Tabakanbau in Ringsheim

Mehr als eine Million Setzlinge

DER TABAKANBAU IN RINGSHEIM (TEIL 1): Nach der Aufzucht werden die Setzlinge auf den Feldern in den Boden gepflanzt.

Der Tabakanbau ist seit mehr als drei Jahrhunderten in der Region beheimatet. Mit rund 560 Hektar Anbaufläche ist die Ortenau die Region mit der weitaus größten Tabakanbaufläche in Baden-Württemberg. Das Zentrum liegt im Raum Neuried, aber auch im äußersten Südwesten des Altkreises Lahr findet die Kulturpflanze ideale klimatische Bedingungen. Von der Anzucht bis zur Ernte und Verarbeitung begleitet die Badische Zeitung Markus Kreis, den letzten Ringsheimer Tabakbauer, übers Jahr. Im ersten Teil heute geht es um Anzucht und Ausbringung der Tabakpflanzen auf die Felder. Für Tabakbauern ist jetzt Pflanzzeit. Bei Markus Kreis und seinen Mitarbeitern fließt der Schweiß. 1,2 Millionen Tabaksetzlinge bringt der letzte Ringsheimer Tabakbauer auf seinen Feldern rund um die Gemeinde aus. Die Anbaufläche beträgt mehr als 30 Hektar. Tabakanbau war früher im Bauerndorf Ringsheim in den landwirtschaftlichen Kleinbetrieben eine wichtige Erwerbsquelle – neben Wein-, Hanf- und Flachsanbau, Ölfruchtanbau oder der Weberei. Und die Ringsheimer Tabakbauern waren erfolgreich: 1855 erhatte Georg Köbele auf der Pariser Weltausstellung sogar einen ersten Preis für seinen Tabak erhalten.

Mit dem Tabakanbau kamen die Zigarrenfabriken nach Ringsheim – in den 50er-Jahren gab es deren noch fünf im Dorf. Die Arbeit in den Zigarrenfabriken war hauptsächlich Frauenarbeit: Zigarren- und Stumpenwickeln. Bis in die 80er-Jahre konnten die Ringsheimerinnen mit dieser Arbeit einen Beitrag zum Familieneinkommen leisten. 1985 stellte die letzte Zigarrenfabrik ihre Produktion ein. Von dieser Zeit künden noch zwei Tabakschöpfe am Grasweg und einige noch erhaltene private Schöpfe, in denen früher Tabak luftgetrocknet wurde.

Waren es früher noch viele Kleinlandwirte, die Tabakanbau betrieben, so ist es heute nur noch die Familie Kreis, die in Ringsheim neben dem Weinbau noch Tabak anbaut. Früher wurde in der Region hauptsächlich die Sorte Badischer Geudertheimer angepflanzt, heute ist es die Sorte Virgin, erzählt Seniorchef Wolfgang Kreis. Virgin wird nach der Ernte nicht mehr wie die Sorten früher an der Luft, sondern in aufwändigen Verfahren in Öfen getrocknet. "Er besticht durch sein hell- bis goldgelbe Farbe. Wegen des geringen Nikotingehalts ist Virgin bei der Zigarettenindustrie gefragt", sagt Wolfgang Kreis. "Der Virgin verträgt gut die Trockenheit", erläutert Kreis. "Die Düngung ist maßvoll, die Pflanze braucht wenig Stickstoff." Eine Million Setzlinge werden aufgezogen.

Auf Kreis’ Hof beginnt die Tabaksaison mit der Anzucht von mehr als einer Million Setzlingen in den eigenen Foliengewächshäusern. Sechs Gramm Samen reichen für einen Hektar Anbaufläche. Die stecknadelkopfgroßen angezüchteten Samen kommen aus Holland vakuumverpackt in Ringsheim an. Eine eigene Sämaschine bringt Pille für Pille (Pilletierung) in kleine Fächer in Styroporplatten, die im gleichen Arbeitsgang mit Torf maschinell gefüllt werden. In Foliengewächshäusern wachsen die Sämlinge in sogenannter "schwimmender Anzucht" heran, das heißt die Styroporplatten mit den Sämlingen sind in Wasserbecken aus Holzrahmen und wasserdichter Folie gelagert. Unter permanenter Feuchtigkeit bildet sich das Wurzelwerk der Pflanze. Nach etwa zwei Monaten kann der Tabak auf den Feldern ausgebracht werden. Jede Styroporplatte enthält 240 Tabaksetzlinge. Auf einem Hektar Ackerfläche werden etwa 40 000 Setzlinge angepflanzt. "Bis zur ersten Ernte gilt die 100-Tage-Regel", sagt Kreis.
Mit Hilfe einer Tabaksetzmaschine, die von einem Kleintraktor gezogen wird, werden die Pflanzen zum Teil in Handarbeit eingepflanzt. Vier Personen bedienen die kreisenden Becherteller, in die die Setzlinge hineingegeben werden. Im gemächlichen Schritt tuckert der alte Deutz über den Acker. Zwei weitere Mitarbeiter folgen der Setzmaschine zu Fuß und setzen mit Hand nach, wo es erforderlich ist.

