetzigen Fenster, die der Ettenheimer Bildhauer Beck 1887 geschaffen hat, mögen in etwa die der alten Fenster sein.

Die Quaderstärke des Chorbogens entspricht mit dreiviertel Fuß der halben Mauerstärke. Der unter dem heutigen Altar verborgene alte steinerne Altartisch (Mensa) ist mit 2,5 x 5 Fuß doppelt so lang wie breit. Mit 3,5 Fuß war diese alte Mensa halb so hoch wie der Chorbogen. An ihrer gemauerten Front fällt eine senkrecht angebrachte, offenbar als Reliquiengrab gedachte (und jetzt leere) Nische auf. Eine kleineres Gegenstück dazu wurde bei der letzten Restauration oben am Kopfbalken des Kreuzes freigelegt: ebenfalls quadratisch, senkrecht angebracht und ebenfalls leer, obwohl noch mit einer Steinplatte verschlossen.

1670: "St.: Johannisweg"

In der "General Erneuerung deß Ringßheimer Banns" (Gemeindearchiv Ringsheim, Bücher I, Nr. 3), mit der am 31.10.1670 begonnen wurde, ist die Kapelle noch nicht erwähnt, wohl aber der zu ihr führende Weg, der als Gemeindeeigentum ("Allmendt") bezeichnet und „St: Johannisweeg" genannt wird. Der Flurname "Johannesgarten" in der Nähe erscheint zuerst in der Erneuerung (Grundbuch) von 1723: "im St. Johannes garthen".

1697: „ahn dem bächlein hinundter"

1697 ist ein Grundstück „in alhiesige St. Johannes Cappele legiert" (d.h.: der Zinsertrag floß der Kapelle zu). Diese Urkunde ("Rintzheimber Kirchen Ernewerung 1697"; Kopie im Kath. Pfarrarchiv Ettenheim) verzeichnet ein "Hanffgelänth bey der S: Johanis Capelen neben bemelter Capelen ahn dem bächlein hinundter". Es gab also wohl seit je einen kleinen Wasserlauf hinunter zur Straße, der erst später gefaßt wurde.

1750: Weihe der Kapelle

Text von Franz Schrempp:

„Schon 1660 schrieb der Dekan (des Lahrer Kapitels) und Ringsheimer Pfarrer Peter Molitor (Müller) in einem Bericht, daß auf den Johannestag Prozessionen aus Ettenheim, Grafenhausen, Kappel, Rust und Herbolzheim kämen. Nach Wiederherstellung der Kapelle mehrten sich im 18. Jahrhundert die Wallfahrer noch. Die St. Johannesquelle, wie das Volk den Quell unter dem Altare benannte, genoß den Ruf, heilkräftig zu sein.

Fieberkranken würde Genesung zuteil, wenn sie sich aus ihr labten. Dieser Ruf des Quells zog noch mehr Pilger an.

Unter solchen günstigen Umständen nahm sich gleich nach seinem Aufzug Pfarrer Johann Kaspar Machleid als ein Mann in einem Alter nahe der Siebzig des Heiligtums an. Er veranlaßte 1750, daß die Gemeinde der Kapelle innen und außen ein neues Gewand gab. Nach erfolgter Renovation wandte er sich an die bischöfliche Behörde um die Erlaubnis, die hl. Messe in der Kapelle zelebrieren zu dürfen. Bis dahin war es nicht gestattet, in der Kapelle das hl. Opfer zu feiern. Das Bittschreiben vom 10. Februar 1750 legt dar: „Es besteht in dem Dorf Ringsheim innerhalb der Grenzen dieser Pfarrei eine Kapelle unter dem Namen St. Johannes Baptista. In unvordenklicher Zeit auf Kosten der Gemeinde errichtet und bis heute unterhalten, besitzt sie bis jetzt unversehrte Mauern mit einem steinernen Altar, der nicht konsekriert ist. Es entspringt in der Nähe ein sehr klarer Quell, aus welchem heilbringendes Wasser geschöpft und Kranken, besonders Fieberkranken, gebracht wird. Zu dieser Kapelle strömen oft Gläubige in einzigartigem Eifer und Verehrung gegen Gott und St. Johannes, sowohl aus der Pfarrei als auch aus der Nachbarschaft. Sie bitten, daß wie vor 30 Jahren so auch jetzt und in aller Zukunft daselbst über einem altare portatile (tragbaren Altar) das hl. Opfer gefeiert werden dürfe. Die Kapelle besaß einst genügend Legate. Durch die Ungunst der Zeiten ist aber der größte Teil verloren, deren eines oder anderes infolge meiner eifrigen Nachforschung neu gefunden wurde. Ich hoffe, auch die übrigen im Laufe der Zeit wieder zu empfangen. Inzwischen verspricht die Gemeinde Ringsheim ernstlich, aus Eigenem besagte Kapelle für immer in gutem baulichen Zustand zu erhalten.

