Hiebmaßnahmen im Niederwald

In den vergangenen Wochen wurden im Niederwald einige auffällige Holzhiebe durchgeführt. Es handelt sich dabei um Maßnahmen im Rahmen des vom Gemeinderat beschlossenen „Ökokonto Wald“. Hierbei werden naturschutzfachliche Ausgleichsmaßnahmen für zukünftige Baumaßnahmen schon im Voraus vollzogen. Die Ausgleichsmaßnahmen werden mit einem vorgegebenen Punkteschema bewertet und in ein sogenanntes Ökokonto eingebucht. Wenn dann Baumaßnahmen anstehen, muss nicht zuerst Ausgleichsfläche geschaffen werden, sondern es werden die vorgezogenen Maßnahmen angerechnet und aus dem Ökokonto ausgebucht.

Erste Hiebmaßnahmen im Niederwald


Konkret werden im Niederwald folgende Maßnahmen umgesetzt:

Umwandlung von Waldbeständen mit nichtheimischen Baumarten in Eichenwald.
Die Stileiche (allgemein Deutsche Eiche genannt) ist ein typischer Baum des Auewaldes. Sie bietet Lebensraum für viele vom Aussterben bedrohten Arten wie zum Beispiel dem Hirschkäfer.
Leider nimmt der Eichenanteil in unseren Wäldern stetig ab. Die Stileiche hat einen extrem hohen Lichtbedarf und hat in der Naturverjüngung gegen die Konkurrenz von Ahorn, Esche, Buche und den anderen heimischen Baumarten keine Chance. Sie kann nur auf Kahlflächen erfolgreich aufwachsen.

Es ist aus naturschutzfachlicher Sicht absolut notwendig, den Eichenanteil wieder zu erhöhen. Am besten tut man dies zu Lasten der nichtheimischen Baumarten, im Fall vom Niederwald zu Lasten von Douglasie und Roteiche.
Konkret werden in bestehende Douglasie- und Roteichebestände kleinere Kahlhiebe gehauen. Auf diesen freien Flächen werden anschließend Stileichen in Reihen gepflanzt. Sie stehen in Wuchshüllen, um ein besseres Anwachsen zu ermöglichen und um sie vor der Konkurrenz anderer Baumarten zu schützen. In den Zwischenräumen wachsen die Baumarten die sich von selbst ansamen.
 
Wiedereinführung der Mittelwaldwirtschaft

Bei der Mittelwaldwirtschaft handelt es sich um eine historische Form der Waldbewirtschaftung.
Als die Menschen noch das Vieh in den Wald treiben mussten, um zu überleben, wurde jährlich reihum jeweils ca ein Zwanzigstel des Waldes kahl gehauen. Je Hektar bleiben nur 80 bis 100 Bäume stehen, die richtig dick werden sollten. Das ausgehauene Holz nutze man hauptsächlich als Brennholz oder schwächere Stangen. Wenn man Bauholz brauchte, wurden auch einige der dicken Bäume gefällt.
Auf den Kahlflächen hütete man das Vieh, bis nach zwei oder drei Jahren die jungen Bäume wieder die Oberhand gewannen. Dann ließ man diese Fläche in Ruhe und wanderte weiter. Jährlich wurde eine andere Teilfläche bearbeitet, sodass sich jeweils nach 25 bis 30 Jahren der Prozess wiederholte.

Diese Art der Waldbewirtschaftung bot vielen seltenen Arten einen Lebensraum. So konnten z.B. Fledermäuse in den Höhlen der alten dicken Bäume wohnen und unmittelbar daneben auf den Freiflächen Insekten jagen. Dadurch, dass alle 25 bis 30 Jahre ein Großteil des Bestandes kahlgeschlagen wurde und nur wenige Bäume übrigblieben, konnten auch sogenannte Bäume „zweiter Ordnung“ (Bäume die nicht so groß werden wie die anderen z.B. Feldahorn, Elsbeere, Speierling) überleben und zu stattlichen Exemplaren heranwachsen. Mit der Aufgabe der Waldweide wurden die Mittelwälder in Hochwälder umgewandelt und viele Arten wurden zurückgedrängt oder gingen verloren.
Im Niederwald nehmen wir diese historische Form der Waldbewirtschaftung in zwei Teilflächen mit jeweils 30 ha wieder auf.
 
Fazit
Die Waldbilder im Niederwald werden sich stark verändern, aber wir bekommen einen deutlich höherwertigen Wald als zuvor. Da diese Maßnahmen auch mit Einnahmeverlusten und sehr hohen finanziellen Aufwendungen verbunden sind, machen sie nur deshalb Sinn, weil sie im Rahmen des Ökokontos angerechnet werden.

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