Der Tabakanbau in Ringsheim (Teil II) Die Ernte und die Trocknung der Blätter

 Der Tabak verfärbt sich bei der Heißlufttrockung nach und nach gelblich-braun
Der Tabak verfärbt sich bei der Heißlufttrockung gelblich-braun

Der Tabakanbau ist seit mehr als drei Jahrhunderten in der Region beheimatet. Mit rund 560 Hektar Anbaufläche ist die Ortenau die Region mit der weitaus größten Tabakanbaufläche in Baden-Württemberg. Das Zentrum liegt im Raum Neuried, aber auch im äußersten Südwesten des Altkreises Lahr findet die Kulturpflanze ideale klimatische Bedingungen. Von der Anzucht bis zur Ernte und Verarbeitung begleitet die Badische Zeitung Markus Kreis, den letzten Ringsheimer Tabakbauer übers Jahr. Im zweiten Teil geht es heute um die Ernte und Trocknung der Tabakblätter.

Wie robust die Tabakpflanze ist, zeigte sich in den letzten beiden Monaten, der Wachstumsphase des Virgin-Tabak auf über 30 Hektar Anbaufläche von Markus Kreis. Nach der Pflanzung Ende Mai kam eine extreme Trockenheit, die den Jungpflanzen sehr zusetzte. Ohne Wasser ist nahezu Stillstand auf den Tabakfeldern. Die Pflanzen wachsen unter günstigen Bedingungen jedoch relativ schnell, täglich etwa fünf bis sechs Zentimeter. In etwa 100 Tagen könne der Virgin geerntet werden, sagt die Regel. Der Virgin hat auch dieses Jahr die Regel nicht gebrochen, trotz schwieriger Wetterverhältnisse.

Eine zusätzliche Woche ohne Wasser wäre problematisch gewesen, sagte Markus Kreis. Doch dann kam der Regen und zwar in Massen. Die Tabakpflanzen explodierten förmlich und schossen bis zur Erntereife fast zwei Meter in die Höhe. Die lange Feuchtigkeit habe sich wiederum als Problem erwiesen, denn durch Pilzbefall (Blauschimmel) musste der Tabak prophylaktisch mit einer Fungizitspritzung behandelt werden. Wenn sich die bodennahen Tabakblätter gelblich färben, beginnt die Ernte der Blätter, die sich über sechs bis acht Wochen hinzieht. Mitte Juli begann die Ernte. Für den Familienbetrieb mit 18 Erntehelfern heißt das noch bis etwa Ende September Hochsaison. Zwei Trupps fahren täglich die Felder an um die reifen Blätter zu ernten, zuerst die untersten Blätter und die obersten Blätter zum Ende der Erntesaison. Es gibt vier Stocklagen mit der Bezeichnung Grumpen, Sandblatt, Hauptgut, Obergut. Ein leises Knack-Knack, ähnlich einem Metronom, ist im Tabakfeld zu hören, wenn die Blätter am „Storzen“ nach unten abgeknickt werden. Sie lösen sich sehr leicht. Zwischen den übermannshohen Tabakstorzen huschen die Helfer hin und her. Die Blätter legen sie auf ein etwa vier Meter langes Förderband, das die Tabakbündel auf den mitgeführten Pritschenwagen befördert. Auch hier kommen die alten aber zuverlässigen Deutztraktoren wieder zum Einsatz. Führerlos in einer vorbereiteten Spur zieht der Deutz den Anhänger in gemächlichem Schritt durch das Feld. Auf dem Anhänger werden die Blätter von zwei Helfern direkt in kleine Gitterboxen (Raks) gelegt und festgeklemmt. Ist der Wagen mit Gitterboxen voll, geht es zurück zum Tabakhof. Dort werden die Gitterboxen mit den geernteten Tabakblättern von weiteren Helfern in die Trocknungsöfen eingehängt. Eine Gitterbox ergibt sechs Kilo vermarktungsfähigen Tabak , etwa 64 Boxen kommen in einen Ofen. Der Wassergehalt der geernteten Blätter beträgt etwa 90 Prozent und nach der Heißlufttrocknung noch etwa 12 bis 15 Prozent. In wenigen Tagen sind alle 15 Öfen bestückt, und diese werden dann rund um die Uhr mit Heißluft beheizt. Gas und Strom liefern die Energie, der Bedarf ist hoch. Wenn einer der Öfen einen technischen Defekt hat, muss schnell gehandelt werden. Bei längerem Stillstand verliert der Tabak an Qualität oder es gibt einen Totalausfall. Sorgfalt ist bei der Trocknung gefragt. Die Temperaturen werden fast täglich erhöht, von anfangs 32 Grad bis 68 Grad zur Rippentrocknung. Nach einer Woche ist die Trocknung beendet, die Öfen werden mit frischem Tabak bestückt. Vor der Weiterverarbeitung wird noch einmal befeuchtet, damit die trockenen Blätter nicht zerbröseln. „Da müssen wir genau hinschauen“, bemerkt Markus Kreis und erzählt wie gemächlich es früher von statten ging, denn damals wurde der Tabak (der dunkle Geudertheimer) in großen Tabakschöpfen an der Luft getrocknet; und Raks gab es auch noch keine.