Deswegen wird die Erlaubnis erbeten, die hl. Messe dort feiern zu dürfen und die Kapelle, sofern sie vielleicht (in einem der vorhergehenden Kriege) durch Soldaten entweiht worden wäre, von neuem zu weihen und zwar durch den Pfarrer Anton Machleid in Herbolzheim."

Unter dem 13. Februar gleichen Jahres verlangt das Generalvikariat der Diözese Straßburg einen Revers der Gemeinde, in dem sie sich zum Bau und zur Unterhaltung der Kapelle in versprochenem Sinne verpflichtete. Unter dem 10. April 1750 hat die Gemeinde, vertreten durch den Schultheiß Heim­burger und Gerichtsmänner, dem Pfarramt einen derartigen Revers zugestellt. Nach Einsendung dieses Reverses kam, datiert vom 20. April, vom Generalvikariat die Genehmigung, die Kapelle neu zu weihen, und zwar erhält die Fakultät (Erlaubnis) der vorgeschlagene Pfarrer Anton Machleid zu Herbolzheim. Dazu wurde auch die Erlaubnis zur Zelebration erteilt.

Am 22. Juni, dem Sonntag vor dem Feste des hl. Johannes, weihte Pfarrer Anton Machleid von Herbolzheim (der Bruder des Ringsheimer Pfarrers) unter Assistenz des Pfarrer Zeder von Wagenstadt und des Ortspfarrers die Kapelle von neuem. Die Gemeinde beteiligte sich zahlreich an der Feier, an ihrer Spitze der Schultheiß Martin Mutz und der Heimburger Michel Etlinger. Nach der Weihe wurde unter Gesang das erste hl. Opfer in ihr wieder gefeiert.

Pfarrer Johann Kaspar Machleid stiftete 40 Gulden für die Kapelle, behielt sich jedoch für Lebzeiten den Zinsgenuß vor. Nach seinem Ableben sollte dafür in der Kapelle eine Jahrzeit für seine Seelenruhe gehalten werden. Was zur Bestreitung der Gebühren vom Zins nicht benötigt würde, solle für den Unterhalt der Kapelle verwandt werden. Zu diesen 40 Gulden kam noch ein Kapital von 20 Gulden, das früher schon gestiftet war. Diese 60 Gulden machten das Kapelleneigentum aus und das, was jährlich an Gaben in den Opferstock fallen würde. Machleid wollte wohl mit seiner Stiftung anregen, daß noch andere Stifter Legate der Kapelle zukommen ließen, um der Gemeinde ihre Verpflichtungen zu erleichtern. Sein Beispiel hatte jedoch nicht den erhofften Erfolg. Ein Jahrhundert später, 1860, war das Kapellenvermögen erst auf 70 Gulden angewachsen, wohl nur durch Zinsanhäufung. Zins ertrug dieses Kapital 3 Gulden und 5 Schilling (= 5 %), woraus jährlich ein Jahrtag für Pfarrer Machleid in der St. Johanneskapelle bestritten wurde.

Alle Zustiftungen und Gaben wären in der Gemeinderechnung verrechnet worden, was den mildtätigen Sinn der Gläubigen nicht besonders anregte.

(Pfarrer Fr. Schrempp: Aus der Geschichte des Dorfes Ringsheim. Manuskript; vor 1945. S. 226 f.)

