Rund um den Kahlenberg zwischen Herbolzheim und Ringsheim

Über dem Müll wachsen heute Orchideen

Von 1937 bis 1969 wurde auf dem Kahlenberg zwischen Herbolzheim und Ringsheim Eisenerz abgebaut. Danach, von 1973 bis 2005, wurde dort eine zentrale Abfalldeponie für den Landkreis Emmendingen betrieben. Bei der Rekultivierung wurden hervorragende Biotope geschaffen, die einer Vielzahl von - zum Teil seltenen - Pflanzen und Tieren neue Lebensmöglichkeiten bieten. Vieles davon ist aus gutem Grund eingezäunt.

An der Natur interessierte Wanderer können aber auch vom Rand der Rekultivierungsflächen aus ihre Beobachtungen machen. Reichhaltige und gut bebilderte Erläuterungen auf großen Informationstafeln helfen dabei.

Wir beginnen unsere Wanderung am Marktplatz in Herbolzheim. Wir überqueren die Bundesstraße 3 und biegen in die Staigstraße ab. An ihrem Ende beginnt der Weinwanderweg Kaiserberg, dem wir bergauf folgen. Auf der Höhe links, auf dem Dietweg (Wegmarkierung roter Punkt) bis zum kleinen Parkplatz am Beginn des Zaunes um die rekultivierte Deponie. Laut dem Wegweiser stehen wir hier auf dem Ostberg, 292 Meter hoch.

Nach Osten haben wir einen weiten Blick über das Bleich- und das Münstertal bis Münchweiher. Ettenheimmünster mit seiner Wallfahrtskirche St. Landolin versteckt sich hinter den Hügeln, die das Münstertal begleiten. Rechts geht bei unserem Standort der Königsweg ab, der die beiden Täler trennt. Im Hintergrund grüßen der Hünersedel oberhalb Freiamt und der Kandel.

Auf einer Informationstafel erfahren wir, dass die Wiese vor uns ein Halbtrockenrasen ist, auf dem die Große (oder Kaiserstuhl-)Anemone und zahlreiche Orchideen, wie das Brandknabenkraut, die Helmorchis oder das Große Zweiblatt, wachsen. Ein Paradies auch für Schmetterlinge.

Wir drehen uns um 180 Grad und blicken über die Deponiefläche ins Rheintal. Am Zaun berichtet eine weitere Info-Tafel über die Rekultivierung. Auf der ehemaligen Deponie ist ein Kalkmagerrasen entstanden, der durch Teiche und Tümpel unterbrochen wird. Die Kreuzkröte und zahlreiche Libellenarten sind hier zu Hause.

Viele Blütenpflanzen, darunter seltene Orchideenarten wie die Bienenragwurz, die mit ihrer Blüte das Insekt nachahmt, die Sumpf- und die Mückenhändelwurz, haben sich angesiedelt. Ihnen folgten die Schmetterlinge; der Schwalbenschwanz und der seltene Nachtfalter gleichen Namens werden genannt. Die Wiesenflächen sind auch ein Paradies für die Vogelwelt: Heidelerche und Baumpieper sind hier anzutreffen.

Wir gehen langsam weiter. Zu unsrer Linken beobachten wir zierliche Vögel im Gleitflug. Es sind Uferschwalben, die in Massen in den stehengebliebenen Löss-Steilwänden brüten. Doch was ist das? Wir beobachten auch größere Vögel in mindestens gleich elegantem Flug. Sie fliegen immer wieder zu einem Baum mit großer Krone, etwa 100 Meter unterhalb des Zauns.

Das Fernglas bestätigt unsere Vermutung: Es sind die farbenprächtigen Bienenfresser. Wie kleine Papageien flattern sie in der Baumkrone umher. Der inzwischen nicht mehr so seltene Sommergast aus dem Süden brütet in ein Meter oder mehr tiefen Röhren ebenfalls in den Lößwänden. Man kann ihn hier sicherer entdecken als in seinem angestammten Brutgebiet im Kaiserstuhl. Wir reißen uns von dem seltenen Anblick los und wandern, der gelben Raute folgend, durch eine schöne Lindenallee im Wald weiter. Hier beobachten wir vielleicht noch einen Gesellen aus südlichen Wäldern, den leuchtend gelb gefiederten Pirol.

An einer Rasthütte vorbei kommen wir zu einem weiteren blütenreichen Magerrasen hinter dem Zaun und dann zur Kapelle der "Schmerzhaften Muttergottes auf dem Kahlenberg" . Die Kapelle wurde von einem Ettenheimer Bürger um 1650 aufgrund eines Gelübdes errichtet. Die Wallfahrer kamen immer am Freitag und oft, weil sie an Fieber litten. Auf dem Barockkreuz von 1752 vor der Kapelle ist zu lesen: "Fliet ihr widerwertige Theil" und: "Allhier bittet eijeren Gott das er eich woll errethen von aller Fiebers Noth" . Vom alten Kreuzweg von Ettenheim her (1731) sind noch drei Stationen bruchstückhaft erhalten.

Wir gehen weiter in Richtung Heuberg. Vor dem Aussichtsturm führt die zwei Kilometer lange Kahlenberggasse, einer der längsten Lösshohlwege überhaupt und ein Paradies für Insektenkenner, hinunter nach Ettenheim. Wir steigen auf den kleinen Aussichtsturm und haben einen tollen Rundblick. Er regt uns zu weiteren Erkundungen an, zum Beispiel im Barockstädtchen Ettenheim, in Mahlberg mit seinem bereits in der Stauferzeit bestehenden Schloss, oder auf dem Schutterlindenberg bei Lahr. Für heute können wir zufrieden in der "Raststätte am Aussichtsturm" bei dem freundlichen Wirtspaar einkehren.

Der Rückweg ist schnell beschrieben: Wir wenden uns nördlich des Turmes nach links in Richtung Ringsheim (Wegmarkierung wie bisher). Im Talgrund oberhalb des Ortes wieder links und durch die Rebhänge des Kaiserberges und Ostberges zurück nach Herbolzheim.

Text aus der Badischen Zeitung vom Mittwoch, 2. April 2008 / Wandern für Wissbegierige (12) 

Halbtageswanderung acht Kilometer: Rundwanderung, mäßige Steigungen. Bestimmungsbücher und Fernglas mitnehmen. Naturschutz (Einzäunung) beachten!

Anfahrt auf der Autobahn A 5 oder der Bundesstraße 3 nach Herbolzheim. Mit der Bahn bis Herbolzheim
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