Die geernteten Tabakblätter wurden in den landwirtschaftlichen Kleinbetrieben mit langen Nadeln an den Rippen durchstochen und auf eine Schnur aufgefädelt (anfassen) Das „Anfassen“ wurde aber bald rationeller von Maschinen übernommen. Das  allabendliche Tabakanfassen in und unter den hofeigenen Scheunen war auch willkommener Anlass den Fasswein aus dem eigenen Keller zu genießen und miteinander zu „tratschen“ und Neuigkeiten des Dorfes auszutauschen. Der auf der Schnur aufgefädelte Tabak wurde entweder in die eigenen Tabakschöpfe oder die des Tabakbauvereins waagrecht zur Trocknung an der Luft aufgehängt. Durch die Holzlamellen am Gebäude konnte die Luftzufuhr gesteuert werden. Der Duft des Tabaks war in weitem Umkreis um die Schöpfe zu riechen und er hat sich bis heute in den zwei noch vorhandenen Tabakschöpfen des ehemaligen Tabakbauvereines im Holz festgesetzt. Im Spätjahr wurde der Tabak wieder abgenommen und in kleine handliche Ballen gepresst.

Der Virgin hat gewisse Vorzüge, bemerkt Markus Kreis. Sie beruhen nicht zuletzt auf dem relativ geringen Arbeitsaufwand von etwa 500 Stunden pro Hektar und Jahr. Durch die Heißlufttrocknung werde der Abbau von Zucker und Aromastoffen gedrosselt. „Virgin ist süßlich und aromatisch“, sagt Kreis. Der relativ milde und leichte Rauch des Tabaks sei bei der Zigarettenindustrie sehr gefragt. Der Tabak werde besonders für Wasserpfeifen genutzt. Die polnischen Erntehelfer kommen zum Teil schon mehrere Jahre in den Ringsheimer Familienbetrieb, es wird selbstständig gearbeitet. Ab und zu scherzt der Chef mit seinen Mitarbeitern auf polnisch. Diese Tatsache ist dem Hinweis der Erntehelfer geschuldet, die ihrem Chef eine einfache Rechnung aufmachten. Es sei doch einfacher, ein Deutscher lerne polnisch, als 17 Polen deutsch. Markus Kreis lacht -und er lacht eigentlich fast immer.

Die nächste und letzte Folge beschäftigt sich mit der weiteren Verarbeitung des Tabaks und der Vermarktung.