1762: Visitation

Eine bischöflich-straßburgische Visitation vom 8. Mai 1762 in Ringsheim (Abschrift im Erz. Archiv Freiburg, Ha 582 a) vermerkt, daß „eine dem hl. Johannes geweihte Kapelle existiert, deren Unterhaltung der Gemeinde obliegt; gelegentlich werden Messen in ihr gelesen". Die Visitatoren ordnen an, daß die Kapelle verschlossen und verriegelt zu halten ist, um jede Profanierung zu vermeiden. Auch sei die Decke dieser Kapelle zu erneuern.

Deshalb läßt 1766 die Gemeinde eine „Eyßernes gatter in Sanct Johann Cappel" machen (Heimburger-Rechnung 1766).

1772/73: größere Arbeiten

Doch damit nicht genug. Die Heimburger-Rechnung für das Jahr 1773 enthält Belege für größere Arbeiten an der Kapelle in den Jahren 1772/73. Die drei Ringsheimer Maurer Christian und Wolfgang Kößler und Antoni Saumer arbeiten lange an der Kapelle. Der Ringsheimer Ziegler Fr. Jos. Bosch liefert 10 Viertel 3 Sester (= 1165 Liter) Kalk und 300 Ziegel, zwei Ettenheimer Nagelschmiede liefern 160 große und 500 runde Lattnägel, der Ettenheimer Rotgerber

Johannes Kuentzer verkauft 8 Pfd. Kälberhaar (kam in den Feinputz); der Ettenheimer Glaser Fr. Jos. Ketterer arbeitet ebenfalls an der Kapelle.

1809: "ansonsten entbehrlich"

Am 14.8.1809 melden Pfarrer Dyhlin und Schultheiß Greber dem Großherzogl. Oberamt auf Anfrage: die "dahier Oberhalb dem dorf gelegene kleine St=Johannes Kappele" diene "zu der Allgemeinen Andacht"; es werde "zu zeiten darinnen Meß gelesen"; ansonsten sei sie entbehrlich. Sie besitze kein Vermögen und werde "von Gemeinds Gutthätern in dem kleinen kosten Unterhalten" (Generallandesarchiv Karlsruhe, Abt. 353/1908/105).

1805-50: weitere Arbeiten

1805 macht der Schreiner Sebastian Hog „in der Johannes Capel dem Sanct Johannes zwey Arm", 1807 faßt (grundiert und bemalt) er den Altar in der Kapelle. Ebenfalls 1807 faßt Xaver Kopp von Ettenheim den hl. Johannes und das Antependium (Vorderseite) des Altars. (Dieser hl. Johannes, offenbar die Mittelfigur des alten Altars in der Kapelle, ist vermutlich identisch mit der heute noch in der Sakristei der Pfarrkirche aufbewahrten kleinen Statue.)

1818 läßt die Gemeinde erneut an der Kapelle arbeiten. Die Rechnung verbucht: 4 Pfd. Kälberhaar, 5 Pfd. rote Farbe, 4 Lot Berliner Blau, ferner Kienruß, Sand, Lattnägel, 300 Bachensteine, 100 Ziegel, 6 Viertel Kalk und Schreinerarbeiten.

Im Jahr 1850 kommt eine Reparatur der Kapelle (vornehmlich Maurerarbeiten) die Gemeinde auf 38 Gulden.

(Die Angaben nach den Gemeinderechnungen der betr. Jahre).

Noch um 1833 gehört das Patrozinium neben Fronleichnam und dem Geburtstag des Großherzogs zu den drei großen Festen im Jahreslauf. Musikanten, Soldaten, Schützen, Kreuz- und Fahnenträger gestalteten feierlich den Tag.

1870: Die „liberalen Gemeindeväter" sind gegen die Trockenlegung

Im Laufe des 19. Jahrhunderts nahm die Wallfahrt zur St. Johanneskapelle in Ringsheim wieder ab. Einzeln gingen allerdings noch Gläubige an Sonntagen zur Kapelle, ihre Anliegen vor den Heiligen vom Jordan zu tragen. Auf dem Rathaus und weit hinaus in seinem Umkreis hatte sich der Geist des Liberalismus eingenistet und trieb seine Blüten. 1870 ging auf Anregung des damaligen Pfarrers Huggle die Stiftungskommission den Gemeinderat an, die Kapelle trocken legen zu lassen und dann zu renovieren. Schande halber wurden, wie der Pfarrer bemerkt, die Wände neu gestrichen, aber die Trockenlegung geschah nicht. Die liberalen Gemeindeväter meinten: „Die Gründer der Kapelle hätten einen trockeneren Bauplatz wählen sollen, diese Feuchtigkeit im Inneren soll seit Eröffnung dagewesen sein."

Ja, diese überklugen Gemeindeväter wußten eben nicht mehr darum, daß die Gründer über das Wasser bauen wollten, weil sie den heilbringenden Quell in den Kapellenraum einbeziehen wollten.

Haben sie es noch allenfalls einmal gehört, dann erschien ihnen das als ein überfrommes Angebinde nachtschwarzer Zeit." (Fr. Schrempp, S. 228.)

1880/91: Der Ochsenbrunnen

1880 vereinbart die Gemeinde mit Ochsenwirt Josef Weber wegen seinem Brunnen beim Ochsen-Wirtshaus: Das Wasser der Johannesquelle wird in einer neuen Holzleitung an den Brunnen herangeführt. Die Deicheln werden von der Gemeinde geliefert; der Ochsenwirt hingegen hat für die Unterhaltung der Leitung zu sorgen und für den richtigen Abfluß des Wassers durch eine Dole über die Landstraße in seinen Garten. Ortsangehörige haben das Recht, das Wasser an dem Brunnen zu holen, daraus zu trinken und auch ihr Vieh dort zu tränken. (Nach der Überlieferung hat das Vieh das Wasser des Ochsenbrunnens dem des Brunnens vorm Adler vorgezogen.)

1891 wird die bestehende Holzleitung durch 60 mm weite Gußröhren ersetzt, die in einem 150 m langen, an der Sohle 50 cm breiten Rohrgraben verlegt werden. Ferner wird am Brunnen ein neuer gußeiserner Brunnenstock erstellt.

Fußnote (Gemeindearchiv Ringsheim, Faszikel 351). Der Brunnenstock ist noch erhalten.

1886/87: Renovation unter Pfarrer Karl Hermann

In den Jahren 1886/87 fand unter Pfarrer Karl Hermann eine gründliche Renovation der Johanneskapelle statt, die das heutige Aussehen des kleinen Heiligtums geprägt hat. Pfarrer Hermann schreibt: „In letzter Zeit ergab sich wenigstens beim Anbau die Notwendigkeit einer neuen gründlichen Reparatur, eines neuen Aufbaues der Wände und einer Neulegung oder Zementierung des Bodens, um die Feuchtigkeit, welche die Quelle und deren Abfluß in dem Kirchlein bewirkt, womöglich zu entfernen. Mit kommendem Frühjahr (1887) wird das äußere der Kapelle, der Vorplatz und der Weg hergestellt werden, womit aber noch nicht alles abgeschlossen ist". (Zitiert bei Fr. Schrempp, S. 228. Unterlagen über die Renovation: Gemeindearchiv, Fasz. 230).

Die heutige Eingangsfassade und der Vorraum entstanden also unter Pfarrer Hermann. Er ersetzte damals eine ältere, vielleicht ursprünglich offene Erweiterung nach Westen, von der wir nicht wissen, wann sie entstanden ist (schon 1772/73 ?).

Beteiligte Künstler und Handwerker:

Bildhauer Johann Beck, Ettenheim: 24 Fuß Steingewände mit Gesims für die neuen Fenster (33,60 Mark), ferner der Aufsatz mit Kreuz über der Eingangstür (12 Mark). (Johann Beck ist auch der Schöpfer des Feldkreuzes im Grün von 1882 und des Kreuzwegs bei Maria Sand.)

Maler Karl Stertz, Endingen: Decke mit Friesen, Monogramm des hl. Johannes (innere Decke), Auge Gottes

(Mitte äußere Decke), Wände, Chorbogenwand mit zwei Engeln (200 Mark), Dekoration der Wände.

Firma Simmler & Venator, Offenburg: der neue Altar mit Mensa und Tritt (600 Mark), die Johannesfigur auf dem Altar (100 Mark). Die in diesen Jahrzehnten vielbeschäftigte Firma Simmler hat bei dieser Gelegenheit in Offenburg die alten in der Kapelle vorhandenen Figuren restauriert.