Der Tabakanbau in Ringsheim (Teil III) Bearbeitung und Vermarktung

Senior Wolfgang Kreis und Erntehelferin Anna Furmanek sortierten wochenlang die getrockneten Virg
Die getrockneten Virgin-Blätter werden nach Güteklassen sortiert

Der Tabakanbau ist seit mehr als drei Jahrhunderten in der Region beheimatet. Mit rund 560 Hektar Anbaufläche ist die Ortenau die Region mit der weitaus größten Tabakanbaufläche in Baden-Württemberg. Das Zentrum liegt im Raum Neuried, aber auch im äußersten Südwesten des Altkreises Lahr findet die Kulturpflanze ideale klimatische Bedingungen. Von der Anzucht bis zur Ernte und Verarbeitung begleiten wir Markus Kreis, den letzten Ringsheimer Tabakbauer, übers Jahr in seinem Familienbetrieb. Im ersten Teil ging es um die Aufzucht und Pflanzung der Setzlinge, im zweiten Teil um die Ernte und Trocknung der Tabakblätter. Im dritten Teil wird die weitere Verarbeitung des Tabaks und die Vermarktung beleuchtet.

Es ist ein schöner Spätsommertag, als es beim Gespräch im Markus Kreis am Mittag vor Allerheiligen um den letzten Teil des Tabakanbaus geht. Über 20 Grad warm ist es auf der Sonnenterrasse im Erdgeschoss des Wohnhauses im südländischen Toscanastil. Für die Jahreszeit außergewöhnlich warm und es drängt sich das Thema Klimawandel geradezu auf. Doch dazu ist wenig Zeit, denn Experte Markus Kreis möchte noch Vieles zum Thema Tabak loswerden. Bei einer Tasse Kaffee ist es richtig gemütlich, Markus raucht dazu eine Zigarette - was sonst. Es ist ruhiger geworden, die Tabaksaison ist beendet, ebenso die Weinlese. Er macht wie immer einen zufriedenen Eindruck, zumal er auf eine gute Tabakernte zurückblicken kann. Die Qualität sei ausgezeichnet, die Menge ging jedoch auf Grund der Trockenheit im Juni etwas zurück. Das Wetter habe sonst jedoch gepasst, es entstanden keine Schäden durch Unwetter, so Kreis. So konnte der Virgin-Tabak gut in die Heißluftöfen gebracht werden.

Die nun trockenen, fast goldgelben Tabakblätter mussten noch ein zweites Mal in die Hand genommen und nach drei Qualitätsklassen sortiert werden. Ein wichtiges Qualitätsmerkmal ist die Farbe. Sogenannter Papiertabak wird aussortiert. Danach kommen die Blätter als Bündel in Holzboxen mit etwa einem Kubikmeter Rauminhalt. Jede volle Box hat ein Gewicht von 110 bis 120 Kilo. Und die Boxen stapelten sich hoch übereinander in der Betriebshalle, bis sie an mehreren Terminen vom Händler abgeholt wurden.

Etliche Wochen verliefen für die Familie und deren Erntehelfer im immer gleichen Rhythmus: ernten, trocken, sortieren, zum Verkauf verladen. Zwischendurch waren noch die Trauben des Winzerhofes einzuholen. Wesentlich mehr Aufwand war früher mit der Verarbeitung des „schwarzen“ Tabaks  erforderlich, der in großen Tabakschöpfen an der Luft getrocknet wurde. In handliche Ballen wurde damals der fertige Tabak für den Verkauf gepresst, eine aufwändige Arbeit, stellt Kreis heute fest. Jede volle Box erhält einen Barcode, aus dem der Pflanzer ersichtlich ist, sowie ein Qualitätsvorschlag des Pflanzers. Die Vermarktung des Tabaks wird lange im Vorfeld vertraglich geregelt. Abnehmer von Markus Kreis ist die Firma Alliance One Rotag AG, mit Sitz in Karlsruhe.

Dort wird der Tabak auch der von anderen Erzeugern, vor der weiteren Vermarktung noch einmal einer Qualitätskontrolle -besonders auf den Feuchtigkeitsgehalt- unterzogen. Die nationale und internationalen Kunden erwarten konstant gute Qualität, teilen Markus Leis und Michel Bollinger von der Abnehmerfirma aus Karlsruhe beim letzten Termin auf dem Tabakhof Kreis mit.