Schlossermeister Lienemann, Herbolzheim: das schmiedeeiserne Gitter (105 Mark).

Glasmanufaktur Adolf Schell, Offenburg: die farbigen Glasfenster (39,15 Mark).

Glaser Emil Kohler, Ringsheim: vier neue Fenster (ohne Glas) (16,80 Mark).

Drahtflechter Karl Schmidt, Offenburg: die Gitter vor den Fenstern (17,84 Mark).

Gipser Leo Gropper, Herbolzheim: Zementboden, Putz und Rohrverlegungen bei der Quelle (178,85 Mark)

Maurer Rudolf Person, Ringsheim (90 Mark).

Schmied Eduard Muttach.

Schreiner Karl Hog, Ringsheim: Verschalung und Bänke (51,99 Mark).

Anton Meier und Jakob Wachenheim: Erdarbeiten (9 Mark).

Maler Lukas Berblinger (6,23 Mark).

Aus zwei Kollekten in Ringsheim, aus einer Kollekte unter in Freiburg lebenden Ringsheimern, aus einzelnen Spenden und der Versteigerung alter Gegenstände aus der Kapelle kamen 753 Mark und 6 Pfennige zusammen. Alex Kölble in Freiburg stiftete ein Johanneskreuz, Ludwig God von Ringsheim einen Kreuzweg in die Kapelle. Derselbe Alexander Kölble, Restaurateur in Freiburg, der Armenbadverwalter Muttach in Baden-Baden und Pfarrer Streicher in Mundelfingen stifteten als gebürtige Ringsheimer die bei Cofard in Colmar gegossene Glocke. Sie wurde Pfingsten 1888 geweiht, fiel aber dann dem Ersten Weltkrieg zum Opfer.

Das Silberglöcklein

Ein Prolog zur Weihe vom Jahre 1887 spricht von einem Silberglöcklein, das Franzosen aus der Kapelle entführt hätten. Dieses Märlein vom Silberglöcklein hat die Volksphantasie erträumt. Pfarrer Machleid vermerkt nichts davon, daß die Kapelle eine Glocke besessen habe. Mit den Sagen von dem Silberglöckle ist es eine eigene Sache. Ist je eine Glocke in einem Dachreiter gehangen, dann wäre sie aus dem üblichen Glockenmetall gegossen gewesen, nicht etwa aus Silber. Das Silber der Sagen entstammt dem hellen Ton dieser kleinen Glocke." (Pfarrer Fr. Schrempp, aus der Geschichte der Pfarrei St. Johannes Baptista zu Ringsheim. Hrsg. von Pfarrer Karl Göz. Ringsheim 1974, S. 43.)

Um 1895 wurde die St. Johannesglocke in der Zeit vom 1. März bis 1. September täglich durch den Mesner geläutet; dies war ein „Kirchendienst", der von der politischen Gemeinde gezahlt wurde (Gemeinderechnung 1895).

Dieser Brauch hat sich lange erhalten; zuletzt geschah es noch an den Sonntagen um zwölf Uhr.

1920: Eintrag ins Grundbuch

Immer hatte die Johanneskapelle der politischen Gemeinde gehört, seit der Zeit, als zwischen politischer und kirchlicher Gemeinde noch kein Unterschied gemacht wurde. 1920 sollte auf Anregung des Katholischen Oberstiftungsrats die politische Gemeinde das Eigentumsrecht an der Kapelle der Kirchengemeinde überlassen. Die Gemeinde ging nicht darauf ein, ließ aber unter dem 9.12.1920 einen Eintrag ins Grundbuch fertigen, demzufolge die Katholische Kirchengemeinde Ringsheim das alleinige Benutzungsrecht der Johanneskapelle habe.

1933: neues Glöcklein aus Villingen

Am 25.1.1933 lieferte die Glockengießerei Grüninger in Villingen für das im Weltkrieg abgegebene Glöcklein ein neues von 47 kg um den Preis von 117 RM. Es wurde am Volkstrauertag geweiht. Diese Glocke hat den letzten Krieg überstanden; auf Verwenden von Bürgermeister Emil Schmidt blieb es im Dachreiter hängen. Es trägt einen schmalen Lorbeerzweigring, die Figur eines gefallenen Kriegers im Schoß eines Engels und das Jahr des Gusses 1932; nach der Inschrift ist es „Unseren gefallenen Kriegern 1914 - 1918" gewidmet. Der westliche Tragebalken des Dachreiters trägt die Jahreszahl 1932.

Gottesdienste vor 1945

Pfarrer Schrempp schreibt vor 1945, daß Gottesdienste in der Kapelle am Johannistag, den 24. Juni, und an Johannes' Enthauptung, den 29. August, stattfanden. Es wurde die hl. Messe dort stille gelesen, und die Mitfeiernden beteten den Rosenkranz. Am Schluß sangen sie das Johanneslied aus dem alten Magnifikat: „Johannes auserkoren...".

„Am 24. Juni wird die hl. Messe für die Pfarrgemeinde gelesen, am 29. August wird eine gestiftete hl. Messe für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges gelesen, deren Namen auf zwei Gedenktafeln an den Wänden der Kapelle (rechts und links neben dem Chorbogen auf die Wand gemalt) angebracht sind." Diese Stiftung, schreibt er in einem Nachtrag, sei „infolge der Währungsreform von 1948 erloschen". Inzwischen war auch Johannes Enthauptung im Kirchenkalender gestrichen worden, und seit 1935 hatte das Kriegerdenkmal beim Friedhof die Aufgabe des Gedenkens an die Toten beider Weltkriege übernommen. - Die beiden Gedenktafeln wurden bei der Renovation 1962 übermalt.

Lange Zeit, bis in die Gegenwart hinein, war die Kapelle für den privaten Besuch während der Sommermonate an den Sonntagnachmittagen geöffnet.

Restauration 1962

1953 wurde das Dach der Kapelle durch die Gemeinde neu gedeckt.

Bereits requirierten kleine Buben Ziegel vom Dach, um ihre „Bauten" zu decken. Sie plädierten also für „Abbruch". (Schrempp 1974, S. 44)

Seit Ende 1958 betrieb die politische Gemeinde (Bürgermeister Biehler) zusammen mit dem Denkmalamt (Hesselbacher) und dem kirchlichen Konservator (Prof. Dr. Ginter) eine grundlegende Restauration von Wegkreuz und Kapelle. (Gemeindearchiv Ringsheim, Neuere Akten 353)

Am 31.7.1959 legte das Erzb. Bauamt einen Kostenvoranschlag von 6.000,-- DM vor.

Im Sommer 1962 wurden die Arbeiten an der Kapelle durchgeführt. Der Gemeinde entstanden dabei teilweise durch Zuschüsse gedeckte Aufwendungen in Höhe von 5.476,89 DM. Dach, Turm und Turmkreuz wurden renoviert, neue Ziegel gelegt, der Turm mit Kupfer gedeckt, eine Kugel aus Kupferblech angefertigt, ein neuer Außenputz angebracht (ebenso der Innenputz der Decke) und innen Decke und Wände gestrichen.

Beteiligte Ringsheimer Firmen: Franz Grußeck, Wilhelm Hofstetter, Josef Person, Wilhelm Person, Hermann Saumer und Alois Weber.

Restauration 1988/1989

Durch den „Kulturkreis Ringsheim e.V.", dem der Gemeinderat im September 1987 die Fürsorge für die in Gemeindebesitz befindlichen kleineren Kulturdenkmäler übertragen hatte, wurde 1988/89 in Zusammenarbeit mit dem Staatlichen Amt für Denkmalpflege und mit Unterstützung durch Gemeinde und Öffentlichkeit (Fliesenaktion) eine fachgemäße Restaurierung der Kapelle durchgeführt. (Eine Restauration des Kreuzes vor der Kapelle schloß sich 1992 an.) Die Arbeiten lagen in den Händen des Restaurators Bernd Baldszuhn, Offenburg.