Zu den jeweiligen Abwiegeterminen fahren Lkws der Firma auf den Hof. Zwei Experten der Firma beurteilen die Qualität des Tabaks. Besteht Einigkeit zwischen Ver- und Ankäufer ist das Geschäft unter Dach und Fach. Mit dabei ist auch ein sogenannter (unabhängiger) Boniteur, ein Fachmann des Tabakverbandes, der dem Erzeuger bei der Festlegung der Güteklasse und damit auch des Preises zur Seite steht. Die Qualitätskriterien der Abnehmer seien hoch, betont Kreis. Am 5. November verließen die letzten Boxen den Tabakhof von Kreis. Und wer trägt das Risiko einer Missernte? Das ist unser eigenes Risiko, sagt Markus Kreis. Auf Schädlinge und Pilzbefall habe man Einfluss, auf das Wetter nicht. Jeder Arbeitsschritt könne die Qualität des Tabaks verbessern oder verschlechtern. Etwa 2,5 Tonnen lieferfertiger Tabak pro Hektar stehen am Ende etwa zu Buche. Die Produktionskosten werden im Wesentlichen von Löhnen und dem Energiebedarf der Heißlufttrocknung bestimmt. EU-Subventionen gibt es seit 2010 nicht mehr, lediglich der Flächenbeitrag für die Feldbewirtschaftung wird noch ausbezahlt. Die Industrie habe jedoch darauf reagiert und für die Tabakbauern einen entsprechenden Ausgleich bezahlt. „Wir müssen uns komplett auf dem Markt behaupten“, meint Markus Kreis.

Der letzte Arbeitsschritt im Tabakbau ist die Feldhygiene, wie es Kreis fachmännisch ausdrückt. Auf über dreißig Hektar stehen etwa eine Million „nackte“ Tabakstengel (Storzen). Früher wurden diese abgemäht und danach getrocknet. Sie dienten in den Küchen der Bauersfrauen als begehrtes Anfeuermaterial für die Holzöfen.

Heute werden die Stengel auf dem Feld gemulcht und gefräst. Je kleiner desto besser, denn dadurch können Blauschimmel, Echter Mehltau oder Sklerotin-Befall bekämpft werden. Die Verarbeitung in einer Biogasanlage wäre denkbar, was auf Grund der Entfernung zur nächsten Biogasanlage nicht wirtschaftlich sei, meinte Kreis. Die Tabaksaison begann am 4. März mit dem „Stopfen“ der winzigen Samen und endete am 5. November mit dem Verkauf der letzten Tabakblätter. Neun Monate lang war der Familienbetrieb mit 18 Erntehelfern auf Feld und Hof mit dem Tabak beschäftigt. Auch im kommenden Jahr werden einige Tabakfelder die Mais-Einöde mit etwa einer Million Tabakpflanzen rund um Ringsheim bereichern. 

[Text und Bilder: Adelbert Mutz]

Eine Ära geht zu Ende

Auflösung Tabakbauverein
Ein lange Äre geht mit etwas Wehmut zu Ende. Der beiden Vorsitzenden Wolfgang Kreis (rechts) und Josef Muttach vor einem der beiden Ringsheimer Tabakschöpfe, einem Ringsheimer Kulturerbe.

Noch erinnern die beiden Ringsheimer Tabakschöpfe an den einst florierenden Tabakanbau, der den Landwirten lange Zeit ein gesichertes und gutes Einkommen bescherte. Bei der wohl letzten Generalversammlung des Ringsheimer Tabakbauvereins beschlossen die verbleibenden Mitglieder die Auflösung des Vereins. Zwei Gründe sprachen für diese Entscheidung, denn der Tabakanbau hat in Ringsheim an Bedeutung verloren. Nur noch ein Tabakanbauer pflanzt in Ringsheim großflächig die Tabaksorte Virgin an. Diese helle Tabaksorte wird jedoch nicht wie früher in Tabakschöpfen an der Luft, sondern in Heißluftöfen getrocknet.