Der restauratorische Grundgedanke war, neben der Erhaltung des Bestandes, den durch die Erneuerung 1962 überdeckten früheren farbigen Zustand zurückzubringen. An den Wänden von Vor- und Altarraum und am Chorbogen wurde in aufwendiger Arbeit nach Möglichkeit die Bemalung von Karl Stertz von 1887 wiederhergestellt; die Bemalung der Decke war allerdings verloren. Ein schönes Bild machen jetzt wieder die beiden in Wachsfarbe auf den Chorbogen gemalten Engel.

Simmlers neogotischer Altar und sein Johannes in der Mitte wurden gesäubert und konservierend behandelt, ebenso die älteren, teilweise barocken Figuren: vor allem die beiden Altar-Nebenfiguren der hl. Margarete und einer unbekannten Heiligen, sowie eine Pieta, ein hl. Sebastian, die Kruzifixe und der Kreuzweg. Außen wurde der Anstrich und Becks Aufsatz über der Tür erneuert. (Unterlagen: Arbeitsberichte des Restaurators).

Ausstattung der Kapelle

Zu Beginn der letzten Restauration befanden sich im Kapellen-Vorraum ein großes Kruzifix am Rundbogen, die Stationstafeln des Kreuzwegs, ein Rahmen mit einem zur Einweihung 1887 von Pfarrer Hermann verfaßten Gedicht sowie zwei Kniebänke.

Im Altarraum standen links ein hölzerner Opfer­stock, an der linken Wandseite be­fanden sich eine kleine Pieta und ein hl. Sebastian.

Ferner gab es eine Herz Jesu-Darstellung aus Gips.

Im Altar selbst fand sich von der Weihe her eine Reliquien­platte aus Marmor mit erzbischöflichem Siegel, auf dem Altar ein Kruzifix mit Muttergottes, zwei Leuchter (mit Stifterinschrift), drei Kanontafeln, ein Lesepult (mit Stifterinschrift) und eine Glocke. Im Altaraufsatz standen in der Mitte Simmlers Johannes der Täufer und die barocken Figuren einer hl. Margarete (links) und einer Heiligen ohne Attribut (rechts). Ein großer Teil der Ausstattung bleibt vorläufig aus Sicherheitsgründen außerhalb untergebracht.

Arbeiten im Spätherbst 1992

Das Problem der Trockenlegung des Gebäudes, das durch die Lage der Quelle unterm Altar entsteht und in den über dreihundert Jahren der Geschichte der Kapelle immer wieder Sorgen machte, stand weiterhin zur Lösung an. Von September bis Dezember 1992 wurden außen die Fundamente freigelegt, ein Drainagesystem eingebracht und die Fundamentmauern durch Betonabstützung gesichert.

Das Wasser der Quelle, das zunächst beim Aufgraben der Südseite an der Nahtstelle zwischen altem Bau und Vorbau unterm Fundament hervorbrach, speist inzwischen wieder die alte Zuleitung zum Ochsenbrunnen an der Straße.

Wie sich zeigte, reicht das Fundament des alten Baus besonders auf der Bergseite sehr tief und ruht in blauschwarzem, nassen Ton. An der NO-Ecke befand sich unter der ersten Steinlage ein im Wasser ganz vergangener Grundbalken.

Spuren eines Vorgängerbaus waren nicht zu erkennen, doch wurden, besonders an den Fundamentecken, mehrere große, gut bearbeitete Steine (Spolien) sichtbar, die vielleicht beim Bau 1670 aus vom Krieg zerstörten Gebäuden im Dorf hergeführt wurden.

Das Kreuz vor der Johanneskapelle

Das Kreuz ist das älteste Ringsheimer Wegkreuz und wurde nach dem Bau der Kapelle im nächsten Jahr (1671) vor ihr aufgestellt. Es ist ein vorzügliches Beispiel für die seltenen frühbarocken, einfachen Kreuze aus dem 17. Jahrhundert.

Stifter ist nach der Inschrift der Ringsheimer Bürger Bernhard Mutschler. Er wurde um 1630 im Dreißigjährigen Krieg geboren, erlernte das Maurerhandwerk bei seinem Vater Michel Mutschler und starb etwa achtzigjährig 1708 in Ringsheim.

Die Mittelpartie des Kreuzes mit Kreuzstamm, Querbalken und Corpus ist kunstvoll aus einem Stück gehauen. Den Corpus beherrscht das leicht geneigte, ausdrucksvolle Haupt; plastisch hervorgehoben sind Sehnen, Hautfalten und Blutstropfen auf Leichnam und Kreuz. Hinter der Dornenkrone ein dreifach geteilter, eiserner, vergoldeter Strahlenkranz. Die Rückseite schmückt ein langes Flechtbandornament mit einer Rosette in der Mitte, Muschel unten und drei Nagelköpfen.

Über dem kleinen Sockel ist auf dem schmalen Kreuzstamm die Stifterinschrift angebracht: BERNHAR/DVS MVTSH/LER BVRGER/IN RINTZE/HAT DISES CREITZ HAV/EN LASSEN/SVB RNDO/ PAROCHO/ M.IOANNE/DIETERICH/15 IVNIJ/1671. (Sub Rndo Parocho M. Ioanne Dieterich = Unter dem ehrwürdigen Pfarrherrn Magister Johannes Dieterich.)

Das Steinmetzzeichen unter der Inschrift konnte leider bisher ebensowenig wie das andere, bei der letzten Renovation zutage getretene unter der INRI-Tafel, einem Meister zugeordnet werden.

Am Sockel ist ein Eisen mit einer runden Öffnung eingesetzt, das offenbar einen alten Brunnenrohrausfluß hielt; Reste des Rohrs stecken in einer Durchbohrung des Sockels. Beim Aufgraben werden vorn am Sockel unten die kleinen Buchstaben H und N sichtbar; sie könnten sich auf den Ziegler Hans Jörg Nickel beziehen, der 1670 der Besitzer des Geländes beim Weingarten war und vielleicht den Platz für Kapelle und Kreuz gestiftet hat.

Der Sockel erhebt sich jetzt 32 cm über dem Erdreich, der Kreuzstamm ist 3,70 m hoch, der Querbalken 1,38 m breit. Stammstärke 22x19 cm.

Der Kulturkreis Ringsheim e.V. wurde im Jahr 1987 von Bürgermeister Heinrich Dixa und weiteren Kunst- und kulturell Interessierten unter anderem mit der Zielsetzung gegründet, die örtlichen Kulturdenkmäler zu restaurieren und zu pflegen und somit auch für die kommenden Generationen zu erhalten.

Durch die Aufgabenübertragung der Gemeinde an den Kulturkreis Ringsheim e.V. war es möglich, staatliche Zuschüsse von 50 % zu den denkmalbedingten Aufwendungen zu erhalten. Mit großem Eifer haben sich neben Bürgermeister Dixa vor allem Klaus Bosch, Hubert Kewitz, Julius Ohnimus und Hermann Saumer für die Pflege der Johanneskapelle eingesetzt.

Auch in Zukunft gilt das besondere Augenmerk der Trockenlegung des Gebäudes, denn durch die immer wieder auftretende Feuchtigkeit ist der Bestand des Bauwerks immer wieder gefährdet.

(Text von Hubert Kewitz)

CDU- Spende für die Sanierung der Johanneskapelle

 Detlef Erny, Thomas Maurer, Heinrich Dixa, Kuno Kölble, Martin Weber
Detlef Erny, Thomas Maurer, Heinrich Dixa, Kuno Kölble, Martin Weber

 

Für die dringende Sanierung der Johanneskapelle in Ringsheim spendete der CDU-Ortsverband einen Betrag von 300 Euro an den Kulturkreis. Der Betrag ist der Erlös der diesjährigen CDU-Weinprobe im Weinhof Weber-Link.

Bürgermeister Heinrich Dixa, Vorsitzender des Kulturkreises, nahm die Spende von Mitgliedern des Ortsverbandes dankend entgegen. Die Renovierungs- und Sanierungskosten der Kapelle werden etwa 90 000 Euro kosten. 70 000 Euro sind bereits gesichert, 20 000 Euro sollen im Rahmen von weiteren Spenden erbracht werden, sagte Heinrich Dixa. In den vergangenen Jahren konnten aus dem Erlös der CDU-Weinproben insgesamt 2 500 Euro für soziale Zwecke und Einrichtungen gespendet werden.

Blick in die Johanneskapelle mit neogotischem Altar

Johanneskapelle innen Seite Johanneskapelle innen  Johanneskapelle Altar