Die beiden Tabakschöpfe im Ringsheimer Unterfeld, inzwischen ein Wahrzeichen der Gemeinde, stehen seit längeren Jahren leer. Es fehlten Pflanzer und der frühere dunkle Tabak der Sorte Geudertheimer waren von der Tabakindustrie nicht mehr gefragt. Das Vermögen des Vereins schrumpfte deshalb von Jahr zu Jahr, weil einerseits keine Einnahmen kamen, andererseits aber für die Unterhaltung der beiden Gebäude jährliche Kosten in Höhe von etwa 1 300 Euro anfielen, wie der Vorsitzende Wolfgang Kreis den Mitgliedern erläuterte. Kreis habe lange gehofft, dass man wieder zu den Wurzeln zurück käme, der dunkle Tabak eine Renaissance erleben würde und dass man die Tabakschöpfe wieder ihrer ursprünglichen Bestimmung zuführen könnte. Wie sich herausstellte, war der Wunsch der Vater dieses Gedankens.

Die Vorstandschaft beschloss deshalb im Einvernehmen mit den Mitgliedern die Gebäude zu veräußern und als zweiten Schritt die Auflösung des Vereins vorzuschlagen. Die Mitglieder stimmten in der Versammlung dem Vorschlag ohne Gegenstimme zu. Nach diesem Beschluss soll das Restvermögen zu gleichen Teilen an die Mitglieder ausbezahlt werden. Die beiden denkmalgeschützten Gebäude aus dem Jahr 1939 wurden inzwischen an einen privaten Investor veräußert. Einen möglichen Ankauf des Ringsheimer Kulturerbes durch die Gemeinde wurde durch Gemeinderatsbeschluss abgelehnt.

In seinem Vorwort blickte Wolfgang Kreis, seit 40 Jahren Vorsitzender des Vereins, auf die Geschichte des  Tabakanbaus und des Tabakanbauvereins zurück. Neben Hanf und Flachs war Tabak die wichtigste Erwerbsquelle für die landwirtschaftlich geprägte Gemeinde. Übrig blieb der Tabakanbau, der im Jahre1811 seinen Ursprung hatte. Mit Freiherr von Lotzbeck aus Lahr seien die ersten Anbau- und Lieferverträge gemacht worden. Die Bezahlung erfolgte damals in Kreuzern und Gulden. Zwei Gruppen habe es im Ort gegeben, die „Wilden“, die den Tabak selbst vermarkteten und die „Zahmen“, die sich organisierten, so die Recherchen von Kreis. Tabak aus der Region stand damals für gute Qualität, so Kreis. Im Jahre 1855 erhielt der Ringsheimer Tabakanbauer Georg Köbele auf der Pariser Weltausstellung einen ersten Preis für seinen Tabak. Die Erträge der damaligen Zeit waren so gut, dass der Kirche sogar eine Glocke gestiftet wurde. Im Jahr 1939 wurde der Tabakbauverein mit etwa 60 Mitgliedern gegründet, in diesem Jahr wurde der Verein 75 Jahre alt.

Der Tabakanbau florierte lange und brachte gutes Geld in die Kasse, wie Kreis erwähnte. Das Ernteergebnis mit 22 Pflanzern auf einer Fläche von etwa 34 Hektar aus dem Jahr 1987 betrug 579 000 DM. In den folgenden Jahren nahm die Zahl der Pflanzer kontinuierlich ab, im Jahre 1992 gab es noch 10 Tabakanbauer.

Ein zweites Mal war Ringsheim der (Tabak)-Nabel der Welt, als 1998 im neuen Bürgerhaus der Deutsche Tabaktag stattfand. Der letzte Verwiegetag in Ringsheim sei 2007 gewesen, danach war Schluss, sagte Kreis. Martin Weber, stellvertretender Bürgermeister, dankte den Mitgliedern des Tabakbauvereins, der Vorstandschaft und besonders dem Vorsitzenden Wolfgang Kreis, im Namen der Gemeinde und fügte hinzu, dass durch den Verein damals „viel Geld in die Gemeinde kam“. Kreis selbst richtete persönliche Dankesworte an Walter Motz, „einem Pionier des Ringsheimer Tabakanbaues, an Robert Weber und Josef Muttach. Ein Sonderlob erhielt Daniela Ringwald für langjährige Treue als Rechnerin des Vereins. Muttach dankte seinerseits dem Vorsitzenden Wolfgang Kreis und desssen Ehefrau Margarete für 40-jährigen unermüdlichen Einsatz für die Ringsheimer Tabakpflanzer.

[Text und Bild: Adelbert Mutz]

Tabakbauverein Ringsheim (aufgelöst im Dezember 2014)

letzter Vorsitzender
Wolfgang Kreis
Große Wolfgangstraße 11
77975 Ringsheim